Schmeckeleffelchen

Catriona Bass* erzählt, dass die Butterhändler_innen in Lhasa lange verzierte Messer benutzten, mit deren Hilfe sie den feinen Lhasaer Damen Butterstückchen zum Probieren anboten.

Die Kasseler Hausfrauen, denen meine Großmutter als junge Bäuerin – vermutlich in den 50er Jahren – auf dem Markt Butter verkaufte, brachten eigene Probierlöffel – Schmeckeleffelchen – mit. Mit diesen stachen sie meist mitten in ein Butterstück, um „mal zu schmecken“, ob die Butter gut und frisch war. Wenn zwanzig Kundinnen auf diese Weise „mal geschmecket“ hatten, ließ sich die Butter kaum noch verkaufen.

Kein Wunder, dass meine Großmutter den Markttag hasste.

*Catriona Bass, Der Ruf des Muschelhorns – Begegnung mit Tibet. Reinbek bei Hamburg, 1992

6 Gedanken zu „Schmeckeleffelchen

  1. Eine feine Überschrift.
    Diese „Sitte“ ist weniger appetitlich. Vielleicht hätte man die Butter von einer Seite her probieren lassen sollen. Aber dazu haben sich die Betreffenden sicher auch ihre Gedanken gemacht…

  2. Und ich wundere mich seit Wochen darüber, dass Sie anscheinend das Schreiben aufgegeben haben. Dabei wurden sie nur von meinem Reader ignoriert. Bedenklich wie sehr man von diesen Blechidioten abhängig ist

  3. Na da bin ich ja sehr froh, dass diese Sitte auf meinem kleinen Wochenmarkt vor der Tür nicht mehr praktiziert wird. Ich mag den Markttag sehr.
    Herzliche Grüße aus Kassel

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