Sogar Madame Chef ist nun Veganerin. Das ist eine persönliche Entscheidung, die ich nicht zu beurteilen habe. Aber einerseits vegan leben und andererseits rauchen? In meinem Kopf passt das nicht zusammen. Genausowenig wie Fridays for Future unterstützen und den eigenen Abfall irgendwo fallen lassen, weil gerade kein Abfalleimer in der Nähe ist. Die kleinen Dinge, die jeder einzelne tun könnte, halte ich für ebenso wichtig wie die Forderung nach einer veränderten Politik. Die Auswirkungen des eigenen Handelns bedenken – aber konsequent bin ich da ja selbst nicht.

Nachts wache ich auf, betrachte den Mond und denke an die, die weit weg sind, sowohl geographisch als auch in Gedanken. Im Büro gelingt mir das, was ich jahrelang nicht konnte: im größten Chaos konzentriert und ruhig zu bleiben. Nicht einmal das Schwäbisch vom Schreibtisch gegenüber dringt immer zu mir durch. Eine Anruferin, selbst Mitarbeiterin der Firma in leitender Position, stellt sich so dumm an, dass ich sicherheitshalber noch einmal nachfrage, ob sie wirklich die ist, als die sie sich ausgibt. Es bekommt mir nicht gut. Ich denke, dass sogar eine, die ihre Stelle nicht auf Grund von Qualifikation, sondern dank persönlicher Beziehungen bekommen hat, innerhalb von mehreren Jahren wenigstens ein grundlegendes Verständnis für ihren Arbeitsbereich entwickelt haben könnte, aber vielleicht verlange ich auch da zuviel.

Meinen Twitter-Account endgültig zu deaktivieren, hieße die vielen Direktnachrichten zu verlieren, die ich im Laufe der Jahre bekommen und aufbewahrt habe. Ich dachte, ich könnte sie exportieren, aber das hat nicht funktioniert.  Also reaktiviere ich den Account, nutze ihn aber nicht mehr.

Der Adventskranz steht immer noch auf dem Tisch, wenn auch nun ohne Schmuck. Er duftet nach Wald und ich kann mich nicht aufraffen, ihn wegzuwerfen.

Ich denke über den Unterschied zwischen Tagebuchbloggen und Tagebuch schreiben nach, und daran, dass Jüngere, die sozusagen mit dem Internet aufwachsen, sicherlich anders darüber denken als ich.

 

14 Gedanken zu „

  1. Kommt man denn auf Twitter zu MEHR oder anderen Kontakten?
    Was wären grobe Unterschiede zwischen Blog und TB auf Papier?
    Gruß von Sonja

    • Als ich damals anfing, Twitter zu nutzen, da verdoppelten sich die Besucherzahlen auf dem Blog. Zur schamlosen Eigenwerbung war Twitter also anscheinend gut.
      Wenn man bloggt, hofft man in der Regel, gelesen zu werden. Schreibt man Tagebuch, befürchtet man es, glaube ich.

  2. Weshalb denn sollte vegan essen und Tabak rauchen ein Widerspruch sein ? Vegan leben zu wollen hat immerhin nichts mit dem Gesundheitsgedanken zu tun. Ringt man sich allerdings die Entscheidung ab, auch keinem Blatt etwas zuleide tun zu wollen, wäre Rauchen selbstverständlich ein Sakrileg und unvereinbar mit der eigenen Lebensphilosophie. Wie man eine solche Lebensweise wohl nennt, wenn man sich nur von Früchten, Samen und abgestorbenem Grünzeug ernährt ? Und wie lange und intensiv ein solcher Edelmut erlebbar ist ? Es sei denn, daß Lichtnahrung dem Leben an sich genügt und man Dillsoße auch ohne Dille gern mag. Manche behaupten doch allen Ernstes, sie könnten alleine vom Schein einer Glühlampe satt werden … ich zweifle bei jenen allerdings, ob es nicht der heimlich erzeugte Lichtstrom der Kühlschrankbeleuchtung ist, der sie sättigt – umwegrentabel sozusagen. Doch keinem Tier auf dem Umweg der Gefangennahme etwas zuleide tun zu wollen jedoch Blattspinat zu mögen, halte ich grundsätzlich für einen wesentlichen Schritt in die richtige Denkrichtung – sofern man sich nicht dem klerikalen Pöbel und seiner Kunde der gottgewollten Unterwerfung der Erde anvertraut; was viele vielleicht aus Bequemlichkeit so halten mögen und wenige aus Verzweiflung.

        • Lustig … ;-) … ich weiß zwar nicht, weshalb Schellack dem Tabak beigemengt wird und an welcher Stelle der Produktion – aber so gesehen, dürfte man auch keine Bücher lesen, solange die aus Baum gemacht werden; auch diese werden ‚gezüchtet‘ und die darauf lebenden Tiere züchten wir mit und rauben ihnen bei der Ernte den Lebensraum…
          Vernunft ist nie falsch, auch wenn es um Schildläuse geht – denen ja nichts weggenommen wird: sie sterben einfach am Ende ihres Lebenszyklus.
          Vielleicht hat ja auch eine Orange Rechte. Sie schmeckt trotzdem gut. Astronautennahrung nicht und auch der Weizen bricht in Panik aus, wenn der Mähdrescher kommt – angeblich … ;-)

    • Vegane Zigaretten ?? Was soll das sein ? Tabak, der nicht in Milch getaucht wird vor der Verarbeitung ? Eine neue Art der Abzocke wie „Alles Bio“ und „Bio-Freilandeier“, deren Legerinnen zu tausenden auf Stangen vegetieren und sich auf die Wiesen, rein rechnerisch flächenausreichend pro Kreatur, jedoch ohne Deckung, gar nicht ‚raustrauen, aus dem Kobel ?

  3. Wenn Sie diese Frage aufwerfen, erklärt dies nicht den Ihrer Meinung nach inkompatiblen Zusammenhang zwischen Veganern, die auch Raucher sind. Aber ja: unsere Gesellschaft akzeptiert Kollateralschäden und ich bin, als themenrelevantes Beispiel, eines ihrer seelischen Opfer: Ich bin seit meiner Kindheit von Aasfressern umringt – denen ich ihre Fleischeslust ebensowenig vorwerfe da sie es nicht besser gelehrt bekamen, wie ich auch als ehemaliger Raucher nicht zum aggressiven Nichtraucher mutierte, wie es ab und an der Fall ist. Immerhin finden Nichtraucher mittlerweile Anklang mit ihren sozialen Nöten, Veganer haben noch einen weiten Weg vor sich wie man liest: sie werden im Zusammenhang mit Rauchern genannt, mit denen sie nicht das Geringste gemein haben…

      • Schrieb ich es nicht bereits ? Veganer lehnen es ab, „Nutztiere“ zu benutzen, genauer gesagt deren „Produkte“ – die wir nur regelmäßig konsumieren können, wenn wir die Lieferanten gefangennehmen. Offenbar kann der menschliche Organismus gut mit veganer Lebensweise umgehen, denn in Indien leben sehr viele Menschen so, erklärte Buddhisten anderswo ebenfalls und dies mitunter durchaus auch lange.
        Falls Ihre Animosität gegenüber Mme Chef von einer persönlichen Abneigung herrührt, kann ich dies gut verstehen – tatsächlich ist es Mode in schickimickinahen Kreisen, zumindest ‚ziemlich‘ vegan zu leben, jedenfalls für den Moment. Und ohne entsprechend verinnerlichte Philosophie – wollten Sie im Grunde darauf hinaus ;-?

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