Der beste Ex der Welt will sich mit mir treffen. Ich habe kein gutes Gefühl dabei, denn der beste Ex der Welt gehört zu einer Risikogruppe. Deshalb bin ich fast erleichtert, als einen Tag vor dem Termin die Nase läuft und der Hals kratzt. Beides nur ein wenig, aber genug, um das Treffen abzusagen.

Frau Croco und ich sind anscheinend die einzigen, die zur Zeit nicht mehr backen und kochen als sonst. Genau wie ohne Corona muss ich meine acht Stunden am Schreibtisch verbringen und telefonisch erreichbar sein. Das geht schlecht, während ich mit Hingabe rühre. Allenfalls werfe ich in ruhigen Zeiten zwischendurch die Waschmaschine an oder wische Staub auf dem Regal neben dem Schreibtisch. Abgesehen davon kann ich nur einkaufen, was ich tragen kann, und Backzutaten hatten – man möge es mir verzeihen – keine Priorität.

Da ich aber zur Zeit noch Urlaub habe und es gerade einmal nicht regnet, gehe ich an die frische Luft. Auf der Theresienwiese ist am frühen Nachmittag wenig los. Ein paar Skater, ein paar Jogger und ein Grüppchen, das Passanten zum Kunstgenuss zwingt, indem es die Musik so laut dreht, dass man sie bis fast ans andere Ende der Wiese hört. Rundum duften Linden, außerdem blühen Kamille, Kornblumen und Mohn. Ich hatte die Hoffnung, diesen Sommer roten Klatschmohn zu sehen, schon fast aufgegeben.

Der rumänische Bettler ist zurück. Wir lachen uns an, verständigen können wir uns immer noch nicht.

8 Gedanken zu „

    • Es wunderte mich nur, was für Menschen, von denen ich es gar nicht erwartet hätte, plötzlich „häuslich“ werden. Gut, vielleicht haben die weniger berufliche Arbeit als zuvor. Das ist bei mir – zum Glück – bisher nicht so.

  1. Backen und Kochen passiert hier auch nicht mehr als früher, eher weniger, weil ich durch die Fernbeschulung weniger Zeit- und Energiereserven für so etwas aufwenden kann. Ich glaube, warum das viele Menschen in der Krise vermehrt tun könnte daran liegen, dass es ihnen ein Sicherheitsgefühl gibt. Die Situation ist quasi-unkontrollierbar und vielleicht ist das etwas unbewusst transgenerational Weitergegebenes: Man lebt in einer unkontrollierbaren Situation und Routinen können da Halt geben und vielleicht hilft es einigen Menschen zu kochen, backen oder die Gärten in Schuss zu halten, weil unbewusst verinnerlicht ist Oma hat immer mit dem was sie bekommen konnte gekocht, wenn sie Angst haben musste, dass es Fliegeralarm gibt oder ähnliches. Diese Theorie stammt von meiner über 90 Jahre alten Nachbarin und ich finde sie naheliegend, weil mir das mit dem Sicherheitsgefühl sofort einleuchtet..

  2. Mit einer einzigen Ausnahme wäre es mir sehr recht, wenn meine Exe auf den Mond oder noch besser nach Alpha-Centauri auswandern würden. Ich finde es toll, wenn man sich mit Exen gut versteht

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