Eine Kuh oder vielleicht eine Dalmatinerhündin läuft durch die Kantine. Mir fällt ein, dass ja heute Weiberfastnacht ist. Dieses Jahr haben die Kassiererinnen keine Trophäen über ihren Kassen befestigt. Trophäen, das sind in diesem Fall abgeschnittene Krawatten. Auch gibt es keine Blumen für die Damen wie in den Jahren zuvor. Macht nichts, ich kann gut darauf verzichten. In der U-Bahn dann vereinzelte Kostümierte.

Zu Hause lese ich Zeitungsartikel über den Terroranschlag in Hanau. Der Täter soll ein Rechtsextremer gewesen sein. Was dieser Anschlag bedeutet, fasst Blognachbarin Juna zusammen.

Der beste Ex der Welt kommt zum Tee, und für einen Moment überlege ich,  ihn anzurufen und ihn zu bitten, sehr vorsichtig zu sein. Sein „Migrationshintergrund“ ist klar zu erkennen. Aber soll er sich für die nächsten Wochen, Monate, Jahre zu Hause einschließen?

Gedanken über das Wohnen im Alter. Bis dahin dauert es noch, aber Gedanken darf man sich wohl machen. Wo, mit wem und wie? Was brauche ich? Einen Platz für Bücher, einen Platz für meine Kräuter. Ein Baum oder Strauch vorm Haus, der im Sommer Früchte trägt, wäre schön. Meer geht nicht, dann wäre ich zu weit weg von Familie und Heimat, aber ein Fluss sollte möglich sein. Stehendes Wasser mag ich nicht, also kein See. („Der“ See ist leider zu teuer für mich…)

Ein Bahnhof. Eine anregende Landschaft. Gemäßigtes Klima. Ruhe. Luft, die man gerne atmet.

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Manchmal wundere ich mich, mit was für Suchbegriffen man mein Blog findet. Der schönste der vergangenen Woche ist zweifellos „an eine Frau denken, obwohl ich sie nicht richtig kenne“.

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Bisweilen schaut schon der Frühling um die Ecke, aber das hier ist Oberbayern, da kann man sich, was den Frühling betrifft, sehr täuschen. Der See muss noch warten.

Wissen, was jemand braucht, und ebenso wissen, dass man das nicht immer geben kann. Und sich fragen, ob man trotzdem auf Zuneigung und Verständnis hoffen darf.

 

 

 

Gewesen: auf dem Ostfriedhof

Gesehen: Rabenkrähen, Buntspechte (die allerdings überwiegend gehört, wenn ich ehrlich bin), Winterlinge, Schneeglöckchen, Märzenbecher, lila Krokusse.

Gräber mit Frühlingsbepflanzung neben solchen mit Weihnachtsdekoration. Auf einem Grab wuchsen Christrosen, um die Blüten sehr geschäftig tuende Bienen.

Außerdem das Grab vom Gänslein Saarfried. Ich habe tatsächlich eine Minute lang überlegt, wer so gemein sein könnte, sein unschuldiges Kindchen Gänslein zu nennen, bis mir aufging, dass hier „Saarfried“ der Vorname ist.

Geschrieben: einen Text über den Begriff „schwarz“ und seine Bedeutungen.

Gelöscht: einen Text über den Begriff „schwarz“ und seine Bedeutungen. (Nein, ich habe keine Lust mehr auf Diskussionen über Sprache.)

Getan: geputzt, gekocht, gewaschen, und sonst nicht viel.

(Derlei Notfallblogeinträge habe ich mir bei Frau Nocheinglaswein abgeguckt. Wobei Frau Nocheinglaswein sich nicht nur im Notfall so kurz fasst, glaube ich. )

Anderswo

Schwarze Frauen, die Sie vielleicht nicht alle kannten.

Herr Buddenbohm aus Hamburg – das ist da, wo mal jemand sagte: Regen ist, wenn die Fische über die Straße schwimmen – über Sturm, Wetter und Klima.

Mely Kiyak über Minderheiten, die wir schützen müssten (was wir aber nicht in ausreichemdem Maße tun).

Eine untypische Ballerina.

Mitzi muss sich streiten.

In Südfrankreich blühen die Mandelbäume.

Dazu passt El Tango del Almendro.

In der Nacht träume ich, dass ich träume. Im Traum bin ich eine Gouvernante oder Erzieherin im Frankreich vor der Revolution, die mit den ihr anvertrauten Kindern und anderen Menschen einen Ausflug in einen Wald macht. Die Kinder laufen mir weg, ich wache aus dem einen Traum auf, um mich im anderen wiederzufinden. Ich möchte mich aufrichten, aber jemand oder etwas hält meine Arme fest und sitzt schwer auf meiner Brust. Sogar im Traum ist mir klar, dass das ein Alb ist, also warte ich ruhig ab, bis ich ganz wach bin und der Alb verschwindet.

Nachtrag zum vorigen Eintrag: Es freut mich, Ihnen mitteilen zu können, dass die Zwerge am Zwergenhaus sich vermehrt haben. Das Zwergenhaus ist ein kleineres Haus  am Rande der Stadt W, erbaut vermutlich in der Gründerzeit. Seine Fassade schmücken Mauerziegel und viele Simse. Auf den Simsen stehen Gartenzwerge in bis zu drei Reihen hintereinander. Vor einigen Jahren wurden Zwergenhausbesitzer und Zwergenhausbesitzerin plötzlich und unerwartet – jedenfalls für die Nachbarschaft – geschiedene Leute. In diesem Zusammenhang kam es leider zu einem Streit um das Sorgerecht für die Gartenzwerge. Ein Teil der schon etwas bemoosten Männlein sollte weichen, da sich hinter ihnen Schimmel bildete, was anscheinend dem Mauerwerk nicht gut tat. Ich weiß nicht, ob Zwergenpapa oder Zwergenmama gegen die Verbannung der Zwergenkinder waren, auf jeden Fall zog sich der Prozess über Jahre hin. Inzwischen ist das Haus renoviert, das Schimmelproblem anscheinend bewältigt, und auf jedem Mauervorsprung sowie über der Eingangstür stehen gereinigte oder sogar neue Zwerge.

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In der Isarvorstadt bleibt der angekündigte Sturm ein Stürmchen. Der generell träge Wetterhahn auf Sankt Anton räkelt sich ein wenig im Wind. Das tut er, wenn überhaupt, langsam und majestätisch. Es gibt Menschen, die seit zwanzig Jahren hier wohnen und das noch nicht gesehen haben. In meiner Kindheit bin ich mit meinen Cousinen bei solchem Wetter ausgeritten. Die betagten ehemaligen Ackergäule spitzten die Ohren und warfen sich, Brust voran, in den Wind. Sie genossen das, glaube ich, fast so sehr wie wir.

Da vormittags auf dem Balkon in punkto Sturm nichts geboten wird, schneide ich Kräuter zurück. Den verholzten Lavendel stutze ich zu einem hochstämmigen Bäumchen zurecht und gelobe, ihn in Zukunft besser zu pflegen. Oder ihn überhaupt zu pflegen.

Mittags klart es auf.

Flamenco ist mein Yoga, denke ich, als jemand ein Yoga-Lehrvideo empfiehlt. Aber sogar zum Tanzen bin ich mal wieder zu müde. So lasse ich den nun wirklich allerletzten Urlaubstag unter ausgiebigem Faulenzen ausklingen.

Das schon einmal gelesene „Shanghai fern von wo“ lege ich zur Seite, stattdessen beginne ich „Landgericht“. Beide Bücher sind von Ursula Krechel.