Auf mich selbst zurückgeworfen, ohne Reisen, Theater, Kino und fast ohne Menschen, lerne ich das Altwerden. Alt werden heißt wohl auch, dass die Welt kleiner wird. Nun gut, auch diese Pandemie wird enden, und dann bleibt hoffentlich noch Zeit.

Der Freund, der kein Freund ist, gibt sich seinem entschiedenen Hang zur Sottise hin, und ich beiße mir auf die Zunge.

Auf Twitter frage ich eine Mutter nach Sinn und Zweck eines dieser pädagogisch wertvollen Elternabendspielchen. Sie vermutet „pure Boshaftigkeit und Erniedrigung“ und jetzt wird mir in Bezug auf eine firmeninterne Fortbildung zum Thema „Digitalisierung“, an der ich im letzten Jahr teilnehmen durfte, einiges klar.

Der Tod von David Graeber und die Nachrufe, mit denen er bedacht wurde, stoßen Gedanken an. Ich habe definitiv einen Bullshit-Job, in dem ich Probleme löse, mit denen meine Kundschaft auch ohne mich zurechtkäme, wenn sie ein bisschen nachdächte. Nur verdiene ich meinen Lebensunterhalt damit, und insofern ist der Job zumindest für eine Person notwendig. Kein schönes Gefühl, aber leider die Realität.

München ist dunkler geworden auf der Corona-Landkarte in der Süddeutschen Zeitung. Manche nennen mich ja übervorsichtig, aber das hier bestärkt mich in meiner derzeitigen Zurückgezogenheit.

5 Gedanken zu „

  1. Ja, weggehen und reisen hat auch bei mir derzeit keine Priorität, wenn ich so Berichte lese, schon gar nicht. So langsam werde ich zum Höhlenbewohner, gehe nur für die nötigen Gänge raus. Manchmal an die Luft, aber das machen andere auch gerne. Man muss schon weit fahren, um kaum einen Menschen zu treffen.

    L.G., Reiner

  2. Ich habe jetzt nachgelesen, was für Bullshit-Jobs es gibt. Nach der Graeber’schen Einteilung bin ich nicht sicher, ob Sie wirklich einen haben, ich habe aber gelernt, dass meiner in mehrfacher Hinsicht ein Bullshit-Job ist. Das macht mich unfroh.

  3. Auch wir reisen nicht. Am meisten hat eh des Vorsommerurlaub im Mai an die französische Atlantikküste geschmerzt, manches Mal wiegt die Vernunft halt mehr.
    Uff, Bullshit zum Glück bei mir nicht der Job an sich. Bullshit immer wieder nur Ausleben von Befindlichkeiten, die am Arbeitsplatz nichts zu suchen haben, der Bullshit belastet mehr als alles andere und ist zudem auch noch unnötiger als unnötig.

    • Es wäre doch ein Bullshitjob wenn die Nöte, bei denen geholfen wird, aus Bullshit entstanden wären. Wenn die Hürden künstlich wären, eine Schickane die nur eine seelenlose Bürokratie aus Bosheit eingeführt hätte. Die Hilfe wäre für die Empfänger real, der Job aber dennoch Bullshit.
      Ich kann mir das vorstellen. Ich fürchte, ich habe das schon am eigenen Leibe erlebt, auf beiden Seiten: als Erleider vom BS, dem geholfen wurde (öfter) und als Helfer für andere beim BS (seltener). Und Graeber hat mir einiges klarer gemacht. Ich lese ihn gerade wieder (Debt – The First 5,000 Years), aus gegebenen Anlass.

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