33. Woche

Die Woche beginnt mit heftigen Halsschmerzen.

In einen alten Blumenkasten pflanze ich Erdbeeren. Damit der Blumenkasten Platz hat und in der Sonne steht, räume ich den Balkon zum zweiten Mal in diesem Jahr um.

Meine Kundschaft wird des Mordes und der illegalen Entsorgung von Leichenteilen verdächtigt, und die Kriminalpolizei verlangt die Herausgabe der Akten seit 1984. Es gibt aber nur eine Aufbewahrungspflicht von zehn Jahren. Akten, die von anderen Abteilungen bearbeitet wurden, muss ich umständlich anfordern, und das nicht etwa auf dem kurzen Dienstweg. Die Korrespondenz dazu kann ich aber ohne weiteres ausdrucken. Datenschutz ist nicht immer logisch, jedenfalls nicht in der Firma.

Ich gehe schwimmen. Meine Technik ist miserabel,  aber zumindest bin ich nicht mehr die langsamste im Becken. Ein Herr wirft mir jedes Mal böse Blicke zu, wenn ich ihn überhole. Ich halte Ausschau nach einer Mitschwimmerin, die in früheren Jahren regelmäßig die „Extremsportler“ auf ihren Platz verwies (und der Platz war weit hinter ihr). Korpulent und nicht mehr jung, tauchte sie mit einem eleganten Kopfsprung ins Becken und kraulte dann scheinbar mühelos an halb so dicken und halb so alten Sportlern vorbei. Sie ist nicht da, dafür aber eine ältere Dame mit wunderschöner Rückenkraultechnik. Altersbedingt ist sie nicht mehr so beweglich, aber sie weiß offensichtlich, was sie da tut. Eine ehemalige Wettkampfschwimmerin?

Die Möwen sind nicht mehr da, fällt mir plötzlich auf. Ein paar Jahre lang waren Möwen im Viertel unterwegs. Nun scheinen die Krähen sie verdrängt zu haben, und die einzige, die mir etwas vom Meer erzählen könnte, ist aus Holz, sitzt auf meinem Balkon, und ihre Flügel drehen sich im Wind. Daneben blüht eine Sonnenblume.

Ich tanze Petenera und werde fast von einem im Ballettsaal herunterfallenden Spiegel erschlagen. So viel zur Legende über die Unglück bringende Petenera.

Den Feiertag verbringe ich zum größten Teil auf dem Sofa und kuriere endlich die Halsschmerzen vom Montag aus.

Im Netz gefischt:

Machs gut.

Bäume pflanzen zum Tag der deutschen Einheit.

Hummer und Eva.

Gelesen:

Regina Scheer, Gott wohnt im Wedding (eine Empfehlung von Blognachbarin Juna)

 

5 Gedanken zu „33. Woche

  1. Danke für die Verlinkung! Ich habe mal ein bisschen abgewartet und ausgewertet: Etwa die Hälfte der Gesamtzugriffe auf den Post kam von hier (wie viele dann tatsächlich den Post gelesen haben, weiß ich allerdings nicht; der Titel hilft ja nicht unbedingt weiter). Das heißt, dass die Leserinnen hier überdurchschnittlich neugierig sind und der Blogautorin bei der Auswahl der Links vertrauen.
    Liebe Grüße, Andreas

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