Herbst

Die Blätter fallen, das Jahr neigt sich dem Ende zu, und die Demoiselle de Maintenant wird bald eine Demoiselle d’Antan sein. Man muss sich schon einen Schal um den Hals wickeln, wenn man morgens aus dem Haus geht, und der Schal ist wahrhaftig nicht nur zur Zierde da. Noch ist das Laub vorm Haus grün. Nur die zwei Kirschbäume, die im Sommer der Monilia zum Opfer fielen, sind schon kahl.

Still ist es, als ich am Abend die Töpfe mit den Kräutern wässere.  Sommerdüfte in der Kühle eines Herbstabends. Ich stelle brennende Kerzen in alte Marmeladengläser und warte nicht mehr auf die Geister der vergangenen Jahre. Der Nöck ist fort und kommt nicht wieder; Frau Holle und die wilde Jagd hat man so weit im Süden ohnehin noch nie gesehen. Der Froschkönig wartet vergeblich auf das Mädchen mit dem goldenen Ball. Früh wird der Winter hier kommen und kalt werden, und die von uns, die ihn überleben werden, tragen im Frühling vielleicht Raureif im Haar.

 

Das Loch in der Welt

Am Vormittag höre ich seinen Namen öfter als gewöhnlich, mittags erfahre ich es „offiziell“. Herr  H ist im Urlaub verunglückt, ertrunken im Atlantik. Herr H war einer der wenigen Lichtblicke im momentan sehr  grauen Berufsalltag. Unsere Bekanntschaft war noch jung, ich hätte gerne mit der Zeit mehr von ihm erfahren. Groß,  schwarzhaarig und sehr dünn, hatte er etwas von einem freundlichen, bebrillten  Storch. Sein Pendant, mit dem er fast täglich beim Vormittagskaffee gesehen wurde, war eine kleine, blonde, rundliche Frau, und ich will nicht behaupten, dass ich nicht mitunter über das ungleiche Paar geschmunzelt hätte.

Wer stirbt, hinterlässt nicht nur einen leeren Schreibtisch, ein leeres Bett, eine Schublade voller Wäsche, die nur noch einmal aufgezogen wird, um sie auszuräumen, irgendwann, wenn man es ertragen kann. Arundhati Roy hat das, was man hinterlässt,  ein „Loch in der Welt“ genannt.

(Warum ich das aufschreibe? Man neigt dazu, zu vergessen, und ich will noch nicht, dass Herr H  vergessen wird. Lächerlich, ich weiß, da wir ja alle nur Staubkörner sind in der Welt und in der Zeit. Trotzdem.)

Friedhofsrunde: Ostfriedhof

Auf dem Münchner Ostfriedhof liegt „jene Gräfin Larisch“ begraben, die Mitschuld tragen soll am erweiterten Selbstmord des österreichischen Kronprinzen Rudolf, dessen Verzweiflung oder aber Skrupellosigkeit so weit ging, dass er seine noch nicht volljährige Geliebte mit in den Tod nahm. Jemand hat eine Tafel mit dem Geburtsnamen der Gräfin Larisch, der „Mendel“ lautete, aufgestellt. Das nächste Grab in der Reihe hat ein bisschen mehr Abstand als üblich vom Grab der Gräfin, als habe man dieser auch Jahrzehnte später lieber nicht zu nahe kommen wollen.

Die Armen Schulschwestern scheinen die abseitigsten Heiligen auszugraben, um ihren Mitgliedern dann deren Namen zu verpassen. Meine heutigen Favoritinnen sind die Schwestern Udalberta und AlKantara, die in Frieden ruhen mögen. (Stellen Sie sich vor, Sie treten ins Kloster ein, ahnen nichts Böses, und dann passiert so etwas.) 

Das Grabmal eines hiesigen Friseurs und seiner Mutter ist größer als meine Wohnung, aber einziehen möchte ich trotzdem nicht. Immerhin, bei Regen kann man sich gut unterstellen. Der hiesige Hang zu Megalomanie zeigt sich auch in der Stammestracht eines noch lebenden Herrn: auf dem Hut ein Gamsbart von der Größe eines stattlichen Blumenkohls, vor Wanst und Hosenlatz ein Charivari, das allein zwei Kilo wiegen muss. Leider erlaubt es die Höflichkeit nicht, einem fremden Herrn auf Bauch und Hose zu starren, deshalb kann ich die Pracht nicht in allen Einzelheiten schildern.

Etwas entfernt finde ich den Grabstein einer Zirkusfamilie: in Ausübung ihrer Kunst verunglückte Artisten, ehemalige Artisten, eine Musikerin und ein Dekorationsmaler ruhen in dem schmalen Grab. Überhaupt ist dieser Friedhof sehr divers. Unterschiedliche Nationalitäten, Religionen und gesellschaftliche Klassen liegen nebeneinander. Selbstverständlich sind aber auch im Tod nicht alle gleich. Mancher bekommt nur ein schlichtes Holzkreuz, auf dem bestenfalls Name und Sterbedatum verzeichnet sind. Traurig stimmen wenige Jahre alte, vernachlässigte Gräber von Kleinkindern. Die Eltern fortgezogen, eine professionelle Grabpflege unerschwinglich? Man weiß es nicht. Friedhöfe erzählen eben auch nicht alle Geschichten, und wenn, dann nur in Bruchstücken. An einer anderen Stelle ist ein Grab für eine Beerdigung vorbereitet. Der Aushub lagert diskret hinter Büschen.

Das ist aber immer noch ein Friedhof, der lebt, der besucht wird. Die meisten Gräber sind gepflegt und noch einmal frisch bepflanzt vor dem Herbst. Heute ist es sonnig, der Regen der letzten Wochen hat die Bäume noch einmal grün gemacht,  und obwohl dies ein Großstadtfriedhof ist, erinnert er mich doch an einen anderen Friedhof, einen Dorffriedhof gleich neben einem Kohlfeld.

Hürdenlauf

Im Hürdenlauf war ich nie so besonders gut. Dafür konnte ich gut Hochsprung und trotz überdurchschnittlicher Größe erstaunlich gut Geräteturnen. Hier nun eine andere Art von Hürdenlauf*:

„Blogger-Hürdenlauf (Copy and Paste, please): 

Dein Beitrag startet, wo dieser hier endet. Nimm dir die Blogroll/Blogliste des fünften von mir kommentierten Blogs vor. Von dieser Liste klicke eines an. Das ist nun deine Station 1. (Aber nur, falls es selbst eine Blogroll hat, sonst ein anderes Blog der aktuellen Blogroll auswählen! Diese Bedingung gilt logischerweise immer.)
Lies im Blog 1 einen Beitrag, den du auch verlinkst, und schreibe nur drei Zeilen darüber: Lob, Kritik, Erstaunen, Fassungslosigkeit, Dank, whatever.
Nun klicke auf ein Blog der Blogroll von Station 1. Hat dieses seinerseits eine Blogroll? Sehr gut, dann ist es Station 2. Lies einen Beitrag … verlinke … schreibe drei Zeilen …
Und so noch drei Mal. Bis einschließlich Station 5. Deine Arbeit ist fast getan: fünf Reisenotizen zu fünf Blogbeiträgen. Nur noch diese Regeln hier anhängen – fertig!
Nun muss jemand anderes den Staffelstab (und vielleicht sogar mehrere) bei der Blogroll des letzten in deinem Beitrag kommentierten Blogs übernehmen – und fünf weitere kommentieren.
Vielen Dank für den gemeinsamen Streifzug durch die Meinungsvielfalt!“ 
Eigentlich müsste ich nun mit dem Blog von Gaga Nielsen starten. Das kenne ich und mag ich, lese ich aber nicht allzu häufig, was vermutlich  nicht an Frau Nielsen liegt, sondern an mir.
Also nehme ich eines, das ich noch nicht kannte: A life less ordinary. Castagiro – so nenne ich sie/ihn/es mal nach ihrer/seiner URL – hat keine Blogroll, aber einen Zoo. Und ich den Verdacht, wir arbeiten in derselben Firma.
Nachdem anscheinend keiner mehr eine Blogroll hat (Angst vor der Konkurrenz? Lesen die nicht, sondern schreiben nur?) griff ich auf die gute, alte Frau Wildgans (siehe meine Blogroll) zurück, deren Blogroll nahezu unerschöpflich ist. Herr Irgendlink war mir dem Namen nach bekannt. Hier macht er ein wenig Eigenwerbung, aber wer so schön schreiben kann, darf das: Du fehlst.
Der Herr Irgendlink hat aber auch keine Blogroll, und deshalb kehre ich zu Frau Wildgans zurück. Dort finde ich eine bloggende Mona Lisa, in deren Blogroll sich das Stöbern lohnt. Aber zunächst einmal ein Link zu La Gioconda selbst, die einen Roman der Katzenliebhaberin Colette gelesen hat.
Auf Mona Lisas Blogroll steht Frau Seelenruhig, und Frau Seelenruhig hat einen Ausflug gemacht. Ich lese ja auch gerne von anderer Leute Wanderungen, Ausflügen und Reisen. Das bringt mich auf Ideen, und jetzt, wo es kühler wird und ich wieder mehr Zeit haben werde, lasse ich mich gerne anregen.
Bei Frau Seelenruhig finde ich Frau MajoRahn, die es in Rheinhessen schön findet und einen Garten hat. Und Sie wissen ja, ich und Gärten… Schöne Fotos macht sie übrigens auch.
Fazit: es hat sich gelohnt, und ich habe ein paar neue Blogs entdeckt.
*Erfahren  habe ich von diesem Blogger-Hürdenlauf bei Annika, die mich freundlicherweise verlinkt hat und mir damit einige neue Leser_innen beschert hat. Aber wer hat’s erfunden? Nicht die Schweizer, sondern Zeilensturm

Jetzt reicht’s aber

Der Spam meckert an meinen Überschriften herum. Räuber und Pistolen sind dem zu bieder? Sonst noch was?

I think what you posted was actually very reasonable. However,
think about this, what if you were to write a awesome title?
I am not suggesting your information is not solid., but
suppose you added a headline that makes people desire more?
I mean Eine Räuberpistole möchte ich – Geschichten und Meer
is kinda vanilla.“

Hinter Isenburg zieht sich’s.

Ich weiß nicht, wie sich der Weg von Frankfurt nach Italien gezogen hat, wenn man ihn in der Kutsche zurücklegte, aber der Frankfurter Honoratior, an dessen Namen ich mich nicht erinnere und dem die Zeit bereits nach zehn Kilometern lang wurde, hätte sich wahrscheinlich am eigenen Telefonkabel erhängt, hätte er die Online-Diagnose des Telefonanbieters meines Misstrauens (im Folgenden: TmM) abwarten müssen. Ich weiß nicht, ob letzterer vor oder hinter Isenburg ansässig ist, und ich weiß auch nicht, ob Sie sich noch an den laufenden Camembert aus der frühen Fernsehwerbung erinnern, aber diese Assoziationen drängen sich mir auf, während ich auf die Diagnose/das Urteil warte.

Den direkten Kontakt mit TmM versuche ich zu vermeiden, wo es nur geht, aber eine Störung, die zunächst nur sporadisch, jetzt aber bei jedem Telefonat auftaucht, zwingt mich dazu. Deshalb suche ich zuerst in einschlägigen Foren, wobei ich es strikt vermeide, selbst eine Frage zu stellen. Beim letzten Mal nämlich wurde ich dort für meine Dummerhaftigkeit arg beschimpft. TmM bietet jedoch eine Online-Diagnose an. Leider bricht diese bei drei Versuchen nach ziemlich genau einer Stunde ohne Ergebnis ab. Da werde ich wohl morgen doch einmal anrufen müssen.

Ob man wohl glücklicher war, als Nachrichten noch durch einen Boten überbracht wurden, der – wie Bettine von Arnim irgendwo schrieb – „alle Tage von Frankfurt nach Hanau (Offenbach? Ich erinnere mich nicht mehr.)“ ging.

(Und so etwas schreibe ich, wenn mir langweilig ist, weil ich auf TmM warte.  Aber Sie müssen das nicht lesen. Wirklich nicht.)

Fortsetzung folgt. Falls ich nach meinem Gespräch mit TmM noch Internet habe.