Gute Taten

Nun hat also auch Twitter seine „Spendenaffäre“. Ich will gar nicht allzu sehr darauf eingehen. Wenn Sie bei Twitter sind, wissen Sie, worum es geht. Wenn Sie nicht bei Twitter sind, haben Sie sicher gute Gründe (und jetzt vielleicht auch noch einen weiteren Grund) dafür. Ich bin sehr vorsichtig mit Spenden an Privatpersonen. Trotzdem bin ich vermutlich zweimal mit solchen Spenden auf die Nase gefallen. Beide Male handelte es sich um Beträge, die ich dank eines regelmäßigen Einkommens verschmerzen kann.

In einem Fall gehe ich davon aus, dass die Empfängerin sich tatsächlich in einer Notlage befand, jedoch möglicherweise nicht in der geschilderten. Egal, ich mag die betreffende Person und bin sicher, dass meine kleine Spende irgendwie doch für einen guten Zweck war, wenn auch nicht unbedingt für den angegebenen. Wenn sie sich dank meines Beitrags neue Hosen kaufen konnte, ist mir das auch recht.

Der andere Fall lag komplizierter. Presseberichten zufolge gab es die Notlage tatsächlich, nur bin ich im Nachhinein nicht mehr sicher, ob zwischen der Person, die zum Spenden aufgerufen hatte und dem Mann, für dessen Hinterbliebene gespendet werden sollte, tatsächlich das geschilderte enge Verhältnis bestand. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass jeder Cent bei den Hinterbliebenen angekommen ist. Warum um den verstorbenen Familienvater jedoch eine quasi-romantische Erzählung mit Andeutung einer tragischen unerfüllten Liebe gesponnen werden musste, entzieht sich meinem Verständnis. Oder auch nicht, wenn ich das ungewöhnlich starke Bedürfnis der spendensammelnden Person nach Zuneigung und Anerkennung berücksichtige. Wie auch immer, zwei der erwachsenen Beteiligten sind tot, der Aufenthalt einer dritten ist mir nicht bekannt, und die Kinder – Nutznießer der Spenden – können nichts dafür.

Spenden bringen immer ein gewisses Risiko mit sich. Ob man es eingehen will, muss man wohl im Einzelfall entscheiden. Ruinieren werden sich die wenigsten beim Spenden, und man zahlt eben mitunter Lehrgeld. Sollte tatsächlich eine Straftat vorliegen, kann Anzeige erstattet werden. Wenn nicht, schaut man eben seinem Geld hinterher und ist hoffentlich beim nächsten Mal schlauer.

Beate

Es war einmal eine Beate, Schülerin in einer Parallelklasse und etwas älter als ich, ein schönes, kluges und begabtes Mädchen. Vermutlich aus einer seit Generationen wohlhabenden Familie, denn sie hatte dieses sehr spezielle, anscheinend vollkommen anstrengungslose Selbstbewusstsein, das nur altes Geld verleiht. Die lud mich, die ich weder schön noch klug noch begabt noch reich war, eines Tages ins Café gegenüber des Gymnasiums ein. Beate war eine der Königinnen auf dem Schulhof und ich, nun ja, so ungefähr das Gegenteil.  Dazu war sie eine „Französin“, ich hingegen eine „Lateinerin“, normalerweise hätten wir beide eigentlich nichts miteinander zu schaffen gehabt. Warum sie mich damals einlud? Ich weiß es bis heute nicht.

Sie ging wohl öfter in dieses Café, denn sie kannte den Namen der Kellnerin, die im hinteren Teil bediente. Im hinteren Teil saßen die Schülerinnen, die Lehrerinnen im vorderen. Wir sprachen über unsere jeweiligen Lehrer, über den Schulstoff, und irgendwann kamen wir auf das Thema Freundschaft. Sie beklagte die Oberflächlichkeit ihrer Schulfreundschaften. Ich hatte das Gefühl, sie suche eine weniger oberflächliche Freundschaft, verstand aber nicht, wieso sie damit ausgerechnet zu mir kam. Unser Gespräch hielt ich für reine Theorie, denn ich stand in der Schulhofhierarchie ganz unten, und da gehörte ich – auch in meinen Augen – hin.

Nach diesem gemeinsamen Cafébesuch sprachen wir – soweit ich mich erinnere – nie wieder miteinander. Ob sie mir mit dieser Einladung ihre Freundschaft anbieten wollte, oder ob es um eine Schulhofintrige ging, an deren Ende ich zum allgemeinen Amüsement ein lächerliches Bild abgeben sollte, weiß ich bis heute nicht. Ich weiß auch nicht, was aus Beate geworden ist. Ihr Nachname fällt mir nicht mehr ein, sonst könnte ich sie googeln.

Corre, Lola, corre.

Link

Ich bin so müde, und trotzdem teile ich einen Link.

Es geht um eine Petition (und ich zweifele ebenso wie Sie an der Sinnhaftigkeit von Petitionen dieser Art). Was ist der Hintergrund? Die Deutsche Bahn baut, und durch die Bauarbeiten wird der Zugang zum Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma eingeschränkt.

Zur Petition

Sie können mir natürlich sagen, dass ein eingeschränkter Zugang nicht so dramatisch ist. Würden Sie aber dasselbe sagen, wenn es um einen Friedhof ginge, auf dem Ihre Lieben begraben sind?

 

Der Garten ohne uns

Der Garten ist wieder geöffnet, aber nur ein kleiner Teil ist Besuchern zugänglich. Zwei Damen gärtnern, ein Paar in meinem Alter klettert über Steine ans andere Ufer des Bachs und ein weißhaariger Mann sitzt auf der Wiese und liest.

Um ein Rondell mit Holzbänken blühen Glyzinien. Jemand hat eine orangefarbene, runde Scheibe mit einem Loch in der Mitte in die Glyzinien gehängt. Vögel singen.

Ich setze mich auf einen großen Stein am Bachufer und schaue den Kräuseln an der Wasseroberfläche nach. Zwei Singdrosseln (?), eine Amsel und ein Buchfink lassen sich kaum stören. Stockenten schwimmen majestätisch vorbei. Bilde ich mir ein, dass sie mich missbilligend betrachten? Garten und Bach hatten sie ja nun lange für sich allein.

Das schöne Haus neben dem Garten ist fertig und eingerichtet. Im länglichen Anbau, der mir so gut gefällt, befinden sich  Küche und Esszimmer. Erst zu Hause fällt mir auf, dass ich vergessen habe, mich nach dem geschnitzten Holzrahmen umzusehen, der früher eines der Seitenfenster schmückte. Er würde nicht zum neuen Stil des Gebäudes passen. Dafür hat jemand eine Leiter montiert, über die man vom Dach des Anbaus zu einem der Fenster im ersten Stock klettern könnte. Die Wäsche der rumänischen Bauarbeiter flattert nicht mehr auf der Leine. Auch der lange Holztisch ist weg, an dem die Arbeiter im letzten Sommer ihre Mittagspause verbrachten.

Das Meer ohne uns

Meine Oma ist in ihren 79 Lebensjahren vielleicht ein- oder zweimal am Meer gewesen. Im Theater war sie wohl etwas öfter, bestimmt auch das eine oder andere Mal im Konzert. Ansonsten hatte sie zu viel Arbeit, zu wenig Geld und vermutlich auch sehr viel Mühe, vom Dorf aus zu den genannten Orten zu kommen.

Ich werde dieses Jahr nicht ans Meer fahren. So ist das mitunter, man bekommt nicht das, was man gerne hätte. Überhaupt führe ich ein Leben, das dem meiner Oma ähnelt: ich schaue, was die Erdbeeren machen, ich pflege meine Kräuter,  ich arbeite,  ich halte meinen Haushalt in Ordnung, putze, wasche, koche und lese.

Man muss wohl bedenken, dass die vermeintliche oder tatsächliche Enge, über die wir gerade so gerne jammern, vor zwei Generationen für viele Menschen die Normalität war. Wir hingegen sind unendlich privilegiert und viele von uns – ich sage bewusst nicht: wir alle – jammern auf einem vergleichsweise hohen Niveau.

Nix für ungut.

 

Spazieren

 (Eigentlich hatte ich diesen Text hierfür geschrieben, aber ich mochte dann doch nicht teilnehmen.)

Es ist ja kein Flanieren, kein entspanntes Gehen, wobei man mit mildem Interesse die Signale der Außenwelt aufnimmt. Denn was sind  derzeit die Signale der Außenwelt? Maske, Abstand, Vorsicht.

Es ist das, was in Jane Austens Romanen „exercise“ genannt wird und bedeutet, dass die Heldin vom Arzt den Rat bekommen hat, sich an der frischen Luft zu bewegen. Die meist auf dem Land lebende Heldin bewegt sich also, über Stock und Stein, bei Wind und Wetter, und kommt mit zerissenem Rocksaum und kleinen, abgebrochenen Zweigen in der Frisur nach Hause. Die Stadt aber ist eng und bevölkert, meine Lieblingsgärten geschlossen, und so drehe ich meine Runden frühmorgens oder zur Mittagessenszeit auf Friedhöfen.

Auf den Friedhöfen tobt das Leben: Aurora- und Zitronenfalter, schwarze und rote Eichhörnchen, Meisen, Krähen, Bienen, sogar Enten und die eine oder andere Katze. Der Flieder blüht, Kastanien und auch der stinkende Bärlauch. Die Gräber sind frühlingshaft bepflanzt, wie dem Tod zum Trotz, aber Blüten sind wohl das Vergänglichste, was man sich vorstellen kann. Kerzen werden angezündet, sozusagen außer der Reihe, denn es ist kein Feiertag und der Verstorbene hat auch nicht Geburtstag. Kerzen wie die vor dem Bild des heiligen Antonius, das am Eingang zur Kirche hängt, in der wieder Gottesdienste stattfinden, wie die zur Füßen des gusseisernen Christus auf einem anderen Friedhof. Als ob man die Toten bitten wollte, die Lebenden zu beschützen.

Der Flieder blüht, und ich denke an einen, von dem ich ein Lied über Flieder lernte und dass der Flieder anderswo lilas heißt. Das Anderswo kann ich jetzt nicht besuchen, und seine Sprache fehlt mir. Auf den Flieder freue ich mich jedes Jahr, und wie jedes Jahr suche ich den Duft des dunkelvioletten, der im Garten meiner Eltern stand. Wie jedes Jahr finde ich ihn nicht. Wie jedes Jahr finde ich andere, deren Duft  dem des einen ähneln, aber nicht gleichen. Aber etwas ist dieses Jahr anders: die Knospen welken, bevor sie aufgeblüht sind. Und auch der Wind ist anders, er lockt nicht und  ruft mich nicht auf die Landstraße. Der Wind spottet: ich geh‘ aus und du bleibst da.

 

Tres vicios tengo yo…

Drei Laster habe ich…

und eines davon ist ein tiefes Misstrauen gegen mir fremde Personen im Internet. Ich bin leider ein mehrfach gebranntes Kind.

Sollten Sie mich in Ihre Konflikte mit anderen Blogger_inne_n hineinziehen wollen, vergessen Sie es.

Sollte ich Sie nicht kennen und sollten Sie mich einladen, Ihrem privaten bzw. geschlossenen Blog zu folgen, dann würde ich es begrüßen, wenn Sie sich per Mail kurz vorstellen würden, bevor Sie mir eine Einladung zukommen lassen. Das ist nicht böse gemeint, aber ich hatte – wie langjährige Leser_innen dieses Blogs wissen –  einen ernsthaften Konflikt mit einer seinerzeit prominenten Bloggerin und deren Gefolgschaft. (Das ist übrigens eine Kloake, aus der mitunter noch übelriechende Blasen aufsteigen. Glauben Sie nicht, ich hätte das nicht bemerkt.) Ich hatte hier Probleme mit rechten Trollen, aber auch mit solchen von links, die mir meinen Umgang mit einem bekannten und sicher zu Recht umstrittenen Blogger, den ich trotz allem immer noch schätze,  nicht verzeihen wollten.

Nichts für ungut, aber selbst eine unbedarfte Person wie ich ergreift unter diesen Umständen Maßnahmen, um sich selbst zu schützen.

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Frohe Ostern

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Eier mit Kurkuma färben scheint prinzipiell keine schlechte Idee zu sein. Allerdings sollte man dann weiße Eier kaufen und keine braunen. Ich hatte im Geschäft daneben gegriffen, wollte aber nicht noch einmal loslaufen. Die Farbe ist in natura zwar doch ein wenig gelber, aber leider kommt das trotz Herumexperimentierens mit Licht und diversen Filtern auf dem Foto nicht heraus. Sie müssen mir also glauben, dass ich nicht einfach braune Eier ungefärbt fotografiert habe.

In diesem Winter, der nicht schön war (wenn auch besser als die davor), dachte ich immer: wenn der Frühling kommt, dann…

…gehe ich endlich wieder öfter ins Museum, ins Konzert und ins Theater

…fahre ich beim ersten Sonnenstrahl an den See und wandere

…besuche ich den alten Patenonkel

…verreise ich öfter einfach so über das Wochenende

…fahre ich wieder mehr Rad

Aber mit dem Frühling kam erst einmal Corona.

Nun gut, Rad fahren geht derzeit aus anderen Gründen nicht. Aber es kommt noch der Sommer, und irgendwann kommt auch wieder ein Frühling. Sie werden schon sehen.

 

Die Firma wünscht, dass ich im Home Office arbeite. Dazu muss ich auf meinem privaten Laptop diverse Programme der Firma installieren. Leider funktioniert das nicht, fragen Sie mich nicht, warum.

Der Support – nicht zu erreichen (als ich endlich die korrekte Telefonnummer herausgefunden hatte, die angegebene war bekanntlich „nicht vergeben“).

Die Herren von der Schnittstelle – anscheinend nur mäßig kompetent, stochern genauso im Nebel wie ich.

Der IT-Service-Point erklärt sich für nicht zuständig, da es sich um meinen privaten Laptop handelt.

Mein privater Laptop, den ich auf Wunsch der Firma für Firmenangelegenheiten benutze. Und man ist unter diesen Umständen nicht bereit, mich bei Problemen zu unterstützen?

Dreckspack, elendiges.

 

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