Seit Tagen macht man sich anderswo über mich lustig, weil ich eine Parodie nicht als solche erkannt habe. Es mag daran liegen, dass ich mich nicht in den höheren Sphären der Literatur bewege, sondern bei den Gebrauchstexten herumkrebse, wo ich aus nächster Nähe mit ansehen darf, wie Menschen mit Abitur und Studium ihre Muttersprache verhunzen. Was für die höheren Stände eine Parodie ist, ist hier unten bei mir bittere Realität.

Auf Twitter trendet der Hashtag #RIPJKRowling. Nein, J.K. Rowling ist nicht gestorben, aber es gehört nun anscheinend in gewissen Kreisen zum guten Ton, ihr öffentlich den Tod zu wünschen. J.K. Rowling ist eine Autorin, die fast völlig an mir vorbei gegangen ist. Die Abenteuer minderjähriger Zauberlehrlinge haben mich nie interessiert. Ihre Haltung gegenüber trans Menschen konnte ich nicht nachvollziehen. Ihr deswegen den Tod zu wünschen, ist jedoch falsch und geschmacklos. Nennen Sie mich altmodisch.

Die Freundin, die lange nichts von sich hören ließ, schreibt mir. Mit dem Freund, der kein Freund ist, streite ich über Moria. Wir streiten mit aller Sanftmut, zu der wir beide fähig sind. Dabei bleibt manches auf der Strecke und wird nicht ausgesprochen.

6 Gedanken zu „

  1. Menschen, die sich über Menschen lustig machen, die eine Parodie nicht sofort erkennen, die geben nicht zu, dass ihnen das selber schon passiert ist, denn nichts geht schneller, als eine solche nicht zu erkennen und ruckizucki in einem solchen „Fettnapf“ zu versinken.
    Menschen, ey!

  2. Ihr deswegen den Tod zu wünschen, ist jedoch falsch und geschmacklos. Ja, das sehe ich auch so. Selbst wenn man ausdrücken wollte, dass Rowling nun für eine:n selbst „gestorben“ ist (man die Bücher/Filme nicht mehr mag, nicht mehr folgen will etc.), kann man das anders sagen. Leuten den Tod zu wünschen oder damit zu spaßen geht nicht. Es ist eben nicht nur eine *lustige* oder griffige Formulierung im Internet. Aus Worten können Taten werden.

  3. Menschen, echt jetzt!

    Einmal über etwas lachen oder lächeln bei andern, geht ja gerade noch so knapp, aber darauf dann herumzureiten ist so ein doofes Machtspiel à la Schwanzvergleich in Intellektuellsei. Ich erkenne solcherlei auch oft nicht.

    Mich stört und nervt aktuell die „neue Twittersprache“ ohne Satzzeichen sehr, oft zu sehen bei klugen Menschen. Ob das schon Parodie ist? 🙈

  4. Wer sich über andere erhebt, sagt damit nur was über sich selbst.

    Daß Meinungsfreiheit nur dann existiert, wenn Menschen aushalten, daß andere anders, unbequem, „falsch“ denken und das auch laut sagen, …

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