Gelesen: Die Ladenhüterin

Keiko ist, milde ausgedrückt, verschroben. Schon als Kind folgt sie einer Logik, die nichts mit der ihrer Umgebung zu tun hat. Als Studentin beginnt sie, in einem „Konbini“ zu arbeiten. Die Uniform, die sie tragen muss, die ritualisierte Kommunikation mit der Kundschaft und die eindeutigen Regeln bieten ihrem Leben einen Rahmen, nach dem sie gesucht zu haben scheint. Nach ihrem Studium findet sie keine andere Arbeit, die Arbeit im Konbini wird zur Nische, in der Keiko überlebt und auf gewisse Weise sie selbst sein kann. Ohne einen respektablen Job und ohne Ehemann ist sie jedoch kein nützliches Mitglied der Gesellschaft. Da taucht ein neuer Mitarbeiter auf, der undisziplinierte und großmäulige Herr Shiraha, und alles ändert sich.

Eine zurückhaltende Hauptperson, die lieber beobachtet, jedoch im Notfall auch zu handeln weiß, eine präzise Sprache sowie die Fähigkeit der Autorin, die Banalitäten des Alltags mit Zuneigung und Sorgfalt zu schildern, machen dieses Buch in meinen Augen lesenswert. Keiko erinnert an die Figuren der österreichischen Krimiautorin Maria Benedickt. Sie weicht dem Leben aus, weil es sie einfach zu viel Anstrengung kostet, „normal“ zu sein. Sie ist klug und lernwillig, so überlebt sie. Wie es in ihr aussieht, geht keinen etwas an. Was aus ihr hätte werden können, wenn sie gelernt hätte, höhere Ansprüche ans Leben zu stellen, wer kann das wissen? Es muss Millionen Menschen geben wie sie, denen wir täglich begegnen, und die wir zu Unrecht unterschätzen. Man könnte sich fast vorstellen, Keiko betriebe irgendwo ein kleines, privates Blog, in dem sie das besondere Biotop eines Konbini aufs Korn nimmt. Aber dazu ist sie wahrscheinlich viel zu diszipliniert.

Sayaka Murata, Die Ladenhüterin, übersetzt von Ursula Gräfe, erschienen im Aufbau Verlag, ISBN: 978-3-351-03703-1

Galanterien und die Liebe zu den Büchern

Galanteriewaren waren früher das, was Ihr Galan Ihnen verehrte, wenn er galant sein wollte: Fächer, Puderdosen, Bänder, Ansteckblumen…

Ob Bücher mitunter auch Galanteriewaren sein konnten, bzw. können, ist fraglich. Allerdings haben die Katalanen da so eine Sitte, wenn man die umdrehte und in ihr Gegenteil verkehrte, wenn also die Damen die Bücher geschenkt bekämen und nicht die Rosen, dann könnte man diese Bücher als Galanteriewaren bezeichnen. Oder sind es galante Damen, die den Herren am Sankt-Georgs-Tag Bücher schenken? Ich fürchte, unter „galanten Damen“ versteht man etwas anderes (was aber nichts schlechtes sein muss).

Ich jedenfalls würde mich freuen, wenn ich am Sankt-Georgs-Tag, der für dieses Jahr leider schon vorbei ist, ein Buch bekäme statt einer Rose. Andrea, die nicht nur mit Büchern handelt, sondern sie, wie es scheint, auch sehr liebt,  war in Hamburg in drei Buchläden, und jeder für sich ist anscheinend eine kleine Perle. Eigentlich wollte ich dort kommentieren, aber ich fürchte, mein Kommentar wäre zu ausführlich geworden.

Hier, in unserer kleinen Stadt, habe ich vier „Stamm“-Buchhandlungen: Den kleinen, feinen Laden, sogar in meinem Viertel gelegen,  wo es außer Büchern auch noch Kaffee sowie von der liebenswürdigen Chefin und ihren Kolleg_innen selbst gebackenen Kuchen gibt.  Für Notfälle die Bahnhofsbuchhandlung mit den großzügigen Öffnungszeiten, dem erstaunlichen Sortiment und den höchst engagierten Buchhändler_innen. Den Büchergiganten in der Innenstadt für die Momente, in denen ich nicht nach meinen Wünschen gefragt werden möchte, also die Buchladen gewordene Anonymität, die man ja bekanntlich von Zeit zu Zeit auch braucht . Schließlich den  nur scheinbar chaotischen Keller in der einzigen schönen Fußgängerzone unserer kleinen Stadt, wo man tausendundein Buch findet, das man nie gesucht hätte. Treten Sie dann aus dem Keller wieder ans Tageslicht, kann es sein, dass Sie, wie manche Märchenhelden, die Welt oben kaum wiedererkennen.

Aber lassen Sie uns einmal annehmen, dass es sich bei  manchen oder vielleicht sogar vielen verschenkten Büchern um Galanterien handelt. Müssten wir dann nicht auch annehmen, dass die Buchhändlerskundschaft auch besonders liebenswürdig und sogar galant ist? Ob dies der Fall ist, weiß ich nicht, dazu müsste man wohl Buchhändler_innen befragen. Jedenfalls ist mir aber weder beim Verlassen noch beim Betreten eines Buchladens je der Rand einer Tür ins Gesicht geknallt, was Ihnen, wenn Sie in der freien Wirtschaft in einem dieser aufwendig verglasten Bürotürme arbeiten, durchaus passieren kann. Nichts eignet sich so wie die Glastüren im Treppenhaus eines großen Konzerns, um eine Frau auf ihren (subalternen) Platz zu verweisen. Und Frauen – besonders solche ohne sichtbare männliche Unterstützung –  gelten ja, das lehrt die Erfahrung, auch im 21. Jahrhundert noch als subaltern. Deshalb bin ich um jeden Mann froh, der mir die Tür aufhält statt sie mit Schwung in Richtung meines Nasenbeins segeln zu lassen. Eine Tür, die einer Frau vor der Nase zugeschlagen wird, ist ein Symbol und eine überdeutliche Ansage. Jammern über in angeblich frauenfeindlicher Absicht aufgehaltene Türen kann ich deshalb nicht völlig nachvollziehen. Womit ich den Bogen geschlagen habe zu einer Diskussion auf Twitter, aus der ich mich gestern  fast gänzlich herausgehalten habe.

Sollten Sie mich übrigens jemals verführen wollen, wozu ich Ihnen nicht unbedingt raten würde, müssten Sie mir aber schon etwas vorlesen und nicht nur die Tür aufhalten…

 

 

Strade bianche oder Gomringer und kein Ende

 

Anatol Stefanowitsch schreibt:

„Wenn wir klären wollen, ob wir die Studentinnen einer Hochschule jeden Tag an einem Gedicht vorbeigehen lassen sollten, das sie als schmückendes Beiwerk darstellt, oder ob wir von weiblichen Sparkassenkundinnen erwarten können, sich durch das männliche “Kunde“ angesprochen zu fühlen, oder ob wir unsere weiblichen Mitbürgerinnen auffordern sollten, “brüderlich“ nach Einigkeit, Recht und Freiheit zu streben, müssen wir uns gemäß dieser Regel fragen, ob wir umgekehrt auch mit Männern so verfahren würden.“

(Anatol Stefanowitsch, Herrscht in Deutschland eine Sprachpolizei?, Gastbeitrag in der Hannoverschen Allgemeinen vom 14.04.2018. Link.)

Also gut, verfahren wir einmal mit Männern so, wie Eugen Gomringer mit Frauen verfuhr:

Strade bianche

Strade bianche und Fahrräder

Fahrräder

Fahrräder und Männer

Strade bianche 

Strade bianche und Männer

Strade bianche und Fahrräder und Männer und

eine Leserin. 

Ist das nun ein female gaze? Ich bin eine Frau, und zwar schon ziemlich lange. Dennoch, und das tut mir von Herzen Leid, begreife ich immer noch nicht, wieso ich mich von Gomringers Gedicht objektifiziert fühlen soll. (Wenn es mir jemand erklären kann, bitte in die Kommentare damit.)  Sieht möglicherweise der männliche leitende Feminist A.S. selbst Frauen grundsätzlich als schmückendes Beiwerk und interpretiert deshalb jedwede Erwähnung von Frauen als antifeministisch?

Ei, mer waaß es net (wie wir in Frankfurt sagen).

(Die Verfasserin dankt Herrn Eugen Gomringer und Don Alphonso für die Inspiration.)

 

 

Lieblingssatz 12042018

„Regnet es, teile ich meinen Schirm. Habe ich keinen Schirm, teile ich den Regen.“ (Enrique Ernesto Febbraro)

 Wie viele Argentinier scheint Febbraro italienischen Ursprungs zu sein. Sein Nachname ist, so vermute ich, eine süditalienische Variante des Monatsnamens „febbraio“ (Februar). Das Süditalienische neigt zur Endung –aro, wo es im Norden in der Regel –aio heißt. Der Notar heißt also im Norden und in der Mitte Italiens „notaio“ und tief im Süden „notaro“. Mag sein, dass sich die Endungen noch angleichen oder inzwischen schon angeglichen haben, aber vor gut zwanzig Jahren habe ich in Sizilien noch Schilder mit der Berufsbezeichnung „notaro“ gesehen.  

Aber nicht um südliche Varianten des Italienischen oder um Klugscheißerei im Allgemeinen soll es hier gehen, sondern ums Teilen. Febbraro will seinen Schirm teilen, so, wie man es eben tut, weil man es kann und die andere Person keinen hat. In der unangenehmen Lage, selbst keinen Schirm zum Teilen dabei zu haben, will er wenigstens den Regen teilen, den durchnässten Mantel, das Wasser, das zum Kragen herein und zu den Schuhen wieder hinausläuft. Kann man das? Die Empfindung, das Unbehagen teilen? Hat die andere Person, dessen Nässe er nun teilt, etwas davon? Vermutlich nicht, außer vielleicht dem Gefühl, nicht allein zu sein mit ihrem Durchnässtsein, ihrem Frieren.  

Es ist ganz eindeutig, dass es hier nicht um eine konkrete Anwendung des theoretischen Konzepts Solidarität gehen kann. Niemand kann das Unbehagen teilen. Konkret wäre, den Mantel teilen, Unterschlupf gewähren. Febbraros „Teilen“ beschränkt sich bestenfalls  auf die schöne Geste, tatsächlich aber auf die edle Regung. Das ist besser als nichts und von Febbraro auch sehr poetisch ausgedrückt. Das Mitleidenwollen ist etwas sehr Christliches. Ob es das in anderen Religionen überhaupt gibt, weiß ich nicht. Einen konkreten Nutzen, über die edle Regung hinaus, hat es eben nicht. Tätige Hilfe ist etwas anderes. Vielleicht ist es aber ein Anfang.

Eigentlich wollte ich ja etwas Gemeines schreiben. Etwas, wie Hochmut vor dem Fall kommt und wie man in die Gruben, die man anderen gräbt, selbst hineinfällt. Dass hier war die Bußübung.  

 

Lieblingssatz 18032018

Wieso erinnert mich das an Twitter?

„Die Runde meines Freundes Nogier trifft sich jeden Abend um fünf – er nennt es: die blaue Stunde – im Café à l’Écart. Die Herren machen, im Dunst ihrer Zigarren, die Weltgeschichte unter sich aus, jeden Tag neu, doch immer mit einer abschließenden Meinung. Da diejenige von gestern niemanden mehr frappieren würde und da man auf Überraschung größten Wert legt, muss man auch imstande sein, sich selbst zu widersprechen – aber wehe, man tut es ohne Finesse!“

Adolf Muschg, Löwenstern, C.H. Beck Verlag, München 2012
ISBN 9783406639517

 

Lieblingssatz 04032018

Ach, Ali Riza, sei mir nicht böse, doch ich muss dir sagen, das Volk schert sich kein bisschen um euch! Du glaubst doch nicht, dass euch jemand beisteht! Außerhalb dieser Mauern haben alle nur ihr Vergnügen im Sinn. In den Unterhaltungsprogrammen im Fernsehen geht es nur darum, welches Mannequin mit welchem Fußballspieler in einer Bar gesehen wurde, und wer mit wem liiert ist. Das ist alles, wofür sie sich interessieren.“

Zülfü Livaneli, Glückseligkeit, aus dem Türkischen übersetzt von Wolfgang Riemann, Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2008
ISBN 9783608937923

Der zweite Teil gilt, glaube ich, nicht nur für die Medien in der Türkei.

Im Buchladen

Die ältere Dame dreht sich um und lächelt, hört aber sogleich wieder damit auf, als ob ihr gerade noch rechtzeitig einfiele, dass man in dieser Stadt, in solchen Buchläden niemanden anlächelt. Wer weiß, vielleicht hätte sie sich gerne in das Gespräch eingemischt, das das junge Paar gerade führt. Vielleicht hätte sie gerne eine Empfehlung ausgesprochen, ein Buch genannt, das zum Gesprächsthema passt, aber nicht bloße Unterhaltung ist. Nichts gegen Unterhaltung, solange sie auch zum Denken anregt. Die Frage ist: wollten die beiden überhaupt zum Denken angeregt werden? Warum geht man in einen Buchladen? Vermutlich gibt es dafür so viele Gründe, wie es Buchladenkunden gibt. Die beiden suchen, so höre ich, ein Geschenk für eine Bekannte, die eine höchst langweilige Person sein soll. Jedenfalls wissen die beiden nicht, ob sie ein Hobby hat, eine Leidenschaft, ob sie Gedichte mag, gerne Sport treibt oder lieber  ins Museum geht. Es scheint sich also tatsächlich um eine langweilige Person zu handeln, oder aber um eine, die ihre Angelegenheiten tunlichst für sich behält. Übrigens habe ich soeben gelogen: die beiden haben sich nicht gefragt, ob ihre Bekannte vielleicht Gedichte oder Museen liebt: sie blättern in diversen Ratgebern – dick und einsam ist sie also auch – Reiseführern und Kochbüchern. Wobei das mit den Reiseführern auch nicht einfach ist: das Pärchen weiß, dass ihre dicke, einsame Bekannte von Zeit zu Zeit verschwindet, aber nicht, wohin, geschweige denn, was sie da treibt, und warum sie oft äußerst gut gelaunt zurückkehrt. Ich bin kurz davor, Martin Mosebach oder Eva Demski zu empfehlen, aber ich bin lange genug auf der Welt, um zu wissen, dass eine mittelalte, gouvernantenhafte Person wie ich im Angesicht der Jeunesse dorée den Mund zu halten hat. Statt dessen schlendere ich wie von ungefähr um den Buchstapel, nehme ein Buch, blättere darin, lege es an die falsche Stelle zurück, gleich neben die Hand des jungen Mannes. Der greift danach, teilt seiner Begleiterin mit, dass ihm das alles zu lange dauert und er jetzt dieses Buch kaufen wird.

So kann es einem gehen, wenn man sonntagnachmittags ein Buch braucht und die Bahnhofsbuchhandlung aufsuchen muss. Manchmal findet man keines, aber dafür hat man eine Geschichte fürs Blog. Vielleicht sogar zwei, wenn mir einfallen sollte, was die dicke, einsame unbekannte Bekannte während ihrer Absencen tun könnte.

Lieblingssatz 11022018

„Weißt Du, Agatha, die ist nicht verrückt. Weil alle dir bestimmt gesagt haben, sie wäre verrückt. Es ist so, dass Frauen in einer Ausstellung Bilder von ihr kaputtgemacht haben. Sie ist nämlich Malerin, weißt du das?.

Ja. Brigue -au-Pot hat’s mir gesagt. Ihre Bilder sind kaputtgemacht worden?

Ja. Und zwar von Frauen. Und auf den Bildern waren Frauen! Und für Agatha, verstehst Du, sind Frauen alles! Sie wäre beinah gestorben! Seit zwei Jahren malt sie nicht mehr. Sie ist unfruchtbar geworden.

Die, die die Bilder kaputtgemacht haben, sind verrückt! Und was war auf den Bildern?

Frauen! Frauen, die Lachen, Glück, Lust ausdrückten! Im Gegenteil. Das waren Äußerungen von Freiheit. Agatha hat nie begriffen, warum sie das in die falsche Kehle bekommen haben.“

Victoria Thérame, Die Pianistin, Rowohlt, Hamburg, 1982, übersetzt von Uli Aumüller.                                                                                                                                                ISBN 978-3-688-10716-2

An diese Sätze habe ich mich erinnert, als ich das hier las. Ich bin nicht sicher, ob es richtig war, Emmett Till im Sarg zu malen. Man muss kontroverse Kunstwerke auch nicht unbedingt öffentlich zeigen. Die Arbeit einer Künstlerin zu zerstören, halte ich jedoch in jedem Fall für falsch.

Nichts für ungut

Läse ich keine Krimis, würde ich vermutlich gewisse Fantasien in die Tat umsetzen. Da es sich dabei um Fantasien handelt, die wilder sind als die Polizei erlaubt, halte ich Kriminalromane für eine sehr nützliche Erfindung, die solche wie mich daran hindert, irgendwann tatsächlich ein Blutbad anzurichten. Die Heldinnen der Kriminalromane von Maria Benedickt sind schräge Figuren, die nicht mit beiden Beinen auf der Erde stehen, sondern eher frei flottieren, bis sie irgendwo eine Nische gefunden haben, in der sie relativ unbehelligt und gerade so überleben. Die liebste unter ihnen ist mir die Hauptperson der Geschichte, die den schönen Titel „Nichts für ungut“ trägt.  

Diese Hauptperson also ist eine Einbrecherin. Oder vielleicht ein Einbrecher? Ein Gaunerpärchen? Eine Jugendbande?  Zeitungen und Polizei stellten bereits verschiedenste Vermutungen an; sie selbst schildert sich als eine angegraute, mittelalte Dame, deren langweiliger Sachbearbeiterinnenjob und biederes Aussehen Sicherheit und Tarnung für ihre eigentlichen Aktivitäten bieten. Ihre Coups plant sie sorgfältig, sie arbeitet sauber und solide. Dabei gilt sie der Polizei als eine höchst rücksichtsvolle Diebin. Aus einem wertvollen Silberrahmen, den sie mitgehen lässt, entfernt sie zuvor das Familienfoto; ein Medaillon mit dem Bild der Mutter oder ein Schmuckstück mit einer sentimentalen Gravur lässt sie lieber liegen.  

Während einer Gruppenreise bietet sich wieder einmal eine Gelegenheit zur Aufbesserung des Angestelltengehalts, aber die unscheinbare Diebin macht einen Fehler, der zu ihrer Identifizierung führen könnte. Derart in die Enge getrieben, beginnt die Diebin zu ermitteln und findet einen Kommissar, der ihre Karriere seit ihren Anfängen verfolgt. Nebenbei wird noch ein Verbrechen aufgeklärt, das weit schwerer wiegt als der Diebstahl einiger Pretiosen.  

„Nichts für ungut“ ist keine große Literatur, eher etwas für die Badewanne oder den Strand. Das Leben der Hauptfigur ist – von außen betrachtet – ein langer ruhiger Fluss, und  ein solcher soll es auch bleiben, trotz aller krimineller Aktivitäten. Ob sie aufhören wird, zu stehlen? Ich bin mir nicht sicher. 

Maria Benedickt, Nichts für ungut, Fischer, ISBN 978-3-596-30026-6

 

 

 

Lieblingssatz 19112017

(nicht eigentlich ein Lieblingssatz, aber ich wollte ihn nicht verlieren)

„Die Sympathisanten sind jung und blass, sie färben sich die Haare mit Henna, sie glauben nicht an die heile Welt, sondern wollen, dass alles anders wird, und stecken sich deshalb Ringe durch Lippen, Ohren oder die Nase. Die Flüchtlinge wiederum wollen in das, was in ihren Augen überzeugend genug wie eine heile Welt aussieht, erst einmal hinein. Hier auf dem Platz überkreuzen sich die zwei Arten des Wünschens und Hoffens, es gibt eine Schnittmenge, aber der stille Beobachter zweifelt daran, dass sie sehr groß ist.“

Jenny Erpenbeck, Gehen, ging, gegangen. Penguin Verlag, 2017