Ich kannte sie. Kannte ich sie?

Bitte nehmen Sie diesen Text cum grano salis. Ich bin erleichtert und wütend zur gleichen Zeit. Der Text ist pure Emotion. Eine Momentaufnahme vom 01. und 02.06.2019.  Für Fehler, Irrtümer und Unlogisches bitte ich um Entschuldigung. Falls Sie kommentieren oder mir eine Mail schicken möchten, werde ich eventuell erst nach dem 14.06.2019 reagieren können. Eigentlich habe ich ja schon Internetpause. 

Dies schrieb ich auf Twitter, und ich stehe dazu.

https://twitter.com/mardecuentos/status/1134546563441876994

Ich bin nicht frei von Schuld, vor allem nicht in dieser Angelegenheit.

Wir alle verfremden im Internet, wenn uns unser Privatleben lieb ist. Wir verfremden, um uns selbst, aber auch um die handelnden Personen zu schützen. Die meisten von uns setzen sich dabei jedoch selbst Grenzen.

Da sind so viele Erinnerungen, schöne und schlimme.

Wie wir einander durch unsere Blogs kennen lernten.

Wie wir anfingen, einander auch private Mails zu schreiben. Der Mailwechsel wurde von ihr angeregt, aber ich ging gerne darauf ein. Ich mochte sie.  Die Geschichten, die sie mir in ihren Mails erzählte, widersprachen manchmal denen, die sie bloggte. Ich nahm das als dichterische Freiheit hin. Auch die gebloggten Geschichten passten mitunter nicht zusammen. Aber das passiert nun einmal beim Bloggen, auch hier bei mir. Ein Blog ist subjektiv, und subjektive Sichtweisen können sich ändern. Oder man verfremdet, und vergisst, was man wo und wie verfremdet hat.

Wie wir uns erinnerten. Die Synagoge und die Reformierte Kirche im Westend, die letzten Pelzhändler im Bahnhofsviertel, einzelne jiddische Wörter, und von wem ich sie gelernt hatte.

Aber auch, wie ich falsche Töne in ihren Mails zu hören begann. Wie ich eines Tages auf ihrem Blog einen Text las, der in Stil und Thema sehr den Texten ähnelte, die ich zu der Zeit schrieb. Wie ich Magenschmerzen bekam und mir der Schweiß ausbrach. Wie ich mich fragte, ob das ein beabsichtigtes oder unbeabsichtigtes Plagiat war. Oder ob es überhaupt eins war. Und zu keinem Ergebnis kam. Oder jeden Tag zu einem anderen.  Wie ich Texte voller böser Seitenhiebe veröffentlichte und wieder löschte. Wie ich den Kontakt abbrach. Wie sie mir eine letzte Mail schrieb, im Ton einer höheren Tochter, die eine Untergebene zurechtweist.

Wie ich erst einzelne Texte, dann mein ganzes Blog löschte.

Wie ich das Gefühl hatte, nicht mehr schreiben zu können. Wie ich mich trotzdem zum Schreiben zwang, in einem anderen Stil, und wie schlecht meine Texte wurden.

Wie sie irgendwann ihren eigenen Stil fand und Bloggerin des Jahres 2017 wurde.

Wie ich ihr Blog weiterhin las und an mir selbst und meiner Wahrnehmung zweifelte. Wie ich die böse Hexe von Klein-Bloggersdorf wurde. Wie ihre Freundinnen mitunter mein Blog und meinen Twitteraccount heimsuchten, scheinbar in aller Unschuld. Wie es jedes Mal unmittelbar danach Zugriffe aus Irland gab. Wie ich Ihnen, meinen Leser_inne_n, misstraute.

Wie ich anfing, nachzuforschen. Nicht in Bezug auf ihre angeblich jüdischen Vorfahren. Die Geschichten glaubte ich ihr. Aufs Wort. Denn wer würde so etwas erfinden?

Wie der Tierarzt starb und mir ein Satz durch den Kopf schoss, den ich irgendwo einmal gelesen hatte, bezogen auf eine Autorin und deren Romanfigur: „She killed him off conveniently.“ Ich kenne das Dorf, wo sie angeblich lebte, und ich kenne das Nachbardorf, wo sie vielleicht tatsächlich lebte. Wie ich keinen Nachruf, keine Todesanzeige und keinen Hinweis auf eine Messe für den Tierarzt fand. Wie ich mich selbst zur Ordnung rief und mir sagte, dass ich wahrscheinlich an der falschen Stelle suchte. Wie ich mir selbst das Suchen verbot und mich eine missgünstige Person schalt. Und überhaupt, steckt nicht in jeder Bloggerin ein wenig Sheherazade? Und was ging es mich überhaupt an? Edit vom 15.06.2019: Anscheinend hat jemand einen Beleg für die Existenz des Tierarzts gefunden. Ist mir auch Recht.

Wie das moralische Ross, auf das sie sich setzte, immer höher wurde.

***

Am 24.05.2019 gab es laut meiner Blogstatistik nach langer Zeit wieder zwei Zugriffe aus Irland. Am Tag zuvor schien wieder jemand etwas gesucht zu haben.

Am 31.05.2019 explodierte Twitter. Hier eine Zusammenfassung.

Ich mochte sie. Ich mag sie, glaube ich, noch heute. Gestern war da ein Impuls, der Impuls, sie in den Arm zu nehmen und zu fragen, was um Himmelswillen da eigentlich los war. Aber ich werde das nicht tun. Sie hat mich einmal manipuliert und sie ist intelligent genug, es wieder zu tun. Edit vom 03.06.2019: Nein. Gerade habe ich den Artikel im Spiegel noch einmal und mit mehr Ruhe gelesen. Da fiel mir eine kleine, unbedeutende Information auf, so klein und unbedeutend, dass Herr Doerry da gar keinen Fehler gemacht haben kann. So unbedeutend die Information ist, widerlegt sie doch eine Mail, die Marie-Sophie mir einmal schrieb. Und wirft ein sehr spezielles Licht auf ihren Charakter. 

Edit vom 15.06.2019: Wenn ihr Blog ja „Literatur“ war, was waren dann ihre Mails an mich? Ich habe inzwischen Grund zu der Annahme, dass sie auch in ihren Mails gelogen hat, dass sich die Balken bogen. Leider habe ich die Mails nicht mehr.

Warum hat sie das getan, fragt man sich allenthalben. Ich habe während unseres Mailwechsels einen fröhlichen, liebenswürdigen, intelligenten und gebildeten Menschen kennengelernt, aber auch ein kleines Mädchen, das verzweifelt nach Anerkennung und Zuneigung suchte. Ich vermute, das ist es, was sie wollte. Anerkennung und Zuneigung. Wollen wir das nicht alle?

Ich glaube, irgendwann werde ich auch wieder schreiben können.

Edit vom 15.06.2019: Würde ich sie wieder lesen, wenn sie wieder bloggen würde? Vermutlich. Sie hat einen sehr eigenwilligen und reizvollen Schreibstil. Wenig präzise, nicht sehr sauber formuliert, ein gewisser Hang zum Kitsch, aber hübsch anzusehen. Die leichte Muse hat ja auch ihre Berechtigung, und wer liest nicht heimlich ab und zu Joanne Harris und Isabel Allende? Würde ich noch einmal ein Wort mit ihr wechseln? Nein. Ich fühle mich (was unseren privaten Kontakt betrifft) belogen, benutzt und verraten. 

 

 

 

35 Gedanken zu „Ich kannte sie. Kannte ich sie?

    • Die Lehre, die ich daraus ziehe: mich nicht mehr so schnell und so heftig begeistern zu lassen. Ich bin ja auch alt genug, um zu schauen, bevor ich springe. Das sollte ich mir wirklich einmal angewöhnen.

      • Es war aber auch sehr verlockend und psychisch kranke Menschen haben ja oft eine enorme Strahlkraft

      • Ich war weniger nah dran, aber emotional doch sehr nah. Und ja, auch ich ziehe diese traurige Lehre: Mich nicht mehr so ganz, mit Haut und Haar, zu begeistern. Es tut weh, so verarscht worden zu sein. Danke für diesen liebevoll-fairen Text.
        (Das ganze Misstrauen hatte ich nicht und eine weniger lange „Vorgeschichte“ als du.)

  1. Puh. ich bin so sehr ratlos .. und ja, schöne mich auch, dass ich das alles so gern glauben wollte und maximal literarische freiheit/Verwendung vermutete und ansonsten … eine unangreifbare Person. es tut mir leid, dass ich so schwarzweiße gedacht habe.

  2. Die dichterische Freiheit ist nicht das Problem, sondern dass sie immer darauf beharrte, dass alles wahr sei, sich sogar lange mit dem Brief einer Kritiker auseinandersetzte. Das enttäuscht die Menschen wahrscheinlich.

    • Ja. Der „dunkle Brief“. Einige haben ja wohl gedacht, der sei von mir, aber so ein schlechtes Deutsch schreibe ich wahrscheinlich nicht einmal im Zustand der Volltrunkenheit.

  3. Ich schlucke gerade ganz gewaltig.
    Ich bin Read on my dear, read on seit ca. einem Jahr gefolgt und habe teilweise auch ältere Artikel gelesen, allerdings nur die deutschsprachigen.
    Ich war begeistert von ihrer Sprache, ihrer Wortgewandheit, ihren Bildern und habe das auf meinem Blog und in Kommentaren ja auch so kundgetan. Ich fühlte mich geschmeichelt, als sie einen Text von mir verlinkte, mit dem skurrilen Ergebnis, dass der mit Abstand meistgelesene Artikel von mir von Wespen handelt.
    Ich war nicht nur begeistert, ich war auch neidisch, bestimmt nicht auf Holocaustgeschichten und einen todkranken Freund, ich war neidisch so schreiben zu können, so sehr, dass ich bei Texten von mir merkte, o je, ich fange an sie nachzuäffen und das wird nicht gut gehen, das wird bestenfalls peinlich.
    Und nun lese ich, was Ihnen widerfahren ist
    Dass nicht alles auf Frl. Read Ons Blog wortwörtlich zu nehmen war, dass alles gar nicht in ein Leben passte, dass da viel fabuliert wurde, merkten wohl die meisten.Aber es wirkte eben gut fabuliert, anrührend und auf anderer Ebene wahr.
    Ich bin auch davon ausgegangen, dass der Tierarzt an etwas anderem starb, aber so ein Tierarzt und seine Angehörigen haben auch Persönlichkeitsrechte dachte ich mir, an seiner Existenz zweifelte ich nicht.
    Auch nicht an der jüdischen Großmutter, die als guter Geist über dem Blog schwebte.
    Wie Sie sagen, wer sollte so etwas erfinden?
    Und wer sollte Ihnen Ihr Schreiben zerstören?
    Dunkle Fragen.
    Ja und auch bei mir der Wunsch das Fräulein zu trösten, denn ein bisschen Ahnung vom Sog des erfundenen Seins habe ich, vielleicht war es gut, dass mein jüngeres Ich nicht bloggen konnte, aber dazu vielleicht ein andern Mal mehr bei mir..

    Natalie

    • Sie sprechen etwas Wichtiges an, und ich würde es nicht „nachäffen“ nennen. Man liest Texte, man wird davon beeinflusst. Ich habe einmal ein Semester lang fast nur Texte von Daniele del Giudice übersetzt. Im nächsten Semester machte mich eine Dozentin darauf aufmerksam, dass ich Italienisch im Stil von del Giudice schrieb. Dabei gefiel mir der Autor nicht einmal. In meinen großzügigen Momenten denke ich, dass das „Plagiat“ vielleicht gar nicht beabsichtigt war. In anderen Momenten traue ich es ihr durchaus zu. Ich finde Ihr Blog übrigens wunderbar.

  4. Uff. Das ist heftig. Ich bin ja eine wenig Schreiberin und viel zu selten Blogleserin, das bringt mein Leben im Moment einfach mit sich. Aber selbst ich kannte ihre Texte und folgte ihr auf Twitter. Anfangs war ich beeindruckt, insbesondere von der Geschichte mit der Aufklärungssprechstunde. Ich war auch beeindruckt von den irischen Geschichten, von ihrer Wortgewandtheit.
    Merkwürdigerweise hörte ich aber relativ bald auf sie zu lesen. Es gab eigentlich gar keinen konkreten Grund, außer dem unbestimmten Gefühl, dass das alles doch irgendwie zu sehr „over der top“ ist, auch für eine weitgehend erfundene Geschichte. Von Letzterem bin ich wie selbstverständlich ausgegangen; dass sie es alles für Wahrheit verkauft hat, habe ich jetzt erst im Zusammenhang mit dem Bekanntwerden des Betrugs erfahren. Ich habe mir aber keine weiteren Gedanken gemacht. Ich finde in diesem Zusammenhang die Erkenntnis bitter, dass ich es immer als große Freiheit empfunden habe, im Internet mit Identität spielen zu können. Facetten ausleben zu können, die sonst eher keiner kennt. Diese Freiheit wird ohne hin immer mehr infrage gestellt (Stichwort Überwachung) und Vorfälle wie diese werden noch mehr dazu beitragen, dass das Internet ausschließlich als ein verdächtiger Ort von Lug und Trug begriffen wird. Dass das Spielen mit Identität letztlich immer eine Lüge sein muss. Von den restlichen Folgen, die Sie hier so eindrucksvoll geschildert haben, einmal ganz abgesehen. Ich kann das verstehen, ich wäre vermutlich genau wie Sie in diese Geschichte hinein geraten. Und ich finde, es ist ein deutlicher Unterschied, ob man gelegentlich Biografie und Erlebnisse ein wenig verfremdet, um Beteiligte und sich selbst zu schützen – oder ob man so agiert, wie sie es getan hat. Manipulativ und erfundene Geschichten als Wahrheit verkaufend.

  5. Ich habe auch Frl. ReadOn gerne gelesen, obwohl ich wusste, dass ihre Geschichten erfunden waren. Ich hielt das für literarische Freiheit und hiess es gut. Aber jetzt sieht es so aus, als ob ihre Geschichten nicht erfunden, sondern erlogen gewesen wären, und das ändert die Perspektive gewaltig. Und auch ich verstehe jetzt einige Ihrer Posts und Antworten auf die 1000 Fragen besser (bilde ich mir ein, hoffentlich liege ich diesmal richtig). Wieder eine traurige Geschichte aus dem Netz. Schade, enttäuschend, dass die Sachen, die zu schön sind, um wahr zu sein, es meistens auch nicht sind.
    Ich habe Frl. ReadOns Blog von hier aus entdeckt, über die Blogroll, nehme ich an, oder dem Link in einem Kommentar folgend. Jetzt kann ich nur hoffen, dass nicht der Eindruck entstanden ist, dass Leser dieser Blogs hätten sich für oder gar gegen jemand aufgestellt. Ich bedaure dabei den Vertrauensverlust und das Mißtrauen. Und die Bitterkeit. Tut mir leid. Schade.

    • Marie-Sophie und ich haben uns ja anfangs oft gegenseitig verlinkt. Das Vertrauen kommt wahrscheinlich so schnell nicht wieder. Ich denke auch nicht, dass sie ein schlechter Mensch ist, sondern einfach jemand, der eine Dummheit gemacht hat, die weitere Dummheiten nach sich zog, und der irgendwann nicht mehr aufhören konnte.

      • Ich habe dieser Tage, im Kontext mit Marie-Sophie, ein paar Mal über die Persönlichkeitsstörung Pseudologie reden hören. Und dass sie bereits Anfang Studium von ihrer jüdischen Verwandtschaft erzählt habe. Wie du oben schriebst: Vermutlich ist das alles nach und nach gewachsen. Und zu einem Paralelluniversum geworden.

  6. Jetzt nachträglich bin ich froh, Ihnen nicht entfolgt zu sein, damals als der Sturm durch Twitter ging. Das kam mir seltsam vor und ich wollte, ehrlicherweise, auch Sie nicht verletzen, in dem ich Anschuldigungen folge, über die ich nichts weiß. Aber ich hab ihr geglaubt, im Großen und Ganzen, man möchte an gute Menschen glauben, an gute Herzen und aufrechten Geist. Sie hat auch Gutes ausgelöst im Schlechten: dass ich mich oft hinterfragt habe, was ich tun kann, dass ich mir tatsächlich ein Beispiel genommen habe und Karten geschrieben habe, mich interessiert habe… aber das hätte auch mit der Wahrheit funktioniert, ohne das gestohlene Drama.

    Und ich bin vor allem ratlos. Ich bin froh, dass es herausgekommen ist, bevor der Plan, sie zu treffen, in die Tat umgesetzt werden konnte und größere emotionale Verwicklungen entstehen konnten. Es tut mir leid um all die Leute, die da schon drinstecken in den Verwicklungen. Und ganz irrational froh ist mein kleines emotionales Leserinnenherz, dass sie nicht auch noch dazu kam, die Mali-Tant sterben zu lassen…

    • Danke. Ich hatte mich schon gewundert, warum Sie und einige andere geblieben sind. Ich hätte mir gewünscht, dass man mich zu meiner Sicht der Dinge gefragt hätte, aber ehrlicherweise muss ich auch sagen, dass ich vielleicht gar nicht oder nur sehr schroff geantwortet hätte. Die Mali-Tant werde ich auch vermissen.

      • Die Mali-Tant, ja. Und die Auszubildende! Über die konnte ich immer lachen, ein weiblicher irischer Gaston Lagaffe.

  7. Pingback: Über Täuschungen | dame.von.welt

  8. Vielen Dank für diesen Einblick. Mich hat die Aufdeckung dieser Sache auch sehr mitgenommen, wobei ich noch nicht so richtig weiß, warum, aber das ist unwichtig. Viel interessanter finde ich, was Du hier (sicherlich aus Gründen) nur anschneidest, aber so viele Fragen aufwirft: Was für Zweifel waren das genau? Welche Widersprüche hast Du gesehen? Inwiefern unterschied sich die bloggende von der E-Mail-schreibenden Person? Welche Auseinandersetzung erlebtest Du auf Twitter wegen der Bloggerin? Ich verstehe, dass ich darauf wohl nie Antworten bekommen werde (es geht mich letztlich ja auch nichts an), und so bleibt mit Blick darauf, was wir von read on nun wissen, nur das Motto, das ich als Jugendliche immer zum besten gab, es ist von Karl Marx: An allem ist zu zweifeln!
    Nochmals Dank und alles Gute.

  9. Oh Verzeihung für meine unqualifizierte Äußerung unter ihrem Tweet. Ich hatte keine Ahnung…

    • Und das ist das größte Problem unserer digitalen Zeit: Keine Ahnung von etwas zu haben, aber auf jeden Fall eine Meinung.

      Als die Geschichte im SPON online ging, konnte man von der ersten Minute an ganz viele Tweets lesen, in denen Frau Hingst bedingungslos beigestanden wurde. Sogar mit der Aussage: „Ich habe den Artikel nicht gelesen, weil …, aber ich stehe auf der Seite von Frl. Readon.“ Und ich dachte: WTF ist mit solchen Menschen los? Blindes Vertrauen ist unglaublich gefährlich, vor allem, wenn man öffentlich gleich zu Fackeln und Heugabeln ruft!

      Ich habe mir den Artikel durchgelesen, war erstmal fassungslos und verunsichert, ob die Anschuldigungen wirklich in diesem Ausmaß stimmen. Dennoch klingelten gleich meine Alarmglocken, da mir auch schon (vor allem zeitliche) Unstimmigkeiten aufgefallen waren.
      Ich habe ihren Blog seit über vier Jahren mitgelesen und manchmal kommentiert. Natürlich waren einige Erzählungen so „drüber“, dass mir an diesen Stellen künstlerische Überspitzung/Freiheit sofort klar war, dennoch glaubte ich an ihre jüdische Vergangenheit und die Existenz des Tierarztes. Zumal ihre Antworten auf meine Kommentare keinen Zweifeln am von ihr Beschriebenem zuließen.
      Ich war am Boden zerstört, als er starb (oder besser gesagt: Sie ihn sterben ließ). Allerdings war fand ich ihre ständige und unglaublich ausgeprägte Opferhaltung/Duldungsstarre im Alltag doch ziemlich verstörend und für mich nicht wirklich nachvollziehbar.

      Jetzt ergab aber alles einen Sinn und das erste, was ich dachte, war, dass sie dringend professionelle Hilfe braucht. Dann wurde ich wütend. Wütend auf mich und dass ich auf sie reingefallen war, obwohl ich ein echt misstrauischer Mensch bin, der nicht alles glaubt, nur weil es so schön glitzert.
      Dennoch wollte ich erstmal abwarten, was noch alles öffentlich gemacht wird, wie sie dazu äußert und wie ihre anderen Fans reagieren, bevor ich mein Urteil fälle. Also habe ich vier Tage lang aktiv nach weiteren offiziellen Artikel, Kommentaren und Blogeinträgen gesucht, bevor ich meine endgültige Meinung bildete.

      Das hier ist mein erster Senf, den ich dazu abgebe. Und das nur, weil ich den Menschen allgemein dringend raten möchte, die ohne Ahnung zu haben, sofort ihre Meinung kund tun, erstmal alle verfügbaren Fakten zu checken, bevor sie jemanden verdammen, der Kritik an einem ihrer Lieblinge übt.

      FAKENEWS! schreit nämlich schon jemand anderes den ganzen Tag und macht sich damit gefährlich.

      • Liuea konnte nicht wissen, was der Hintergrund eines kryptischen Tweets war, den ich spontan und ohne nachzudenken herausgehauen habe. (Bitte keine Unterstellungen, Liuea ist hier sehr gern gesehen. Sie übrigens auch, wenn Sie mögen.)

        • Das sollte keine persönliche Unterstellung sein, sondern eine Reaktion auf ein extrem gehäuft auftretendes Phänomen, das mir in den ersten 2 Tagen nach Bekanntwerden des Betruges auffiel. Habe ich wohl nicht deutlich genug beschrieben.
          Tut mir leid, falls sich jemand deswegen auf den Fuß getreten fühlt, das lag nicht in meiner Absicht.

  10. 2 Zitate und 1 Gedanke dazu:

    Zitate „Wie sie mir eine letzte Mail schrieb, im Ton einer höheren Tochter, die eine Untergebene zurechtweist.“ …/… “ Wie das moralische Ross, auf das sie sich setzte, immer höher wurde.“

    Gedanken: „All diese Leute, die solche Familiengeschichten einfach erfinden, haben an sich, daß sie hochmoralisch, auf dem hohen Roß daherkommen, belehrend, höher, mit erhobenen Zeigefinger, zurechtweisend usw. usf.“

    Denn das ist kein Einzelfall, es ist eine Serie und das Schema ist immer dasselbe:

    http://schweizerzeitung.ch/hochstaplerin-marie-sophie-hingst-deutschland-hat-eine-weitere-kostuemjuedin/

  11. Das tut mir leid! Jetzt verstehe ich einige Einträge von Ihnen hier besser. Naja, natürlich nicht wirklich. Und das dann so etwas dabei herum kommt! Ich war hier bei Ihnen gelandet, weil ich eben gerne Geschichten mag und weil ich eben auch Alltagsgeschichten mag. Und deswegen werde ich auch weiter hier kommen, so lange Sie schreiben möchten. Weil ich eben sehr mag was Sie schreiben. Und es wäre so schön, wenn Sie doch wieder schreiben könnten! So richtig frei, ohne Repressalien von einer fehlgeleiteten Fan-Gemeinde zu fürchten.

  12. Durchgelesen, schon vorher davon gehört, und nun. ?.
    Schade
    Nur gar fester und feuriger Flamenco stampfen, vielleicht hilft`s ein wenig. Der Ärger, die Enttäuschung, all das Üble muss raus, sprach die Heilige Kuh. Wäre ich beteiligt gewesen, hätte ich wohl böses Nervenflattern. So geht`s, und ich pflanze weiter Zeugs im Garten, und lese hier weiter. Bessere Worte finde ich grad nicht.
    Gruß von Sonja

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