Geschichten und Meer

(Irrelevantes von den billigen Plätzen)


Hinterlasse einen Kommentar

Fundsachen 23

Bügeltipps vom Kaffeehaussitzer.

Bloglesetipp von IrgendwieJuna

Herr Solminore ist nicht allein im finsteren Wald. Was mich übrigens hieran erinnert.

Bella über Depressionen.

Der Historiker des Flamenco, Pepe el de la Matrona, hat fast unendlich viele Varianten und Stile gekannt und gesungen. Hier einer der schönsten Tientos. An der Gitarre übrigens Pedro Soler.

 


Ein Kommentar

Rosa

Plötzlich, mitten im winterlich grauen Schlackerwetter, eine Farbe, die knallt wie die Faust aufs Auge. „Alle mal hersehen!“ krakeelt es. „Ich bin ein Regenschirm und ich bin R.O.S.A.!“  Gestern das Kopftuch der Kollegin, heute der Regenschirm, außerdem ein Schal, ein Rucksack und ein Fahrrad. Nicht himmlisch blau, nicht leuchtend gelb, nicht strahlend grün, nicht knallig rot, nein, R.O.S.A. Das ist kein Baby- und kein Zartrosa, kein Ballettstrumpfhosen- oder Altedamenrosa, kein Rosa, mit dem sich brünette Herren schmücken, wenn sie wagemutig scheinen sein wollen. Aus dem faden Rosa meiner lang vergangenen Jugend ist eine intensive, warme Farbe geworden, die ich sogar selbst tragen würde, wenn sie mir nur zu Gesicht stünde und ich nicht erst kürzlich meine Vorliebe für Blau-, Grün- und Grautöne entdeckt hätte. Kein stinkendes Pink, keine Kleinmädchenfarbe, kein Rosé, sondern ein lärmendes Piratenrosa, das die graue Stadt entert und sich selbst als Fahne hisst. Rosenrot hat Schneeweißchen zu Hause gelassen und geht auf den Jahrmarkt.

Das, und die randalierenden Amseln. Lust auf Frühling.

Die Altbäuerin des Hofs mit dem schönsten Vieh am ganzen See wurde übrigens schon letzten Herbst mit einer leuchtend rosa Steppjacke gesehen, aber ich weiß gar nicht, ob ich das hier erzählen darf.

 


22 Kommentare

Herr M macht nicht mehr mit.

„Que no te pase lo que a Paco

Se fue a comprar tabaco

Y Paco no volvió más” (Sevillana)

 Warum der stille, vielleicht ein wenig farblose Kollege M eines Tages nicht ins Büro zurückkam, wusste niemand. Ich bin auch nicht sicher, ob sich irgendjemand ernsthaft Gedanken darüber gemacht hat. Alles, was man wusste, war, dass er eines Mittags den üblichen Satz „ich geh‘ essen“ in die Runde warf, aufstand und in Richtung Kantine davonging. Der M war ein unauffälliger Kollege, der häufig allein in die Kantine ging. Meistens höflich, immer engagiert, aber – besonders in der letzten Zeit – stets mit einem  kleinen Anflug von Ironie, den sich niemand erklären konnte.

Der M hatte studiert, und – im Gegensatz zu den meisten anderen Kollegen – auch abgeschlossen und zwar nicht einmal schlecht. Die großer Karriere allerdings war ihm verwehrt geblieben, und im Nachhinein frage ich mich, ob es nicht an diesem Hauch Ironie lag, an dieser offensichtlichen Unfähigkeit, Vorgesetzte und deren Wasserträger zu fürchten, dass man ihn nie für eine Beförderung in Betracht gezogen hatte. Denn sowohl Vorgesetzte als auch Wasserträger wollen respektiert werden, und liegt nicht im Respekt auch immer ein wenig Furcht? Der M aber, obwohl still und zurückhaltend, schien vor nichts und niemandem Angst zu haben.

Übrigens war er durchaus kompetent, mehr als das, außerdem überaus fleißig und von schneller Auffassungsgabe. Knirschte es im Getriebe, war der M stets der erste, der es bemerkte und bereits einen Vorschlag zur Verbesserung in der Schublade hatte. Allerdings rückte der M mit seinen durchaus konstruktiven Vorschlägen mitunter heraus, bevor der Chef das Problem überhaupt identifiziert hatte. Auch neigte der M zur Ungeduld und konnte bisweilen nicht verstehen, dass ein Sachverhalt, der in seinem Verstand schon längst geordnet und sonnenklar „vorlag“, nochmals durchdacht, besprochen und von den richtigen Leuten für gut befunden werden musste. Tatsächlich hatte der M neben dem vollständig ausgearbeiteten Vorschlag stets auch Belege, bereits ausgewertete Statistiken und alle nötigen Nachweise zur Hand, hatte geltende Richtlinien geprüft und Lösungen für mögliche Probleme parat. Oh, es war ihm durchaus klar, dass seine Vorschläge zunächst geprüft werden mussten. Jedoch ertrug er es nur schwer, wenn seine Vorschläge als nutzlos vom Tisch gewischt, aber zwei Jahre später als Ideen des Chefs oder eines der Wasserträger wieder auftauchten und von allen Seiten beifällig zur Kenntnis genommen wurden.

Irgendwann, vielleicht etwa ein bis zwei Jahre vor seinem Verschwinden, begann der M, sich zu verändern. Vorschläge und Ideen blieben aus, das leichte, ironische Lächeln zeigte sich häufiger, Überstunden machte er nur noch, wenn er dazu aufgefordert wurde. Dabei arbeitete er ansonsten gewissenhaft und schnell. Faulheit und Schlamperei erregten nach wie vor seinen Zorn, aber außer mir, die ich acht Jahre lang am Schreibtisch ihm gegenüber gesessen hatte, bemerkte niemand mehr seinen Ärger. Dabei war der M in jüngeren Jahren anscheinend aufbrausend, in späteren von bissiger Höflichkeit gewesen. In den letzten Jahren vor seinem Verschwinden legte er sich Hobbies zu, besuchte Theater und Konzerte, begann Sport zu treiben und sich besser zu kleiden. Gereist war er schon immer, seltsame und leichtfertige Reisen an ungastliche Orte, wo er ein bestimmtes Bild oder eine alte Handschrift zu sehen hoffte. Nun begann er – auf seine alten Tage, wie er lächelnd sagte – Orte aufzusuchen, über die er früher die Nase gerümpft hatte. Dabei galt seine Vorliebe dem Süden Spaniens, Frankreichs und Italiens. Sprachbegabt und –kundig wie er war, schien er auf seinen Reisen schnell Bekanntschaft mit Ortsansässigen und auch Touristen zu schließen. Er habe, so sagte er, ja stets sparsam gelebt, so dass er sich – auf seine alten Tage – mehrere Reisen pro Jahr leisten konnte. Dabei war der M noch nicht alt, Ende vierzig, Anfang fünfzig, aber er kokettierte, wenn auch auf sehr dezente Weise, mit der Verschrobenheit eines sehr viel älteren Mannes.

Ob der M eine Geliebte hatte? Verheiratet war er nicht, so viel ist sicher. In jenen letzten beiden Jahren zeigte er jedoch eine gewisse Weichheit, ein stilles Glück, das mich vermuten lässt, dass er geliebt wurde. Er sprach jedoch nicht darüber. Einmal erzählte er von einem Film, den er gesehen hatte und der von einem fliegenden Händler in der Provence handelte. Er verstehe nichts vom Einzelhandel und könne auch nicht besonders gut ein großes Auto fahren, aber so ein Leben, ließ er durchblicken, hätte ihm gefallen können. „Sie, Herr M, würden allerhöchstens mit gebrauchten Büchern handeln, und wer will die heutzutage noch kaufen?“ spöttelte ich. Von mir ließ er sich den Spott gefallen.

Dann kam der Tag, an dem der M in die Kantine ging und nicht wiederkam. Man rätselte, ob man vielleicht eine Nachricht oder Notiz übersehen hatte, die sein unentschuldigtes, nachmittägliches Fehlen hätte erklären können. Man sandte eine Auszubildende in die Kantine, um ihn zu suchen. Als er auch am nächsten Tag nicht auftauchte, wurde dieselbe Auszubildende beauftragt, im halbstündlichen Abstand beim M anzurufen. Ein Kollege erbot sich, nach Dienstschluss beim M vorbeizufahren, an seiner Tür zu klingeln und sich bei den Nachbarn zu erkundigen. Am dritten Tag schließlich verständigte der direkte Vorgesetzte die Polizei. Diese war ebenso bemüht wie erfolglos, was den Aufenthalt des M betraf. Wir erfuhren jedoch, dass der M schon vor Monaten seine Wohnung gekündigt hatte und vor wenigen Tagen ein Möbelwagen vorgefahren sei und den gesamten Besitz des M abtransportiert habe. Von welcher Firma dieser Wagen gekommen war und wohin er das Mobiliar gebracht hatte, ließ sich nicht ermitteln. Einen Tag, bevor der M aus dem Büro verschwunden war, hatte er sich von seinen Vermietern verabschiedet, den Wohnungsschlüssel übergeben, die Kaution entgegengenommen und war allein davongegangen.

Manchmal stelle ich mir den M vor, mit einem Verkaufswagen, so einer fahrenden Würstelbude, nur eben mit Büchern statt Würsten. Da der M wahrscheinlich immer noch nicht ordentlich Auto fahren kann, sitzt seine Geliebte, eine kräftige Provenzalin, am Steuer, und wenn sie auf einem Flohmarkt Halt machen, dann berät der M in seinem langsamen, präzisen Französisch  die Kundschaft. Sein feines graublondes Haar fällt ihm in die Stirn, und die Provenzalin, die Bücher genauso gern hat wie er, aber nicht so gut verkaufen kann, lächelt die Kundschaft an, damit sie wiederkommt. So stelle ich mir das vor. So sollte es sein.

 


3 Kommentare

08.02.2018

Ein Dienstleister schickt eine zwei DIN A4 – Seiten lange Aufstellung angeblich nicht bezahlter Rechnungen für die Jahre 2015 bis 2017. Falsche Vorgangsnummern, doppelt abgerechnete Leistungen, nicht erbrachte Leistungen, nicht in Auftrag gegebene Leistungen, Daten, Kundennummern und Leistungen, die nicht zu den Vorgängen passen, denen der Dienstleister sie zugeordnet hat…zwei Stunden tüftele ich, bis ich glaube, alle Unklarheiten beseitigt zu haben. Ich sende also eine korrigierte Aufstellung zurück, fordere zwei Rechnungen an, die wir nie erhalten hatten und lehne in drei Fällen die Zahlung ab, da die Leistung nicht den vertraglichen Vereinbarungen entspricht. Eine Stunde später erhalte ich eine wütende Mail. Der Dienstleister beschwert sich,  weil ich mich in einem Fall beim Datum vertippt habe. Es ist nicht einfach…

***

Zwei ältere Damen stapfen durch den Schnee. Zwei kleine Jungen bezeichnen sie als „alte Tanten“ und  werfen mit Schneebällen. Nonchalant greift sich jede der Damen einen Buben und seift ihn kräftig mit Schnee ein. Solche alten Tanten darf man halt nicht unterschätzen.

***

Der neue Lebensmittelladen meines Vertrauens hat auf einer Seite einen barrierefreien Zugang. Das heißt, er hätte einen, wenn nicht nebenan ein schickes Hotel wäre, dessen Gäste ihre Nobelkarossen auf dem Gehweg unmittelbar davor parken würden. Glauben Sie, es nützt etwas, wenn man den Kauf von Fahrzeugen ab soundsoviel KW mit einem obligatorischen Benimmkurs verknüpft? Ich fürchte, eher nein.

***

Nicht April, Februar ist der grausamste Monat. Wie ich auf der Fahrt von L nach M lernte, heißt er irgendwo in der Nähe von Fulda ’s klee Mintje (das kleine Monatchen), und dort sagt man auch, es sei ihm nicht zu trauen. Nach den vergangenen milden Wintermonaten muss der Kleine anscheinend dieses Jahr noch einmal richtig auf den Putz hauen und zeigen, was er kann.


7 Kommentare

Miststück

Triggerwarnung: Dieser Blogeintrag kann Spuren von Ironie, Bosheit und allgemeiner Unmoral enthalten. Aus gut unterrichteten Kreisen verlautet, diese Waren sollten – ebenso wie Gedichte und Gemälde – demnächst einer strengen Prüfung unterzogen und gegebenenfalls verboten werden

Me tienes señalaito
Que yo soy pieza de mal paño
Y a los hombres* no se marcan
Como ovejas de rebaño (Quelle

Man ist sich uneins, ob ich ein rassistisches oder ein linksversifftes Miststück bin. Zumindest kann man sich anscheinend auf „Miststück“ einigen. Das ist nett, damit kann ich leben. Ich wurde im Laufe meines Lebens schon als vieles bezeichnet. Die Bandbreite ist zugegebenermaßen erstaunlich, eben von „linksversifft“ bis „rassistisch“ und von „prüde alte Jungfer“ bis „männerfressendes Monster“.

Ich verrate Ihnen etwas: es ist alles viel, viel schlimmer. Aber sagen Sie es nicht weiter.

Man sagt mir, ich hätte es gegenüber zwei verdienten Bloggerinnen an Respekt fehlen lassen. Dabei hatte ich die Damen nicht einmal erwähnt. Man sagt mir, das sei das Problem. Man informiert eine der verdienten Bloggerinnen darüber, dass ich sie nicht erwähnte. Ja, ich habe das mitbekommen.

Ich lese, man habe mir schon einmal gesagt, einen gewissen Twitterer zu retweeten, sei ein no-go. Ich habe nicht darauf gehört. Wo liegt nun das Problem? Dass ich retweetet oder dass ich nicht gehorcht habe? Ja, ja, ich weiß, beides ist eine Sünde. Schande über mein Haupt.

Man sagt mir, bestimmte Themen solle ich nicht mehr ansprechen. Man verrät mir dadurch, dass man doch dort auch liest, wo sich angeblich der Abgrund der Bloggerei auftut, wo eine anständige Feministin sich nicht blicken lässt.

Man sagt mir, einen gewissen Blogger solle ich besser nicht verteidigen. Tja. Was soll ich sagen? Ich mache so etwas. Absichtlich, und wie Sie sicher ahnen, aus purer Bosheit. Das Internet, denke ich mir manchmal, hatte ich mir vor fünfzehn Jahren anders vorgestellt. Allerdings, wenn ich so zurückdenke, war es vor fünfzehn Jahren auch nicht so anders. Wenn ich die Leute von damals googele, dann sehe ich allerdings, dass manche noch verhärteter, starrsinniger und intoleranter geworden sind als sie vor fünfzehn Jahren waren.

Man sagt mir vieles. Man tut anderes. Nur den Kindsmord hat man mir noch nicht angedichtet.**

Ich gehe jetzt tanzen. Heute sind Siguiriyas an der Reihe. Im Moment schalte ich keine Kommentare frei, wenn ich die Urheber nicht kenne. Man fängt sich leicht etwas ein.

 

*mujeres, hermafroditas, etc. etc. 

**plagiiert bei: Sidonie Gabrielle Colette, Claudine geht (glaube ich)

 


Hinterlasse einen Kommentar

Ignatz Bubis

Ich kann nicht behaupten, ich hätte Ignatz Bubis gekannt. Wenn man sich als Frankfurter Schülerin für die Geschichte des Dritten Reichs interessierte, kam man jedoch an Bubis nicht vorbei. Bubis mag Fehler gehabt und Fehler gemacht haben, aber er war ein guter Mensch. Dies zu sehen, noch einmal seine Stimme und seine so vertraute Sprechweise zu hören, bedeutet mir viel.

Man mag sich nicht vorstellen, was es heißt, wenn Nachbarn, Kollegen und sogar ehemalige Freunde den eigenen Tod wollen, weil sie in einem nicht mehr den Nachbarn, Kollegen, Freund sehen, sondern nur noch den Juden, der kein Recht auf Leben mehr haben soll. Man kann sich nicht vorstellen, wie jemand, der das überlebt, noch das geringste Vertrauen in Nachbarn, Kollegen und Freunde haben kann. Bubis, den manche in Frankfurt noch in den 80er und 90er Jahren „Itzig“ und nicht Ignatz nannten, hat wohl fest daran geglaubt, dass Menschen sich bessern können. Er hat wohl darauf vertrauen wollen, manchmal vielleicht auch wider besseres Wissen.

Die Frankfurter Liberalität der 80er und 90er Jahre hat mich geprägt. Bubis gehörte eindeutig zu denen, die diese Liberalität mitgestaltet und geschaffen haben.

***

Als mein Vater starb, der  – obwohl christlich – zeitlebens gute Beziehungen zur jüdischen Gemeinde in Frankfurt gepflegt hat, schickte die Gemeinde einen Kranz und eine Vertreterin zur Beerdigung. Ich denke, Bubis wäre gekommen, wenn es seine Gesundheit erlaubt hätte. So war er.


Ein Kommentar

Generationen

Mutter, sagt der junge Bettler, Mutter, kannst Du mir zwei Euro geben? Ich habe heute noch nichts gegessen. Ob das stimmt, weiß ich nicht, aber niemand bettelt zum Spaß. Also gebe ich ihm mein Kleingeld, was zur Folge hat, dass ich mich eiligst an einem anderen Bettler vorbeidrücken muss, der immer vor dem teuren Lebensmittelgeschäft steht und eigentlich ein Abo auf meine Ein-Euro-Stücke hat. Jung genug, um meine Söhne zu sein, sind sie alle beide.

***

Schließlich haben die Kassiererin, die kurz vor der Rente stehen muss, und der Migrant aus einem afrikanischen Land, der den Laden sauber macht, doch noch eine gemeinsame Sprache gefunden: Französisch hatten sie beide in der Schule. Sie erzählt, sie habe als sehr junges Mädchen Nonne und Missionarin in Afrika werden wollen. Der Mann lacht, und witzelt über die Ordensleute, die er in Afrika gesehen hat. Gute Menschen, sagt er, aber keine Ahnung, nicht die geringste!

***

Wenn es so weiter geht mit der AfD, werden wir unsere Sprachkenntnisse aufpolieren müssen. Aber wohin gehen, wenn in ganz Europa nationalistische und neofaschistische Bewegungen auf dem Vormarsch sind? Meine Großeltern hätten noch nach Frankreich, England oder in die Niederlande gehen können, vielleicht sogar nach Portugal. Dabei wollte mein Großvater eigentlich einmal nach Spanien und die andalusische Schmiedekunst sehen. Vielleicht ein spanisches Rind mit seinem schwarzbunten Niederungsvieh kreuzen, einmal ein andalusisches Pferd reiten…aber nicht zu den Faschisten, niemals. Francos Ende hat er nicht mehr erlebt. Nach Spanien gelangte sein Bruder, schon viel früher, als einer der deutschen Spanienkämpfer.


2 Kommentare

Wenn der Frühling kommt

Wenn der Frühling sich nähert, kommen sie zurück. Sie sind nicht zu verkennen, die braunen Augen, die weichen Bewegungen, die Freundlichkeit…Mit ausgesuchter Höflichkeit fragen sie nach etwas Kleingeld und wünschen einem zum Dank den Segen der Muttergottes auf den Hals, so dass man das Gefühl hat, sie hätten einen beschenkt und nicht umgekehrt. Aber ein Segen ist ja auch ein Geschenk und für manche viel mehr wert als die paar Euro. In einer gerechten Welt hätten sie einen Ort, eine Arbeit, eine Schule für die Kinder, einen Garten. Manche meiner Leser_innen würden nicht glauben, wie wichtig ein Garten sein kann. Ein Freund, den ich im Lauf der Jahre aus den Augen verloren habe, ein Veshtika Rom aus einer nicht sesshaften Familie, erzählte von seiner Großmutter. Diese habe im Frühjahr auf verschiedenen Lichtungen im Wald Samen ausgesät, in der Hoffnung, auf dem Rückweg, später im Jahr, ernten zu können. (Denn die Roma wandern ja nicht zufällig und ziellos, sie haben feste Routen und folgen der Arbeit.) Manchmal, so erzählte er, fanden sie die Stellen nicht wieder. Wie oft es passiert  sei, dass man die heimlichen Gärten zerstört habe, aus purer Bosheit oder einem falschen Rechtsempfinden, habe ich allerdings nicht gefragt.


6 Kommentare

Manieren II

Keine dreißig Sekunden hat es gedauert, bis der Herr, der sein Gepäck  auf meinem reservierten Platz deponiert hatte, und ich uns geeinigt hatten. Keine zehn Sekunden musste der etwas später hinzugekommene Herr warten, bis der erste Herr meinen Platz und ich den Gang freigemacht hatte. Doch in diesen zehn Sekunden schüttelte er den Kopf, zappelte herum und ließ ein zutiefst empörtes „Halloooo!?!?“ erklingen.

Ich schätze, der ist geeignet für das mittlere Management.


3 Kommentare

Manchmal

Manchmal ist das Glück ganz klein. Zum Beispiel,  wenn man nach einem anstrengenden Arbeitstag noch zwei vergessene Rippen der Lieblingsschokolade im Schrank findet.