40. Woche

An dem Tag der Woche, an dem ich noch müder bin als an den anderen, kaufe ich gelbrote Rosen und Rosétrauben. Die Trauben lege ich zu den violetten Pflaumen in die blaue Schüssel, den Rosenstrauß stelle ich dahinter. Fotografieren kann ich das Ganze nicht, Sie müssen es sich schon selbst vorstellen.

Der erste Oktobertag ist golden. Auf einem Spaziergang durch Obergiesing entdecke ich einen Balkon, in dessen Blumenkästen Plastikpflanzen stehen. Man kann das von der gegenüberliegenden Straßenseite erkennen. Wer, um Himmels Willen, tut so etwas?

Auf Seite 206 der E-Book-Ausgabe von Saša Stanišićs „Herkunft“ gabelt sich der Weg der Erzählung. Tagelang kann ich mich nicht entscheiden, welche Richtung ich einschlagen soll. Ich nehme deshalb ein längst ausgelesenes Buch noch einmal in die Hand. So geht es mir oft: wenn mir etwas besonders gut gefällt, will ich nicht, dass es aufhört. Lieber lege ich eine Pause ein und lese zwischendurch etwas anderes.

Der beste Ex der Welt besucht mich. Für eine offene Frage in meinem Leben hat er eine Antwort, die schlimmer ist als die Frage. So ist das mit dem besten Ex der Welt: er ist intelligent, aber manchmal nicht klug.

Eine Dame saust mit wehendem Haar und Rock auf einem E-Roller vorbei. Auch ein älterer Herr versucht das Rollern,  erst zögerlich, dann mit breitem Grinsen. Manchmal darf man sie auch mögen, die Höllenmaschinen.

Auf einem Grabstein sitzt ein etwas mürrisch blickender Engel mit lässig im Nacken verknoteten Kopftuch. Das Kopftuch ist mit Ähren sowie Mohnblüten und -kapseln verziert. Aus einer gewissen Entfernung sieht es aus, als säße da nicht ein Engel, sondern ein Teufel mit kleinen Hörnern. Ein paar Schritte weiter ist das Grab einer neunzehnjährigen Lehramtskandidatin. Das Grab stammt aus einer Zeit, als Lehrerinnen nicht an Universitäten, sondern an Lehrerinnenseminaren ausgebildet wurden. Schade, dass sie keinen Engel bekommen hat.

Neben der Tankstelle sitzt eine Dame auf den Steinen, vielmehr auf einem Stein, und trinkt Tankstellenkaffee aus einem Pappbecher. Sie sitzt da  häufiger, wenn es nicht regnet, wobei es nicht klar ist, ob sie nur auf einem Stein oder tatsächlich „auf den Steinen“ sitzt.

Man kann einen Menschen anscheinend auch noch fast drei Jahren vermissen und gleichzeitig unendlich wütend auf ihn sein. Oder auf sie.

Im Netz gefischt:

„Denn der tatsächliche Unterschied ist lediglich: der Mann bekommt ein Gehalt ausgezahlt und die Frau nicht. Es arbeiten aber beide.“ Das nuf über die Hausfrauenehe.

Frau Lotter reist nach Amerika. Aus Gründen. (via @mannigfaltiges auf twitter)

Flamencotänzerinnen können alles tanzen, sogar Eintopf. Das ist das Schöne daran: es gibt nichts, was man nicht tanzend kommentieren könnte.

Gelesen:

Die letzten Seiten von Saša Stanišić, Herkunft, und den Anfang von Friederike Manner, Die dunklen Jahre. Parallel dazu: Carolyn Slaughter, Die Unberührbare.

4 Gedanken zu „40. Woche

  1. Plastikblumen im Balkonkasten. Wer weiß, wer weiß. Manche Menschen haben so ganz eigene Welten im Kopf und zelebrieren die dann auch…
    Gruß von Sonja (mit Interesse und Wärme alles gelesen)

  2. Pingback: Ein Samstag im Oktober – Geschichten und Meer

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