31. Mai 2018

Klare Verhältnisse geschaffen. In dieser Form wollte ich das eigentlich nie, aber mitunter ist das Ziehen von Grenzen notwendig für den eigenen Seelenfrieden. Im Internet funktioniert das auf eine Weise, die mir  im Grunde nicht gefällt. Dass es leichter ist als im Privatleben, bewirkt, dass man leichtfertiger damit umgeht. In diesem Moment jedoch bin ich froh über die technischen Mittel, die es mir erlauben, ohne viel Aufwand einen Zaun um mich und das Meine zu errichten. Übrigens bricht man ja auch im Privatleben den Kontakt ab, wenn er unerträglich wird. Den moralischen Zeigefinger, mit dem ich mir seit Wochen selbst drohe, sollte ich also vielleicht senken.

Ich glaube, ich mag den Barschlamperich. Über den bin ich bei Twitter gestolpert. Schauen Sie mal in sein Blog hinein, vielleicht mögen Sie ihn auch.

8. Mai 2018

Keine Worte finden für die Erschöpfung. Von sechs Kolleginnen sind vier abwesend. Ich nehme mir vor, in einem vernünftigen Tempo zu arbeiten, so dass ich nach dem Arbeitstag noch Kraft für den Abend habe, aber es gelingt mir nicht.

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Eine Stunde Training ist besser als gar kein Training, markieren besser als gar nicht tanzen.  Markieren, um wenigstens nicht die Choreographien zu vergessen. Um die Schritte auszutanzen, fehlt die Energie. Peteneras, Siguiriyas, Tientos. Meine Bewegungen sind furchtbar hart geworden; ich wäre jetzt eine gute Bernarda Alba.

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Auf Twitter ist die Rede vom Tag der Befreiung. Die Spannweite der Tweets reicht von sentimental bis widerlich. Ich denke darüber nach, die Geschichte von den drei erschossenen russischen Jungen zu erzählen, aber diese Geschichte gehört nicht mir.

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Der Fünfte im Mai

Frau Brüllen stellt mich heute vor die Frage: was schreibt frau bloß über einen ereignislosen Tag. Wer Frau Brüllen nicht kennt, der lese hier: WMDEDGT.

Der Nachbarsbub drückt sich an mir vorbei und sagt weder Grüß Gott noch Sch…dreck. Allerdings straft der liebe Gott hart, aber gerecht, und in Kleinigkeiten bekanntermaßen sofort. Ein Getöse verrät, dass der ungehobelte kleine Klotz mit Rucksack und Zeichensachen die Treppe hinaufgefallen ist. Ein kurzer Blick nach hinten zeigt mir, dass er weder bewusstlos ist noch in seinem Blute schwimmt, deshalb setze ich meinen Weg ziemlich ungerührt fort. Er wird weiter zeichnen können, und vielleicht wird er mal ein neuer Michelangelo. Dann kann er sich ja immer noch ein besseres Benehmen angewöhnen.

Draußen duftet der Flieder über Benzin und Autoreifengummi hinweg. Meisen und Spatzen randalieren in den Löchern der Pfarrgartenmauer. Die Schatzis* sind noch nicht unterwegs und so kann ich mit den anderen alten Weibern in Ruhe einkaufen.

Hinterher lese ich ein bisschen Twitter und ärgere mich über Leute, die Fotos von Kolja Bonke oder Deutschlandfahnen im Profil haben, und über Leute, die solchen Leuten folgen. Andererseits lese ich ja auch den einen oder anderen, der meiner Filterblase übel aufstößt, und da lasse ich mir auch nicht hineinreden.

Die Schlaflosigkeit, die daraus folgende Übermüdung und der wiederum hieraus resultierende Schwindel strecken mich nach dem Mittagessen nieder. An Tanztraining ist nicht einmal zu denken. Ich schlafe zwei Stunden, dann ist es zu spät, um doch noch zum Training zu gehen. Statt Farruca und Tientos also halbherziges Putzen, was das Turmstübchen, das ich meine Wohnung nenne, definitiv verschönert. Nach vierwöchigem Halbkranksein mit Dauerschlappheit sah die Bude nämlich aus wie ein Fall fürs Gesundheitsamt.

Bei leichtem Wind genieße ich später den Ausblick in die grüne Hölle vorm Balkon; auf dem Balkon selbst sprießt das Grün erst zaghaft. In einem Blumenkasten wächst etwas, das eigentlich Mohn werden sollte, aber viel zu groß ist und außerdem leicht nach Tomate duftet. Eine Tomatenpflanze ist es jedoch auch nicht. Wir werden sehen. Die Samen der Werratal**-Mischung sind schon aufgegangen, ein abgebrochener Lavendelzweig, den ich einfach in die Erde gesteckt habe, wächst und gedeiht. Spilleriges Schnittlauch und leicht derangiertes Basilikum hängen in Töpfen am Paravent, ebenso wie Petersilie, aber lassen wir das: Petersilie kann ich so wenig wie Kapuzinerkresse. Dafür hat die Pfefferminze anscheinend den richtigen Platz gefunden (Halbschatten hinter dem Paravent? Ernsthaft? Na, von mir aus!) und kräftig ausgeschlagen.

Für die Besuchskrähe lasse ich einen übriggebliebenen Meisenknödel vom vergangenen Winter auf dem Balkonregal liegen. Wo Krähen sind, sind keine Tauben, und Krähen sind definitiv reinlicher. Die Meisenknödel gebe ich gern als Tribut für die neuen Herrscherinnen des Viertels, denn die schwarzen Biester amüsieren mich. Und sie lieben Meisenknödel. Ich weiß nicht, ob die Meisen im Winter überhaupt ein Bröckchen Knödel bekommen haben.

Die Obstvorräte sind definitiv zu knapp für das Wochenende. Grund genug für einen Ausflug ins Erdgeschoss. Der Laden ist fast leergekauft. Neben Obst finde ich noch zwei Packungen Ramen (Ich gestehe: ich bin süchtig nach Ramen aus der Tüte. Steinigen Sie mich ruhig. Andere spritzen Heroin oder saufen Wodka. Dagegen ist Ramen ein äußerst altjüngferliches und betschwesternhaftes Laster.)

Inzwischen ist es spät genug für ein frühes Abendessen, und damit ziehe ich den Vorhang zu und überlasse Sie Ihren abendlichen Beschäftigungen.

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*Pärchen, deren Komponenten anscheinend beide Schatzi heißen. 

**Heimat. Naja, fast, am Ende des Tals. (Für den geschätzten Blognachbarn gäbe es da sogar einen Radweg.)

26. April 2018

Der Tag beginnt um 1 Uhr nachts, als meine alte Freundin Insomnia sich auf die Bettkante setzt und mir die Decke von den Füßen zieht. In der Hoffnung auf die einschläfernde Wirkung des Internets werfe ich das Notebook an und werde auf Twitter Zeugin diverser Diskussionen über Werbung auf Blogs sowie werbende oder nicht werbende  Blogger, und vor allem, wer was falsch macht. Die Moralinsäure spritzt  in alle Richtungen. Macht doch, was ihr wollte, denke ich, und dass ich eigentlich fertig bin mit Kleinbloggersdorf. Wäre Kleinbloggersdorf ein realer Ort, zöge ich nunmehr freiwillig in die Wildnis.

Auf meinem Blog muss sich einiges ändern. Ich lösche diverse Texte ganz oder teilweise. Für den Fall, dass mir nicht doch noch einfällt, wie ich die Impressumspflicht umgehen kann, möchte ich keine Einträge auf dem Blog haben, in denen die beschriebenen Personen identifizierbar sind. Die Datenschutzeinstellung habe ich von „öffentlich“ auf „versteckt“ geändert. Wenn alles so funktioniert, wie ich es mir wünsche, findet das Blog nur noch, wer weiß, wonach er suchen muss.

Außerdem lösche ich Texte, in denen ich mein Herz allzu sehr auf der Zunge getragen habe. Ich weiß, ich neige dazu. Das ist nicht gut. Ich stehe nach wie vor hinter den Texten, aber sie gehören nicht mehr an die Öffentlichkeit.

Der Fünfte im April

Frau Brüllen möchte nach fünf Jahren immer noch wissen, was wir so machen. (Ich hoffe ja, das wird als Tagebuchblogpost anerkannt, zu mehr war ich nicht in der Lage.)

Rumjammern, die Fortsetzung.

Leichte Besserung der Symptome. Muskelkater vom vielen Husten. Zähneputzen, ausruhen. Katzenwäsche, ausruhen. Kämmen, ausruhen, usw. Die nötigsten Dinge einkaufen, davon aber nur die, bei deren Anblick mich nicht Übelkeit befällt. Lust auf Mandarinen aus der Dose. Die bleiben auch im Magen. Den Hustensaft bringe ich immer noch nicht hinunter.  Ausgiebig schlafen nach der kleinsten Anstrengung. Den Blogtext einer Heldin der Arbeit lesen, die sich krank ins Büro schleppt. Ja, habe ich früher auch gemacht und mit Fieber nachts im Notruf gesessen. Tue ich nicht mehr. Aus Gründen.

Zu allem Überfluss meldet sich auch ein schon mehrfach behandelter Zahn zu Wort. Lauthals. Krakeelend. Randalierend. Der wird warten müssen. Mein Zahnärztin ist mit mir zwar Kummer gewöhnt, aber mit Husten im Sekundentakt kann ich kaum auf ihrem Stuhl Platz nehmen.

Nur den Anfang von sicher wunderbar geschriebenen Blogtexten überfliegen. Keine Energie für tiefergehendes Eintauchen, für Kommentare, ein „like“ ist fast schon zu viel Mühe. Das Vorhaben, bei der nächsten Erkrankung die Arte-Mediathek leerzugucken, wird verschoben. Selbst dafür fehlt die Energie. So geschwächelt habe ich schon lange nicht mehr. Ist das das nahende Alter?

Da ich am Wochenende unter anderem bei zwei Notaufnahmeschwestern zu Gast war, hier ein Text einer weiteren.

3. April 2018

Rumjammern.

Kopf-, Hals-, Gliederschmerzen. Der lästige Arztbesuch lässt sich nicht umgehen.

Anderswo Veränderungen, die mir auch nicht gefallen. Menschen ändern sich. Die Veränderungen wahrnehmen und den Menschen nicht fallen lassen. Entscheidungen, die mir zuwider sind, akzeptieren.

Ich bin beileibe kein politischer Kopf. Mein bisschen Radikalität verstecke ich meist hinter mehr oder weniger ungeschickter Diplomatie. Sich nicht verhärten lassen.

Der Fünfte im März

(Sie kennen das doch: WMDEDGT?)

In der Nacht von Sonntag auf Montag schlafe ich stets schlecht. Habe ich gar Frühdienst, wache ich spätestens um drei Uhr morgens auf. Übernächtigt schleiche ich an solchen Tagen ins inzwischen schon ganz und gar verhasste neue, alte Büro.

Vor das Büro hat das Schicksal jedoch die Fahrt dorthin gesetzt. Der Bus um 6.20 Uhr fällt aus, ich hechte zur anderen Haltestelle, wo ebenfalls jeden Moment ein brauchbarer Bus abfahren sollte, aber auch der kommt laut Anzeige nicht. Also im Dauerlauf zur U-Bahn, die Tasche quer überm Bauch, der Beutel mit der Amtsstubenpflanze (die heute wieder in die Amtsstube zieht) fliegt hinterher. Ich hätte nicht hetzen müssen, denn auch die U-Bahn ist zu spät. Schon an der nächsten Station springe ich wieder aus der Bahn und erwische eine, die eine andere Strecke fährt. Das stellt sich als klug heraus, denn auf der eigentlichen Strecke gibt es wieder Ausfälle und Verspätungen zuhauf. Ich komme gerade noch rechtzeitig im Büro an.

Der erkrankte Kollege ist wieder im Dienst. Hinter zwei Computerbildschirmen und der Amtstubenpflanze mache ich mich so klein wie möglich,. Man möchte ja die Übellaunigkeit nicht unnötig provozieren, nicht einmal durch bloße Existenz. Dieser Montag ist ein typischer Montag. Morgens klappt nichts, am Nachmittag lösen sich Probleme auf wunderbare Weise nahezu von selbst.

Auf dem Heimweg laufe ich in zwei Geschäfte, um drei Backzutaten zu besorgen. Die Frau Oberkassier aus dem ersten Laden begegnet mir mit der ihr eigenen Arroganz und geheuchelten Freundlichkeit. Mit mir als Kundin ist auch nicht viel Staat zu machen. Wäre ich Herr oder Frau Doktor aus der benachbarten Klinik, ja, das wäre etwas anderes. Die Arroganz heckt sich fort bis ins dritte und vierte Glied, oder zumindest bis in den zweiten Laden, wo ein übel duftender Verkäufer mich behandelt, als hätte ich den Gestank persönlich in den Laden getragen. Verunsichert schnuppere ich zu Hause an Mantel und Bluse, aber ich rieche nur das Waschmittel von gestern und das Deo von heute morgen.

Zu Hause angekommen, lese ich eine Stunde Blogs und Twitter nach, telefoniere mit dem besten Ex der Welt und backe den Kuchen, um dessen Ingredienzen ich mit den  furchterregenden Einzelhandelsdrachen gekämpft habe. Ich vergesse, die Form einzufetten; trotzdem löst er sich ohne Murren und gleitet aus der Form aufs Küchenhandtuch, und ebenso leicht  vom Handtuch aufs Kuchengitter.

Der Abend gehört mir und nicht dem Blog.

 

 

 

 

 

19. Februar 2018

Übernächtigt, unausgeschlafen, mit einem nach Rauch und Teer schmeckenden doppelten Espresso im Magen, falle ich in den Bus, nicht wie sonst auf der Synagogenseite, sondern auf der Seite mit den lärmenden Schaufenstern. Der Februar hat sich noch einmal einen Eisbärpelz angezogen. An den Straßenrändern wird der Pelz aber schon fadenscheinig. Ein Fenster einer Kanzlei ist  erleuchtet; an der Wand lese ich: „Heute wird ein guter Tag.“ Wer hat das wohl an die Wand geschrieben, und woher will der das wissen?

Das Eis auf den Radwegen glitzert, das Radeln fehlt mir, aber im Herbst wurde es mir verleidet durch rücksichtslose Autofahrer und zu viele Abgase. Im Büro stehen die Umzugskisten. Ob ich im Frühling zum neuen Büro radeln werde, weiß ich noch nicht. Der Ausblick auf den kleinen Park wird mir fehlen.

Die muslimische Kollegin, die lange und schwer erkrankt war, ist wieder da. Sie trägt ein schwarzes Kopftuch, das Schultern und Brust bedeckt. Gläubig war sie schon immer, aber ein Kopftuch hat sie zuvor nie getragen. Es ist ja häufig so, dass der Glaube stärker wird, wenn man Schweres überstanden hat. In der Vergangenheit wünschte die Geschäftsleitung grundsätzlich keine Glaubenssymbole an ihren Mitarbeiterinnen zu sehen. Ich hoffe, dass man für diese Kollegin eine Ausnahme macht, denn ihr Kopftuch scheint mir Folge oder Bestandteil eines Gelübdes zu sein und außerdem ihrer Psyche gut zu tun.

Meine Firma ist eine, die die Sünden der Väter an den Söhnen zu rächen sucht, aber ein Täterregress muss erfolglos bleiben, wenn der Täter stirbt und die Söhne das Erbe ausschlagen.

Auf dem Heimweg kaufe ich Orangen, Milch und Käse. Daheim angekommen, habe ich gerade noch genug Energie, den Müll hinunterzubringen. Dabei rutscht mir der Mülleimer aus den Händen. Schalen vom gestrigen Muschelessen verteilen sich, garniert mit den Tempotaschentücherbergen von der letzten Erkältung, im Hof. Der Nachbar feixt dazu; das ist der Nachteil eines Gebäudes, das vage einer corrala ähnelt: jeder sieht und weiß alles.  Ich wünsche ihm die Krätze auf den Buckel und so kurze Arme, wie man das im Rheingau eben so macht, aber da ich meine bösen Wünsche nur in Gedanken formuliere, beeindruckt ihn das kein bisschen.

War das nun ein guter Tag? Es gab wohl schon schlechtere. Auf jeden Fall muss man der winterlichen Tristesse etwas entgegensetzen.

 

 

 

 

 

14. Februar 2018

„Da tun sich die gnädige Frau halt wundern!“ (Der Herr Permaneder zur Frau Buddenbrook.)

Einigermaßen fassungslos auf die gestrige Statistik gestarrt. Ich bilde mir nicht ein, dass die kleine Geschichte von gestern einen Nerv getroffen hätte. Die Zugriffszahlen – zehnmal so viele wie normalerweise – führe ich darauf zurück, dass die Geschichte von viel gelesenen Bloggern verlinkt wurde. Ich glaube, ich habe mich noch nicht bei allen Verlinkenden bedankt, also: vielen herzlichen Dank.

Auch weitere Ereignisse in Kleinbloggersdorf, Ortsteile  WordPresshausen und Twittersweiler, werfen ihre Schatten in meine Richtung und in die des geschätzten, wenn auch entfernten Blognachbarn. Die gnädige Frau wundert sich in der Tat und beschließt, in Zukunft noch weniger zu diskutieren und noch mehr stummzuschalten..

Eine korpulente Kohlmeise verschmäht die Meisenknödel, sowohl den hängenden als auch den liegenden. Dafür pickt sie eifrig auf dem nicht gekehrten Balkon herum. Meisennachricht des Tages: „Bei der geschichtenundmeer kann man vom Boden essen. Liegt ja auch genug rum.“ Ja, dann kehre ich halt nicht. Statt dessen schmeiße ich einen Meisenknödel auf den Boden. Vielleicht findet sie ihn ja dann.

Die Amseln versuchen immer noch, den Frühling mit Gewalt herbei zu singen. Die muslimische Kollegin hingegen beschwört ihn mit einem rosaweiß gestreiften, filigran bestickten und kunstvoll gewickelten Kopftuch. Am See hingegen, das entnehme ich Fotos des Seeanwohners, liegt noch dick Schnee. Aber am See dauert der Winter ja immer etwas länger. Ob die Amseln am See auch schon so lärmen, weiß ich nicht.

Im Büro gibt es die letzten Krapfen und Sachertorte. Ich, die ich mich nach den karnevalsbedingten Krapfenorgien mäßigen wollte, beschließe, dass das Fest, das man ja feiern soll, wie es fällt, erst morgen zu Ende gehen wird. Draußen ist hellblauer Himmel, aber ich sitze im Büro, so lange es sich gehört, und stampfe anschließend in einem Kellertanzstudio den Bretterboden zu Brei. Als ich damit fertig bin, ist es dunkel.

Wie alle Welt weiß (oder auch nicht) bin ich keine Freundin des Valentinstags. Nicht aus irgendwelchen ideologischen Gründen – schenken Sie mir Pralinen und Blumen, soviel Sie wollen (oder, was ich noch lieber mag: Bücher). Einem bestimmten Tag aber, an dem der Einzelhandel mit rosa Herzchen und dümmlichen Sprüchen auf Kundenfang geht und das als menschenfreundliche Aktion verkauft, stehe ich, sagen wir, ambivalent gegenüber.

 

8. Februar 2018

Ein Dienstleister schickt eine zwei DIN A4 – Seiten lange Aufstellung angeblich nicht bezahlter Rechnungen für die Jahre 2015 bis 2017. Falsche Vorgangsnummern, doppelt abgerechnete Leistungen, nicht erbrachte Leistungen, nicht in Auftrag gegebene Leistungen, Daten, Kundennummern und Leistungen, die nicht zu den Vorgängen passen, denen der Dienstleister sie zugeordnet hat…zwei Stunden tüftele ich, bis ich glaube, alle Unklarheiten beseitigt zu haben. Ich sende also eine korrigierte Aufstellung zurück, fordere zwei Rechnungen an, die wir nie erhalten hatten und lehne in drei Fällen die Zahlung ab, da die Leistung nicht den vertraglichen Vereinbarungen entspricht. Eine Stunde später erhalte ich eine wütende Mail. Der Dienstleister beschwert sich,  weil ich mich in einem Fall beim Datum vertippt habe. Es ist nicht einfach…

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Zwei ältere Damen stapfen durch den Schnee. Zwei kleine Jungen bezeichnen sie als „alte Tanten“ und  werfen mit Schneebällen. Nonchalant greift sich jede der Damen einen Buben und seift ihn kräftig mit Schnee ein. Solche alten Tanten darf man halt nicht unterschätzen.

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Der neue Lebensmittelladen meines Vertrauens hat auf einer Seite einen barrierefreien Zugang. Das heißt, er hätte einen, wenn nicht nebenan ein schickes Hotel wäre, dessen Gäste ihre Nobelkarossen auf dem Gehweg unmittelbar davor parken würden. Glauben Sie, es nützt etwas, wenn man den Kauf von Fahrzeugen ab soundsoviel KW mit einem obligatorischen Benimmkurs verknüpft? Ich fürchte, eher nein.

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Nicht April, Februar ist der grausamste Monat. Wie ich auf der Fahrt von L nach M lernte, heißt er irgendwo in der Nähe von Fulda ’s klee Mintje (das kleine Monatchen), und dort sagt man auch, es sei ihm nicht zu trauen. Nach den vergangenen milden Wintermonaten muss der Kleine anscheinend dieses Jahr noch einmal richtig auf den Putz hauen und zeigen, was er kann.