Der Garten ohne uns

Der Garten ist wieder geöffnet, aber nur ein kleiner Teil ist Besuchern zugänglich. Zwei Damen gärtnern, ein Paar in meinem Alter klettert über Steine ans andere Ufer des Bachs und ein weißhaariger Mann sitzt auf der Wiese und liest.

Um ein Rondell mit Holzbänken blühen Glyzinien. Jemand hat eine orangefarbene, runde Scheibe mit einem Loch in der Mitte in die Glyzinien gehängt. Vögel singen.

Ich setze mich auf einen großen Stein am Bachufer und schaue den Kräuseln an der Wasseroberfläche nach. Zwei Singdrosseln (?), eine Amsel und ein Buchfink lassen sich kaum stören. Stockenten schwimmen majestätisch vorbei. Bilde ich mir ein, dass sie mich missbilligend betrachten? Garten und Bach hatten sie ja nun lange für sich allein.

Das schöne Haus neben dem Garten ist fertig und eingerichtet. Im länglichen Anbau, der mir so gut gefällt, befinden sich  Küche und Esszimmer. Erst zu Hause fällt mir auf, dass ich vergessen habe, mich nach dem geschnitzten Holzrahmen umzusehen, der früher eines der Seitenfenster schmückte. Er würde nicht zum neuen Stil des Gebäudes passen. Dafür hat jemand eine Leiter montiert, über die man vom Dach des Anbaus zu einem der Fenster im ersten Stock klettern könnte. Die Wäsche der rumänischen Bauarbeiter flattert nicht mehr auf der Leine. Auch der lange Holztisch ist weg, an dem die Arbeiter im letzten Sommer ihre Mittagspause verbrachten.

3 Gedanken zu „Der Garten ohne uns

  1. Hört sich idyllisch an, fehlen nur noch die Mädelchen in Sommerkleidchen, blumenpflückend, singend…Das Singen ist wohl vielen vergangen, auch das Sitzen an langen Tischen…
    Gruß von Sonja

  2. Hier sind Hausrotschwänzte unterwegs, die überraschend wenig Scheu vor Menschen zeigen. Ich glaube, die sind mitten in der „Bleib zuhause“-Phase großgeworden.

    (Übrigens habe ich Ihnen in fremden Blogs etwas Mohn gefunden.)

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