Geschichten und Meer

(Irrelevantes von den billigen Plätzen)


2 Kommentare

Lieblingssatz 11022018

„Weißt Du, Agatha, die ist nicht verrückt. Weil alle dir bestimmt gesagt haben, sie wäre verrückt. Es ist so, dass Frauen in einer Ausstellung Bilder von ihr kaputtgemacht haben. Sie ist nämlich Malerin, weißt du das?.

Ja. Brigue -au-Pot hat’s mir gesagt. Ihre Bilder sind kaputtgemacht worden?

Ja. Und zwar von Frauen. Und auf den Bildern waren Frauen! Und für Agatha, verstehst Du, sind Frauen alles! Sie wäre beinah gestorben! Seit zwei Jahren malt sie nicht mehr. Sie ist unfruchtbar geworden.

Die, die die Bilder kaputtgemacht haben, sind verrückt! Und was war auf den Bildern?

Frauen! Frauen, die Lachen, Glück, Lust ausdrückten! Im Gegenteil. Das waren Äußerungen von Freiheit. Agatha hat nie begriffen, warum sie das in die falsche Kehle bekommen haben.“

Victoria Thérame, Die Pianistin, Rowohlt, Hamburg, 1982, übersetzt von Uli Aumüller.

An diese Sätze habe ich mich erinnert, als ich das hier las. Ich bin nicht sicher, ob es richtig war, Emmett Till im Sarg zu malen. Man muss kontroverse Kunstwerke auch nicht unbedingt öffentlich zeigen. Die Arbeit einer Künstlerin zu zerstören, halte ich jedoch in jedem Fall für falsch.


2 Kommentare

Lieblingssatz 19112017

(nicht eigentlich ein Lieblingssatz, aber ich wollte ihn nicht verlieren)

„Die Sympathisanten sind jung und blass, sie färben sich die Haare mit Henna, sie glauben nicht an die heile Welt, sondern wollen, dass alles anders wird, und stecken sich deshalb Ringe durch Lippen, Ohren oder die Nase. Die Flüchtlinge wiederum wollen in das, was in ihren Augen überzeugend genug wie eine heile Welt aussieht, erst einmal hinein. Hier auf dem Platz überkreuzen sich die zwei Arten des Wünschens und Hoffens, es gibt eine Schnittmenge, aber der stille Beobachter zweifelt daran, dass sie sehr groß ist.“

Jenny Erpenbeck, Gehen, ging, gegangen. Penguin Verlag, 2017


Hinterlasse einen Kommentar

Lieblingssatz 04102017

„Zwischen ihrer grauenhaften Sprache und ihren immer anmaßenderen Aktionen erschienen sie mir als die, die sie waren: kleinbürgerliche, lebensfeindliche und verzweifelt ahnungslose Angstmacher, die kein Ziel hatten außer ihrer eigenen kalten Präsenz.“

Eva Demski, Den Koffer trag ich selber, Insel Verlag, Berlin 2017