Mein Beileid.   Alles Gute.   Geht es Ihnen gut?

Dürre Worte, die ich Menschen schreibe, die ich nicht sehr gut kenne. Die ich nur durchs Bloggen kenne, soweit man Menschen durchs Bloggen überhaupt kennen kann. Und immer das Gefühl, zu wenig zu geben, bei gleichzeitiger Angst, mich noch einmal in einem Menschen zu täuschen und fast zu verlieren. Aber das ist die Realität: die meisten von uns kennen einander zu wenig, unverbindliche Freundlichkeit ist in in vielen Fällen alles, was möglich oder passend erscheint. Die Menschen hinter den Texten sind wahrscheinlich völlig anders als ich sie mir vorstelle. Meine Texte, Ihre Texte sind tastende Hände, die wir bei Nacht und Nebel ausstrecken. Manchmal ergreift eine Hand eine andere, für die Dauer eines Kommentars. Das ist in Ordnung, jedenfalls für mich. Mehr muss normalerweise nicht sein. Was nicht heißt, dass die Sätze oben nicht ehrlich gemeint wären. Ich hänge ja doch sehr an meinen Blognachbar_inne_n.

Beim Bloggen erlaube ich mir eine gewisse Leichtfertigkeit, die ich mir sonst im Leben selten gestatte. Nehmen Sie deshalb bitte alles, was Sie hier lesen, cum grano salis. Dass mein Blog irgendjemandem außer mir selbst etwas geben könnte, ist eine Illusion, an die ich keine Zeit verschwende.

***

Die Straße hinunter ins benachbarte Viertel, durch Grünanlagen, am Bach entlang. Einzelgänger, Familien mit Kindern; zwei junge Männer putzen die Scheiben eines Tattoo-Ladens. Plötzlich gibt es überall Blumen, aber mein Balkon ist versorgt. Höchstens, dass ich demnächst Pfefferminze pflanzen muss, meine kümmert vor sich hin. Der behinderte Sohn der syrischen Familie aus dem Viertel schreit. Der Vater versucht sehr liebevoll, ihn zu beruhigen. Ein Mann zieht den Mundschutz vom Gesicht und spuckt auf die Straße. Nach dem längeren Spaziergang, nötig wegen Rückenschmerzen und allgemeinen Lagerkollers, schlafe ich ein paar Stunden sehr gut. Mein Schlafrhythmus scheint durcheinander zu sein, aber wenigstens schlafe ich wieder. Das war auch einmal anders. Der Urlaubstag hat jedenfalls gut getan.

Zu Hause finde ich einen Stoff wieder, aus dem ich weitere Mundschutze nähen kann. Wenn ich bald wieder ins Büro muss, wo teilweise Mundschutzpflicht herrscht, werde ich noch  welche brauchen. (Ja, ich weiß, dass es Mund-Nasenschutz heißt. Das Wort ist mir aber zu lang, um es ständig zu gebrauchen. Sie wissen ja, was ich meine.)

 

 

12 Gedanken zu „

  1. Das Lesen eines Blogs oder auch nur eines Eintrages wie diesem, bringt auch dem Leser etwas. Nicht nur dem Schreiber oder Verfasser des Textes. Jeder kann sich gedanklich anstecken bzw infizieren lassen, sich Gedanken machen oder etwas „daraus mitnehmen“. Egal wie man es nennt. Sobald man liest, mit dem Hirn auch dabei ist, nimmt man etwas mit. Seien es Anregungen, Ideen, Gedankenschubbser oder was auch immer. Ich lese und denke. Kann aber nur von mir selbst schreiben….

  2. Ein Tipp zur Minze: Aus dem Topf nehmen, eventuell Teilen, und mit neuer Erde wieder einpflanzen. Minze ist doch eigentlich unverwüstlich.

    • Bisher ist sie auch jedes Jahr wiedergekommen, dieses Jahr zunächst auch, aber dann hat sie sich buchstäblich verkrümelt. Ein Sproß steht noch, mal sehen, ob der durchkommt.

      • Hans-Georg hat Recht: Minze kommt dem Unkraut so Nahe, wie eine Nutzpflanze es nur kann. Anderseits, sollte Ihre Pflanze tatsächlich eingehen, können Sie einfach ein Bund frische Minze beim Gemüsehändler kaufen, ins Wasser stellen, und nach einer Woche haben sich Wurzeln gebildet und man kann sie einfach einpflanzen. Dabei kann man testen, ob diese Minzsorte auch gut schmeckt und aromatisch genug ist, es gibt da Unterschiede.

  3. Heute sind es Zeilen, an denen ich nicht einfach wieder so kommentarlos vorbeigehen kann. Es mag an dem Inhalt der Worte liegen. Was mich heute besonders anspricht:

    >> Die Menschen hinter den Texten sind wahrscheinlich völlig anders als ich sie mir vorstelle. <>Meine Texte, Ihre Texte sind tastende Hände, die wir bei Nacht und Nebel ausstrecken.<>Manchmal ergreift eine Hand eine andere, für die Dauer eines Kommentars.<< Was sich durchaus sehr gut anfühlen kann.

    Vielen herzlichen Dank für diesen wunderschönen Beitrag am heutigen Morgen.

    Herzliche Grüße, das Licht

  4. Ja, Texte sind wie Hände, die man tastend ausstreckt von denen der Schreibende/die Schreibende nie weiss, wie sie wahr- oder gar aufgenommen werden.
    Diese Worte sind ganz dürr meist Schwarz auf Weiss. Die Augen, das Gesicht, die Mimik, der ganze Mensch dahinter können ja nicht gesehen werden, im besten Fall hindurch scheinen. Ein Risiko beim Schreiben wie beim Lesen bleibt immer.
    Vielen Dank für Ihre zarten Worte heute und liebe Grüße, Ev

  5. Darf ich ein bisschen ausholen? Zuerst dies: Ich sehe es wie Peter. Darum lese ich überhaupt Blogs. Nicht nur Unterhaltung: Interesse. Das ist für mich durchaus auch Teil meiner Beziehungspflege.

    Ich gehöre nämlich zu jenen Menschen, die beim Textelesen fast immer die/den Autor:in mitdenken & sich für die Person dahinter interessieren. (Per-sonare).

    So habe ich übrigens vor elf Jahren meinen ‚seitherigen‘ Lebenspartner kennengelernt.
    Wir lasen uns gegenseitig, schrieben uns und trafen uns irgendwann in echt.
    Er war wie er schrieb. Ich auch. All die Menschen, die ich nach anfänglich nur virtueller Bekanntschaft persönlich kennenlernte, waren so wie sie schrieben. Jedenfalls nicht sehr anders.

    Mir Naiven wäre bis vor einem Jahr* nicht eingefallen, dass das nicht immer so ist. Dass man sich in ein falsches Licht rücken könnte. Dieses Selbstdarstellungsgetue ist mir fremd.

    Nun denn: Ich hatte da wohl einfach Glück. Aber ich bin definitiv misstrauischer geworden durch manche Vorfälle im Netz.

    Bitte weiterschreiben! 😄👍🏻

    (*diese eine Bloggerin)

  6. Ein *e jede*r zeichnet hier ein Bild von sich. Meistens sind diese Bilder schon „echt“, aber nicht sehr vollständig, glaube ich. Manchmal Idealbilder unser selbst, wenige haben den Mut, offen mit ihrem Schatten umzugehen, verständlich (andere trauen sich nicht an ihre Lichtseiten heran, auch das, ja). Manche Blogs lese ich schon viele Jahre, da kenne ich den Schreibstil, Satzbau, Volumen, Themen und so weiter. Verändert sich etwas, lese ich zweimal … mit der Zeit hat es ein wenig Übung auch im zwischen-den Zeilen-lesen.

    Sonst so? Gleiches sucht und findet gleiches, virtuell und in Natura. Wo es nicht passt, halte ich mich nicht lange auf. Will mich weder langweilen noch ärgern ;)

    Lieben Gruß Ihnen!

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.