Frisierkommode

Meine Großmutter, die Bäuerin, besaß eine Frisierkommode. Das erschien mir ungewöhnlich, denn die Frauen, die ich kannte, richteten sich die Frisur im Stehen vor dem großen Spiegel im Flur, vor dem sie auch den Sitz des Mantel- oder Blusenkragens überprüften.

Auf der Kommode standen ein Spiegel, ihr Schmuckkästchen, eine Flasche Lavendelwasser und ein Behälter für Haarnadeln. Letzteres vermute ich, was das für ein Behälter war, weiß ich nicht mehr. Möglicherweise war es auch eine flache Schale, in der sich neben den Haarnadeln noch ein oder zwei Einsteckkämme befanden, denn solche Kämme trug sie auch. Ihre Knotenkissen befanden sich, soweit ich mich erinnere, in einer der kleinen Kommodenschubladen ganz oben.

Möglich, dass die Kommode zu ihrer Aussteuer gehörte. Möglich, dass auch ihre Schwägerin, die den jüngsten Bruder und Hoferben geheiratet hatte, eine solche Kommode besaß. Mir schien das vornehme Möbelstück nicht recht zu meiner Großmutter zu passen, die nur wenige „feine“ Kleider besaß und die ich eigentlich nur mit Schürze kannte. Wo die Schürzen hingekommen sind, weiß ich nicht, aber ich erinnere mich, wie sie dufteten.

Ich erinnere mich auch, wie ich einmal zusah, wie meine Großmutter sich frisierte. Mit sanften und vorsichtigen Bürstenstrichen, die gar nicht zu meiner starken und energischen Oma zu passen schienen, bürstete sie ihr im Alter noch feiner gewordenes Haar ohne Scheitel nach hinten. Mit Hilfe von Haarnadeln und Knotenkissen entstand ein nicht allzu strenger Nackenknoten. Wenn man alte Fotos betrachtet, so kann man vermuten, dass sie diesen Knoten trug, seit sie „aus der Schule gekommen“ war und damit nach Landessitte als erwachsen galt.

8 Gedanken zu „Frisierkommode

  1. Auch hier Erinnerungen – was was für welche, nämlich wunderschöne. Duftende Schürzen, Knotenkissen, Kämmsitten…Warum fällt mir da der Film von der „Blechtrommel“ ein…
    Gruß von Sonja

  2. Hach, eine Friesierkommode. Meine Oma besaß auch so ein Ding. In der Mitte ein großer Spiegel, links und rechts zwei beweglich Spiegel, unten eine Fußstütze. Hab das Ding geerbt, müsste wohl noch bei meiner Exfrau im Haus stehen. Ich war fasziniert von dem Ding. Erinnerungen!

  3. An das Schlafzimmer meiner Grossmutter (mütterlicher Seite) Bäuerin und Müllerin kann ich mich trotz langem nachdenken nicht erinnern. Mir fällt nur die gute Stube ein (Wohnzimmer) in der man nur zu Festen war – hier wurden die Porzellan-Schätze aufgehoben.

  4. mich faszinierte das spiel mit den seitenspiegeln, ich bewegte sie und sah mich fast unedlich. eine garnitur aus pressglas stand auch bei meiner mutter, eine schale für klämmerchen und kamm, ein flakon mit zerstäuber, roch gut, war aber leer. dort frisierte sich niemand, danke für den erinnerungsschub!

  5. Eine schöne Erinnerung. Meine Großmutter, eine Apothekerin, bürstete jeden Abend ihr langes Haar und flocht es anschließend zu einem Schlafzopf. Am Morgen verwandelte sie ihre Haarpracht wieder in einen Dutt, den sie mit Haarnetz und Haarklammern im Nacken befestigte. Lange habe ich nicht mehr daran gedacht. Danke für´s Erinnern!

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