Winter

Kalt ist es geworden, der Winter ist da, wenn auch etwas später als hierzulande üblich. Mit ihm sind die dramatischen rot-blauen Sonnenaufgänge zurückgekommen. Beim geschätzten Blognachbarn am See hat es schon geschneit. Die Menschheit teilt sich in solche, die sich auf Weihnachten freuen und solche, für die es der blanke Horror ist. Ich kenne beides. Früher war der Advent in meiner Familie eine schlimme Zeit voller Sorgen und Streit.

Die Familie plant die alljährliche vorweihnachtliche Fahrt ins Elsass. Ich habe eigentlich keine Lust, aber der Frau Mutter ist es ein Herzensanliegen. Inzwischen ist sie so alt, dass jedes Weihnachtsfest das letzte sein könnte.

Ich schmücke einen Adventskranz mit weißgoldenem Band und stecke die vor Jahren von meiner Mutter für irgendeinen Basar gebastelten (und übriggebliebenen) Fröbelsterne mit Nadeln hinein. Das hält, weil der Körper des Kranzes aus Stroh ist. Rundherum stelle ich kleine Gläser mit Teelichten. In die Mitte kommt ein Keramikherz, ebenfalls ein Basarüberbleibsel.

Fürs Büro backe ich Zitronenherzen und Zimtsterne. Keine Bethmännchen dieses Jahr, die mache ich für die Familie. Für Zimtsterne braucht man Zimt. Wie jedes Jahr fällt mir das erst kurz vorm Kneten des Teigs ein. Ich habe Zimt, ich habe immer Zimt, nur wo? Während ich mich – wie jedes Jahr –  frage, ob Curry vielleicht auch geht, fällt mein Blick auf ein unscheinbares Töpfchen ganz hinten im Küchenschrank. Das werte Kollegium muss also doch keine Currysterne essen.

Bald muss ich die Pflanzen auf dem Balkon abdecken. Noch blühen Astern, Bartnelken und Nachtschatten.

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