Anderswo

Birol Ünel ist tot.

Zum ersten Mal habe ich ihn in „Gegen die Wand“ von Fatih Akin gesehen, später dann neben Asia Argento in „Transsylvania“ von Tony Gatlif. Mit Typen wie Birol Ünel bin ich aufgewachsen; die Filme von Fatih Akin erzählten quasi meine Jugenderinnerungen. In „Transsylvania“ finde ich anderes wieder, aus einer späteren Zeit, Gesten, Muster und Bilder aus meinen Zwanzigern.

Ich bin nur ein paar Jahre jünger als Birol Ünel, und wenn ich hier sitze und heule, dann nicht nur seinetwegen, den ich ja gar nicht kannte, sondern unter anderem, weil wir in einer Zeit jung waren, in der viel mehr möglich schien als heute. Eine Zeit, in der es möglich war, Birol Ünel zu sein.

Ich würde gerne mehr schreiben, besser, literarischer, aber ich habe ja schon lange keine Worte mehr.

Luz Casal

12 Gedanken zu „Anderswo

  1. Ich like immer im Reader (da geht es nach wie vor) und meistens lese ich auch dort, aber diesmal bin ich echt hier und sehe: Das Blog hat ja ein neues Kleid bekommen. Wie schön!

    Zu Birol Ünels Tod: Ja, diese Gedanken hatte ich auch. Es war eine andere Zeit. So vieles schien möglich. Heute möchte ich nicht mehr geboren werden oder jung sein.

  2. Bei mir sind die Likes sichtbar, ich habe momentan das Problem, dass sich für die Kommentare nicht mehr jeder anmelden kann.
    Nun aber zu Deinem Beitrag:
    Es geht mir rückblickend wie Dir – unsere Zeit war sehr viel unbeschwerter und deshalb auch freier, so sehe ich das auf jeden Fall, wenn ich vergleiche, mit was allem meine Kinder aufgewachsen sind. Besser war sie meines Erachtens nicht, nur definitiv anders.
    Ich bin nicht mehr gläubig, definitiv aber ein optimistischer Apfelbäumchen-pflanzen-Typ. Andernfalls hätte ich nach dem, was meine Eltern an schrecklichem erleben mussten, niemals geboren werden dürfen.
    Herzliche Wochenendgrüße, Ev

  3. Ich bin eine andere Generation, aber ich glaube, ich kann das Gefühl verstehen. Zumindest ein bisschen. Ich hatte so etwas als Felix Flaucher vor drei Jahren gestorben ist. Der war auch nicht meine Generation, altersmäßig eher mein Vater, aber er war in meiner späten Jugend und frühen Erwachsenenzeit in der Szene, in der ich mich bewegt habe omnipräsent. Ich mochte ihn oder seine Arbeiten nicht mal, aber egal auf welche „Schwarzkittel“-Veranstaltung oder Privatrunde man kam, da lief irgendwas von seiner Band. Man kam also nicht dran vorbei und deshalb war oder ist er bzw. seine Arbeiten (hat auch fotografiert) für mich sehr mit dieser Zeit verbunden und als ich damals gelesen habe, er ist tot, wurde ich plötzlich traurig, weil sehr präsent wurde, diese Zeit, das, was da noch alles offen und möglich schien ist unwiderbringlich weg, weil jetzt diese Person, die für diese Ära gestanden hat, weil sie so omnipräsent war, weg ist. Das ist vielleicht ähnlich wie Ihr Gefühl mit Birol Ünel. (Ich weiß nicht, ob wir auf du waren, mir ist das gleich.)

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