Ein Samstag im August

alltag-001-2018

(nach einer Idee von Ulli)

Ich wache zu früh auf, mag aber nicht wieder schlafen gehen. In der Nacht habe ich Twitter gelesen. Der gesunde Volkszorn ergeht sich in Schuldzuweisungen. Auch lese ich die #twomplet vom Vorabend nach. Das tue ich nicht täglich, und manchmal muss ich lächeln, wenn mir wieder einmal der Unterschied zu den vergleichsweise gottlosen Pfarrern meiner Kindheit auffällt. Wirklich gottlos waren diese Pfarrer sicher nicht, aber sie vertraten die Sache Gottes unter Bauern, die sich viel mehr dafür interessierten, warum ihres Nächsten Ochse ein schiefes Horn hatte als für die Predigt. So entwickelten die Pfarrer mit den Jahren eine gewisse handfeste Toleranz für die Sündhaftigkeit ihrer Gemeindemitglieder.

Die Müdigkeit überfällt mich schon am Vormittag wieder und ich schlafe knapp zwei Stunden, vollständig angezogen auf dem ungemachten Bett. Dann gieße ich die Balkonblumen, die es bitter nötig haben. Der Jasminblütige Nachtschatten bekommt wieder Knospen. Er hatte  schon Ende Mai welche, aber dann kam eine urlaubsbedingte Dürreperiode. An meinen Balkonpflanzen mag ich besonders, dass sie einfach nicht aufgeben. Trockenheit, Überschwemmung und generell schlechte Pflege beeindrucken die kein bisschen.

Ich tanze Flamenco und stelle fest, dass ich Kraft aufbauen muss. Wie ich das schaffen soll, wenn ich so wenig Energie und Zeit habe, weiß ich nicht. Am frühen Abend koche ich Nudeln mit Pesto Calabrese. Dazu gibt es ein Glas Wein, das erste seit vielen Monaten.

Gerade bin ich sehr lesefaul, dabei lese ich parallel und  halbherzig an zwei Büchern herum, Näheres dazu vielleicht im nächsten Wochenmäander.

Am Abend höre ich Antonio Campos por Tangos. Wenn ich mich nicht täusche, beginnt er mit Tangos de Triana und schließt mit einem Tango de Málaga ab, aber das muss ich mir noch einmal genauer anhören.

Über allem hängen düstere Gedanken, und meine Texte bleiben ungelenke Fragmente.

12 Gedanken zu „Ein Samstag im August“

  1. Jasminblütiger Nachtschatten klingt sehr interessant. Duftet er wie Jasmin? Ich bewundere meine Pflanzen auch sehr, sie bekommen immer entweder zu viel oder zu wenig Wasser. Manchmal nehme ich ihnen allerdings übel, dass sie immer dann blühen, wenn ich nicht da bin und jemand anderer gießt.

    1. Kennen Sie den Begriff der „Angstblüte“? Mir drängt sich der Verdacht auf, die Menschen, die Ihre Pflanzen giessen sollen, tun dies nicht so häufig, wie sie sagen.

  2. Wenn es bei dir so dauerhaft warm bis heiss ist wie bei uns, dann würde ich sagen, die Sommerträgheit hat dich erfasst, mach es wie die Eidechse, lasse dich so lange durchwärmen, bis du wieder flitzen kannst!
    Liebe Grüsse
    Ulli

        1. Der „gesunde Volkszorn“ ist, glaube ich, ein Begriff, der im NS-Staat gerne verwendet wurde, um das Verbrecherische bestimmter Aktionen zu verschleiern, indem man behauptete, das Volk habe seinem gesunden Zorn Ausdruck verliehen. Ich habe den Begriff hier natürlich im übertragenen Sinne verwendet.

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