Ich grüße die Verkäuferin und lächele sie an, bevor ich um die Ecke biege. Noch bevor ich außer Hörweite bin, macht sie sich mit ihrem Kollegen über meinen Gruß und mein Lächeln lustig. Ich würde sie ja nicht mehr grüßen, wenn sie das so lächerlich findet – man will ja die Leute nicht belästigen – aber dann wäre ich unhöflich. Da ist es mir doch lieber, die Gegenseite ist ungezogen.

Man stellt mir Fragen, die getarnte Zurechtweisungen zu sein scheinen. Auch da bemühe ich mich höflich zu reagieren, aber vor meinem geistigen Auge erscheint eine Axt. Eine große Axt mit scharf geschliffener Schneide.

Die U-Bahn kommt. Menschen steigen aus, Menschen steigen ein. Als ich als Letzte einsteigen will, steigt eine Nachzüglerin aus, die ich tatsächlich übersehen habe und informiert mich in strengem Ton, dass man die Leute zuerst aussteigen lassen müsse und dann einsteigen dürfe. Heute kann ich es anscheinend keinem recht machen.

Ilma Rakusa erzählt von Friederike Mayröcker, und ihr Eindruck deckt sich fast völlig mit dem meinen. Friederike Mayröcker las einmal im Goetheinstitut von Triest, als ich dort ein Semester lang studierte.

Ich schreibe an einer Gespenstergeschichte, die eigentlich dann doch keine ist. Es fehlt aber noch sehr viel daran.

3 Gedanken zu „

  1. Das erste geschilderte Geschehnis schockiert mich. Wie kann man sich über ein Lächeln mit Gruß lustig machen? Was hat die Frau denn gesagt? Es darf nicht wahr sein. Wird unsere Welt menschenfeindlicher? Die Axt im Geiste, harmlos, doch verständlich.
    Gruß von Sonja

  2. Ich fahre selten S- bzw. U-Bahn. Aber mir ist es auch schon passiert, dass ich denke, da kommt keiner mehr. Als ich dann einsteigen will und schon halb drin bin, kommt dann doch noch jemand und springt raus. Zurechtgewiesen worden bin ich aber noch nicht.

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