Ein Samstag im Februar

alltag-001-2018

Ulli vom Café Weltenall will wissen, wie wir den ersten Samstag im Monat verbracht haben. Bitte sehr.

Um sechs Uhr wache ich auf und trödele herum bis um halb sieben. Draußen ist es noch stockdunkel, und es regnet. Ich mache Frühstück und trödele weiter herum. Auf dem Einkaufszettel fehlt noch der Joghurt. Ich lese, ich räume halbherzig auf, ich begutachte den Balkon und plane die Bepflanzung fürs nächste Jahr. Rosmarin, Thymian, Salbei und Oregano kommen ins Balkonregal. Zitronenmelisse, Pfefferminze, Liebstöckel und die Dattelpalme auf die Bank am anderen Ende. Eine zusätzliche Erdbeerpflanze muss ich bald beschaffen, denn die Mieze Schindler befruchtet sich nicht selbst. Bleiben die Sorgenkinder Lavendel, Johannisbeere und der jasminblütige Nachtschatten (Sommerjasmin). Nicht, dass sie nicht gedeihen würden, sie sind nur eigentlich selbst für meinen untypisch großen Balkon zu voluminös geworden, und ich traue mich nicht, sie allzu sehr zurückzuschneiden. Petersilie, Schnittlauch und Basilikum kommen in Töpfe, die ich ans Regal bzw. ans Paravent hänge. Allein zur Zierde möchte ich dieses Jahr Winden aussäen. Was in den Balkonkasten kommt, weiß ich noch nicht. Irgendwelche Vorschläge? Bienenfreundlich soll es sein, Hitze und Sonne muss es gut vertragen.

Auf dem Friedhof gegenüber haben Krähen offensichtlich Frühjahrsgefühle. Anscheinend leben sie von der Liebe, denn zur Futterschüssel auf meinen Balkon ist in letzter Zeit kaum mehr eine gekommen. Vielleicht gibt es auch anderswo besseres Futter, wer weiß.

Ich erledige die Wochenendeinkäufe, dann gehe ich in den Buchladen an der  Ecke und kaufe ein Geschenk für Schwesterherz. Wieder zu Hause angekommen, stelle ich fest, dass eine Unachtsamkeit bei einer anderen Transaktion  mich gut 60 Euro kosten wird. Die Bestimmung, die ich nicht beachtet habe, ist allerdings so absurd und fern jeglicher Logik, dass ich schlicht nicht darauf gekommen bin, dass sie existieren könnte. Ich verbuche es unter „Lehrgeld“.

Am Nachmittag gehe ich trainieren, wiederhole die Schritte von letzter Woche und eine alte Choreographie. Die Temperaturen sind ein wenig gestiegen und die Vögel singen.  Ich freue mich über kraftvolles, wenn auch nicht ganz tonreines Glockenläuten. Auf dem Heimweg streitet ein nicht mehr junges Paar  in derbstem Bayerisch über den Weg nach Giesing, und ob sie wohl im falschen Bus sitzen. Das tun sie, aber ich werde mich hüten, mich zu äußern, bevor ich gefragt werde. Das letzte Mal, als ich desorientierten Münchnern unaufgefordert auf den rechten Weg helfen wollte, ist mir das nicht gut bekommen.

Ich blättere im Geschenk für Schwesterherz und lese mich fest. Abends schaue ich bei Twitter hinein und sehe Seltsames. Zum hundertsten Mal denke ich darüber nach, dieses Blog auf „privat“ zu stellen.  Bei Youtube finde ich zufällig eine Melodie, die ich – keine Ahnung, wieso – schon als Kind kannte. Der Text weckt Erinnerungen an jemanden, dessen Vater im spanischen Bürgerkrieg gegen die Faschisten  gekämpft hat. (Kannten Sie das Lied, capitán? Vermutlich.)  Ay, Carmela. („Moros“ bezieht sich übrigens auf die Truppen aus Spanisch-Marokko, die auf faschistischer Seiten kämpften.)

 

8 Gedanken zu „Ein Samstag im Februar

  1. Gerade lausche ich „Ay Carmela“, Gänsehaut, Erinnerungen kommen hoch – Dankeee und Herzensdank auch für deine Februarsamstagsgeschichte. Nun will ich zwar nicht zwingend etwas über eure Samstage lesen, aber ich finde es eine tolle Idee einen jeden ersten Samstag im Monat dem Samstag über die Schulter zu schauen.
    Eine tolle Bienenweide ist übrigens Ysop, aber Vorsicht, auch der kann groß und mächtig werden, ich ernte immer einen Teil seiner Blütenzweige, trockne sie und packe dann Blätter und Blüten in eine Dose, eine wunderbare Ingredenzie für die Hustenmischung, ich liebe seinen Duft, wie die Bienen und andere Insekten auch. Er ist auch ein tolles Gewürz bei gewissen Fleischspeisen und unterstützt bei der Fettverdauung.
    Liebe Grüße
    Ulli

    • Vielen Dank für den Tipp, aber leider kann ich Ysop gar nicht riechen. Mir wird übel von dem Geruch, keine Ahnung, warum.

      Dem Samstag über die Schulter schauen, das ist schön formuliert.

      • Mir geht es so mit Melisse, alle schwärmen, ich würge … unsere Körper werden schon wissen warum, mein Geist weiß es nicht, dieses unwissende Ding ;)

  2. Bienenfreundlich, Sommerhitze und Trockenheit aushaltend? Ich empfehle Borretsch. Blüht ewig, von Mai bis Herbst, ist einjährig, muss man immer wieder neu aussähen.

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