46. Woche

In der 47. Woche des Jahrs 2018 habe ich mit den Wochenmäandern begonnen, nun soll damit Schluss und wieder Raum für Anderes sein. Tagebuchbloggen heißt ja auch: um sich selbst kreisen. Mitunter braucht man das für eine Weile, aber zu viel davon macht dumm und einseitig.

Montag ist Kinotag. Von meinen Münchner Lieblingskinos gibt es nur noch eins, nämlich das Theatiner-Filmtheater. Gehen Sie hin, so lange Sie noch können. Am Montag kostet es nur 7,00 Euro, und zwar auf allen Plätzen. So bin ich zum ersten Mal zu einem Logenplatz gekommen, der mir sehr zugesagt hat. (Ja, das hier ist Werbung. Werbung, für die ich nichts bekomme.)

Meine Mutter erzählt weitere Brocken der Familiengeschichte. Vom einen Großvater, der den Mund nicht halten konnte, und von der Großmutter, die ständig Angst hatte, dass er „abgeholt“ würde. Von den anderen Großeltern, die sich „arrangierten“. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit dem Freund, der kein Freund ist. Er – selbst Jude – sagte, er könne jederzeit nach England oder Israel ausreisen, und mir wurde klar, dass ich das nicht können würde, denn das hier ist das Land, für das ich verantwortlich bin, und ich müsste im Fall des Falles den Nazis hier etwas entgegensetzen.

Mein Internet ist kaputt: Anderswo bekommt eine Bloggerin böse Mails, weil sie auf ihrem Blog fröhlich verkündet, sie sei zum dritten Mal schwanger. Natürlich ist Überbevölkerung ein Problem, aber irgendwo muss einmal Schluss sein mit der Einmischung in anderer Leute (Privat-)Angelegenheiten.

In der Hypo-Kulturstiftung kanadische Impressionisten. Bekannt erscheinende französische Landschaften, aber auf eine andere Weise gesehen. Dann, nach der Rückkehr nach Kanada, viel Winterliches. Besonders schön ist eine in kräftigen Farben gemalte Szene vor einer Kirche: Gottesdienstbesucher_innen machen sich mit Pferd und Wagen auf den Weg nach Hause. (Es könnte auch Pferd und Schlitten gewesen sein, wenn ich es recht bedenke.) Mein Blick auf den Impressionismus hat sich erweitert.

Ich buche Urlaub an der Nordsee, und meine Sehnsucht nach dem Meer nimmt so überhand, das ich sogar das „Sealife“ in unserer kleinen Stadt besuche. Das Acquario in Trieste hat mir seinerzeit besser gefallen, aber ich weiß natürlich nicht, wie es da heute aussieht.

Beim Tanzen gibt es diese Tage, an denen es an allen Ecken des älter werdenden Körpers ziept. Es gibt aber auch die Tage, an denen man zwar körperlich an Grenzen stößt, aber trotzdem am Ende eine runde, harmonische Sequenz entstanden ist. Vielleicht hat es beim Tempo oder an der technischen Präzision gehapert, aber der Gesamteindruck ist besser, als man es sich noch zugetraut hätte. Kommt vor. Diese Woche zum Beispiel. Sie sehen mich innerlich grinsen. (Einen Tag später grinse ich nicht mehr, als ich Tientos und eine Farruca sehr verunstalte. Es geht eben nicht immer gut aus.)

Gegen Ende der Woche versinke ich in den Bildern von Anthonis van Dyck. Außerdem sehe ich einen wunderschönen kleinen heiligen Sebastian von Georg Petel, den ich bis dahin nicht kannte.

Wiedergelesen:

Margaret Atwood, Il racconto dell’Ancella (The Handmaid’s Tale, übersetzt von Camillo Pennati, in Triest gekauft während meines Auslandssemesters)

Gesehen:

Porträt einer jungen Frau in Flammen, von Céline Sciamma, im Theatiner-Filmtheater

Im Netz gefischt:

Die Conteuses. Märchenautorinnen in Frankreich.

Gehört:

Die Zuhälterballade

8 Gedanken zu „46. Woche

  1. Schwangere Bloggerin: Wer ein Blog schreibt, so wie du, die schwangere Bloggerin, ich – und viele andere – macht sich in gewisser Weise öffentlich, ja, man kann fast sagen, wir wären Exibitionisten. Blogs, in denen das Private außen vor bleibt, sind langweilig. Wir alle schauen doch gern mal durch das Blogschlüsselloch und gucken, wie das bei den anderen so ist.
    Wir müssen dann auch vertragen können, dass wir zur Zielscheibe werden und die Stärke besitzen, uns zu behaupten. Ich haben in den vielen Jahren des Bloggens viele Blogs kommen und gehen sehen, gehen meistens deshalb, weil sich die Bloggerinnen, es handelte sich immer um bloggende Damen, den Angriffen nicht länger aussetzen wollten. Auch ich als schwuler Mann werde ab und zu auf übelste beschimpft. Es ging sogar so weit, dass ich das Landeskriminalamt eingeschaltet habe. Ich lasse mich deshalb aber nicht einschüchtern. Wir haben alle eine Stimme, die wir mit dem Blog einsetzen können – egal wofür oder wogegen. Einmischung in meine privaten Angelegenheiten weiß ich abzuwehren. Ich habe mich auch schon mit einer Bloggerin überworfen, weil sie meine Meinung, über die ich im Blog schrieb, nicht tolerierte. Wem meine Themen und meine Meinung nicht passt, der darf gerne wegbleiben.

    • Wer sich ins Internet begibt, kommt darin um, habe ich vor Jahren einmal irgendwo gesagt. Damit muss man leben, oder man lässt es bleiben. Ich kommentiere es mitunter, wenn es mir zu bunt wird.

  2. „bekommt Bloggerin böse Mails, weil sie auf ihrem Blog fröhlich verkündet, sie sei zum dritten Mal schwanger“ – das ist schlimm schlimm schlimm!!!

    • Ich will keinem und keiner ihre Meinung nehmen, aber manchmal ist Schweigen doch Gold. Man kann sich engagieren für Projekte, die einen besseren und klügeren Umgang mit unseren Ressourcen anstreben. Was mir widerstrebt, sind persönliche Angriffe.

      • Da haben Sie Recht! Und umwelttechnisch gibt es wahrlich andere Baustellen. Es ist sehr unsensibel und nicht fein, jemanden anzugehen, weil er schwanger ist. Ich finde diese Entwicklung sehr sehr schlimm.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.