Die Erfahrung lehrt, dass man sich nur eine begrenzte Zeit fürchten und schlaflos im Bett wälzen kann. Irgendwann holt sich der Körper sein Recht. Meine Schlaflosigkeit folgt der meines schon lange verstorbenen Großvaters.

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Als ich mich gestern durch eine Akte wühlte, fiel mir ein Fall aus früheren, wilderen Notrufzeiten ein: Eines Freitagabends kam der Vorstand in den Notruf getänzelt, überreichte mir – damals Schichtleiterin – einen Zettel und erzählte mir vom Sohn einer Geschäftsfreundin, der im Himalaya verschollen sei. „Nun zeigen Sie mal, was Sie können!“ befahl er und schwebte von dannen. Ein Wochenende lang schickte ich Telexe an sämtliche in Frage kommenden Behörden und Organisationen der Region und telefonierte mit örtlichen Beamten und Funktionären, die sich herzlich desinteressiert zeigten. Am Montag schließlich musste ich eingestehen, dass ich nichts herausgefunden hatte. Die Mutter des Verschollenen teilte mir mit, dass der Herr Sohn sich bereits am Samstag zurückgemeldet habe. Er habe bekifft in einem Etablissement genächtigt, das für die großzügigen Moralvorstellungen seiner Angestellten bekannt sei. (Man hätte uns ja bereits am Samstag informieren können, aber das hat die feine Gesellschaft ja nicht nötig. Sollen die Dienstboten ruhig ein bisschen springen, dazu sind sie da.)

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