06. Woche

 Der Winter ist ein Maler und ein Schelm. Er tupft dicke Flocken auf einen fast weißen Himmel und malt den kahlen Bäumen weiße Blüten. Am Tag darauf zieht er eine strahlend blaue Leinwand auf und lässt davor Schnee und Eis wie Diamanten funkeln. Aber er schubst auch Schneebretter von den Dächern und verfehlt eine gewisse, zum Leichtsinn neigende Passantin nur knapp. Mal ist er grau und beißt in handschuhlose Finger, dann wieder zartrosa vom Sonnenaufgang. An solchen zartrosa Tagen lässt er sich schon mal vom Frühling ins Handwerk pfuschen, wobei der Frühling hierzulande ja eher zum langsamen Erwachen neigt. Ich kannte das anders und habe in diesen Landstrichen erst lernen müssen, dass nicht nur eine Schwalbe noch keinen Sommer sondern auch ein Schneeglöckchen noch keinen Frühling macht. Der Winter ist aber dieses Jahr nicht knickrig; besonders großzügig ist er mit der weißen Pracht. Er lässt die Sonne auf Bürofenster brennen, und ich denke mir, die müssten auch mal wieder geputzt werde. Hinter den trüben Scheiben warte ich auf Nachricht vom See.

Ich beende die Geschichte, wegen der der Risotto anbrannte und denke vage darüber nach, eine andere, die ich als Beitrag zu einer Anthologie eingereicht habe, wieder zurückzuziehen. Dann entscheide ich mich dagegen, denn vermutlich wird sie ohnehin und mit Fug und Recht nicht angenommen. Es hat schon seinen Grund, warum ich bloß Bloggerin bin und keine seriöse Autorin.

Auch denke ich über Blogs nach, über die subjektive und die objektive Wahrheit und auch darüber, was man besser für sich behalten hätte. Andere denken anders.

Den Twitter-Account stelle ich auf privat. An den sich ständig wiederholenden, freud- und fruchtlosen Diskussionen bin ich nicht mehr interessiert. Ich folge / mir folgen mehr als genug Leute –  ich weiß schon nicht mehr, wer wer ist. Ja, die Anzahl von 312 Followern ist lächerlich, aber eben doch schon zu viel für mich. Man unterhält sich ja tatsächlich nur mit wenigen, und ich bilde mir nicht ein, dass das, was ich twittere, irgendeine Wirkung auf irgendetwas oder irgendwen hat.

In die Blumenkästen werde ich Stinkelieserchen (Tagetes) pflanzen. Die blühen lange und die Bienen mögen sie auch. Es gibt anscheinend sogar essbare Arten. Die Tür quietscht wieder, nach all den Jahren. Quietschen ist ein seltsames Wort. Eigentlich müsste man es „Kwiiieeetschen“ schreiben.

Für Gedichte habe ich sonst nicht viel übrig, aber für dieses hier schon: In der Winternacht.

Im Zeitalter der Zugbindung kann man so kaum noch reisen, außer man möchte viel Geld ausgeben. Die Zeiten der Leichtfertigkeit sollen wohl vorbei sein, übrigens nicht nur beim Reisen. Oder wann haben Sie zum letzten Mal nicht auf ihre Sprache geachtet?

Ein Pfarrer, ein Zivi und Aids.

Frau Quercus kannte ich bisher nur durch ihre klugen Kommentare bei Herrn Ackerbau. Schauen Sie doch einmal hinein. Ich selbst habe leider schon wieder mehr auf meiner „Rolle“ als ich lesen kann.

Gelesen: Ursula Krechel, Shanghai fern von wo.

(Für dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, jede Woche ein mir bis dahin unbekanntes Buch zu lesen. Die Bücher der letzten Wochen habe ich in den jeweiligen Wochenmäandern nachgetragen. Die Einträge sind nicht in jedem Fall Empfehlungen, denn manchmal erwischt man  auch Bücher, die man bei näherer Betrachtung lieber nicht gekauft hätte. Irgendwelche Fragen zu den Büchern? Gerne per Mail an geschichtenundmeer@t-online.de) 

 

 

2 Gedanken zu „06. Woche

  1. Danke für den Hinweis auf meinen noch jungen Blog! Bei Dir lese ich gerne und schon lange, das Kommentieren klappte leider nicht. Warum sollte eine Bloggerin keine seriöse Autorin sein? Die Bandbreite dessen, was es zu lesen gibt, ist groß, ohne jede Wertung.

Kommentare (Bitte beachten Sie hierzu die Datenschutzerklärung)

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