Bei Lesen von  „Lady Windermere’s Fan“ (Oscar Wilde) sehe ich gewisse Parallelen zu den Social Media. Hier zum Beispiel:

Oh, nowadays so many conceited people go about Society pretending to be good, that I think it shows rather a sweet and modest disposition to pretend to be bad.“

Das hat das Zeug zu einem Lieblingssatz.

Die ungezogene Verkäuferin von letzter Woche überschlägt sich in dieser Woche fast vor Freundlichkeit. Da ich aber nun weiß, wie sie über mich denkt, bleibe ich höflich distanziert und nehme mir vor, dieses neue Konzept „höfliche Distanz“ auch anderswo in mein Leben zu integrieren.

Es regnet, und ich liebe Regen. Ich tanze sehr schlecht. Der redoble de tacón, eigentlich früher ein Verlegenheitsschritt, wenn ich einen Akzent setzen musste und mir nichts anderes einfiel, geht links wieder schlechter. Der Gerechtigkeit halber muss man jedoch sagen, dass der Boden stellenweise zu weich und leicht uneben ist. Ich könnte die Bodenwellen beseitigen, aber dazu habe ich keine Lust. Mir graust es gerade vor allem, was mit Tanzen zu tun hat.

Am Nachmittag spreche ich kurz mit dem Freund, der kein Freund ist. Um Mitternacht schneit es.

Lieblingssatz 06.01.2020

Zitat

Nach wie vor war sie der Meinung, dass Gott ein betrunkener Rüpel war, der seit der Schöpfung keinen Gedanken mehr an die Welt verschwendet hatte.“

Louise Erdrich, Der Club der singenden Metzger

Manchmal sehe ich das genauso, manchmal nicht. Wie der Kommunismus vermutlich nicht mehr sein kann als ein schönes Streben der Menschheit – wer das gesagt hat, weiß ich nicht mehr – so sehe ich mitunter die Religionen als ein Versuch der Menschen, besser zu werden als sie sind. Ist ja auch was.

Schön war’s, und nichts für ungut.

Ich sortiere mich neu. Meinen Twitter-Account wird es in 2020 voraussichtlich nicht mehr geben. Twitter tut mir eigentlich schon seit Längerem nicht mehr gut. Sicher werde ich viele Twitter-Menschen vermissen.(Ihr seid mir hier im Blog aber immer herzlich willkommen, und E-Mail habe ich ja auch.)

Das Blog wird wohl bleiben, aber möglicherweise etwas anders als bisher. Auch hier muss ich mich erst einmal wieder sortieren, hoffentlich Neues entdecken und vielleicht am Ende doch wieder zum Bekannten und Bewährten zurückkehren.

Allen Lesenden wünsche ich alles Gute für 2020 und darüber hinaus.

(Einen ordentlichen Jahresrückblick, wie sich das in Kleinbloggersdorf gehört, habe ich also auch dieses Jahr nicht hinbekommen. Ich kann’s einfach nicht.)

Samstagslinks

Andreas Glumm schreibt eine Geschichte, die nebenan passiert sein könnte. Vielleicht nicht bei Ihnen nebenan, aber bei mir schon.

Ich bin keine Befürworterin oder Freundin der Prostitution, jedoch wünsche ich mir, dass Prostituierte in sicherer Umgebung ohne Stigma arbeiten können. Salome Balthus macht sich Gedanken über Gewalt gegen Frauen, und was die mit Prostitution zu tun haben könnte.

Herr Solminore kann Menschen beschreiben, und das kann er auf eine ganz eigene Art.

Herr Buddenbohm kann das auch, aber anders.

Der Landpfarrer über einen älteren Herrn im Zug.

Leben in Südfrankreich mit Sauerbraten und Weihnachtsmarkt.

Ich bin dann mal weg. Frohe Weihnachten.

Haltestellenblues

Sogar die örtlichen Verkehrsbetriebe wissen inzwischen, dass die an den Bushaltestellen ausgehängten Fahrpläne nicht eingehalten werden (können?). Deshalb gibt es in unserer kleinen Stadt elektrische Anzeigetafeln, auf denen die (angeblich) tatsächliche Ankunftszeit zu lesen ist. Sie erreichen also „Ihre“ Haltestelle und freuen sich, dass Ihr Bus schon in sechs Minuten kommt. Nach ungefähr zehn Minuten soll die Wartezeit nur noch drei Minuten betragen, dann eine, dann null, nach weiteren vier Minuten erhöht sich die Wartezeit wieder auf acht Minuten. Gekommen ist  in der Zwischenzeit kein Bus, nicht einmal ein unbeleuchteter  – also einer, der entweder einen Schaden hat oder unterwegs aus Zeitgründen ein paar Haltestellen auslässt – fuhr vorbei. Sie sind nun neugierig, außerdem wissen Sie ja schon, dass die angezeigte Wartezeit reine Fantasie ist, also warten Sie ab, was sonst noch passiert. Die Tafel zeigt nun gar keine Minuten mehr an, sondern schwafelt nur noch etwas von „Verkehrsaufkommen“ und „Verspätungen“. Nach weiteren zwanzig Minuten beschließen Sie, nach Hause zu laufen, was theoretisch noch einmal zwanzig Minuten dauert. Praktisch können Sie nun aber auf dem Heimweg einkaufen gehen; so hat alles sein Gutes. Es überholt Sie übrigens auf dem Heimweg kein Bus. Vielleicht sind Busse ganz abgeschafft worden? Nur die Anzeigetafeln blinken vor sich hin, und ich stelle mir vor, wie gelangweilte Angestellte in der Zentrale so etwas wie Haltestellendomino spielen, also die Anzeige an einer Haltestelle willkürlich und bewusst ändern, wodurch sich an allen Knotenpunkten ebenfalls die Anzeige ändert, was zu Verwerfungen bis in die Außenbezirke führt.

Dabei können Sie noch froh sein, dass Sie nicht mit der S-Bahn fahren müssen, wie die geschätzte Frau Blognachbarin Mitzi Irsaj.

08.12.2019 Sonntagssachen gemacht

An einen See gefahren, der silbern in der Sonne lag. Eineinhalb Stunden spaziert. Mich gefreut, dass mir am See jetzt alles vertraut ist. Auf dem Nikolausmarkt, der in diesem Jahr nicht verregnet war, eine Leberkässemmel gegessen und grüne Socken beim Katholischen Frauenbund gekauft. Leider sind die Socken alles andere als fotogen und die Leberkässemmel schon weg, deshalb gibt es heute keine Fotos. Um drei Uhr nachmittags bei schon sinkender Sonne mit dem Zug nach Hause gefahren.