32. Woche

Statt eines Wochenmäanders eine Geschichte aus den Dörfern hinter dem Wald:

In einem Dorf, sehr weit entfernt von der Welt, wie wir sie kennen, lebten einst zwei Cousinen. Die eine war dunkel und schweigsam wie ein Wald, die andere aber glitzernd wie ein Bächlein, das über Steine springt. Beide mussten in lieblosen Ehen leben, und beide verliebten sich in verheiratete Männer. Eine Zeit lang oder auch ab und zu wurden sie beide geliebt, aber natürlich ist die Liebe außerhalb der von Sitte und Anstand gesetzten Grenzen in den Dörfern nicht gerne gesehen. Die dunkle Cousine leugnete die Vorwürfe nicht, denn sie waren ja wahr. Sie gab jedoch zu bedenken, dass ein Handeln wie ihres in den Dörfern nicht ungewöhnlich sei und dass die Nachbarn besser vor ihren eigenen Türen kehren möchten. Die Glitzernde aber klagte den Nachbarn ihr Leid, das sie ja größtenteils – genau wie die Dunkle – selbst über sich gebracht hatte. Dabei vergaß sie nicht, anzudeuten, dass ihre Cousine die größere Sünderin sei und sie selbst nur ein armes verführtes Menschenkind. Froh über eine derart eindeutige Situation bestrafte das Dorf die Dunkle, wie nur Dörfer strafen können. Der Glitzernden verzieh man. So geht es zu in den Dörfern hinter dem Wald, und vielleicht auch anderswo, wer kann das wissen? Was wir aber wissen: wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe.

Ein bisschen Werbung für Twitterbruder @SolTight: Gehört habe ich diese Woche zumindest die ersten dreißig Minuten hiervon.

Im Netz gefischt: Familie Fundevogel  beim CSD.

Simone in Weimar.

Aus den Karpaten.

Wiedergelesen: Kishwar Desai, The Sea of Innocence

Fertiggelesen: Kenah Cusanit, Babel