01. Woche

Der erste Blogbesucher des Jahres 2019 kam aus Österreich. Oder vielleicht eine Blogbesucherin, wer kann das wissen? Die Woche beginnt mit ein wenig Schnee, nicht viel mehr als der Puderzucker, den man über den Kuchen stäubt. Nachts friert es, und auf dem Kirchturm von Heilig Kreuz zeichnet der festgefrorene Puderzuckerschnee die neogotischen Ornamente nach. Mitte der Woche klatscht einmal Pappschnee auf die Straße, am Ende schneit es eine ordentliche Schicht Pulverschnee. Mütter ziehen ihre Kinder auf Holzschlitten mit geschwungenen Kufen durch die Stadt.

Den Stanišić habe ich ausgelesen, wobei ich ihn zwischendrin für ein paar Tage zur Seite gelegt hatte, damit er länger hält.

Ohne Blog ist auch Kacke, schreibt der Herr Ackerbau. Ein Lieblingssatz. Leider kann ich da nicht kommentieren, aber: Recht hat er. Ich habe ja mehrmals alles hingeschmissen, um jedes Mal drei Tage später doch weiterzumachen. Es waren aber auch sehr besch…eidene  Jahre, diese letzten drei.

Auf Twitter spritzt die Moralinsäure und flattern die Illusionen im Wind. Zeit, mich zu verabschieden oder zumindest die Zahl der verfolgten Accounts zu reduzieren.

Vielleicht sollte ich weniger twittern und mir dafür mehr Mühe geben beim Stopfen meiner ramponierten Wollsachen. Meine Großtanten konnten noch Kunststopfen, und theoretisch weiß ich auch, wie das geht. Ich habe sogar noch ein Handarbeitsbuch mit entsprechenden Anleitungen für diverse Stoffe. Oder ich könnte Geld ausgeben und die Sachen in die Kunststopferei tragen, aber Stopfen gehört zu den sinnvolleren Handarbeiten, und die mache ich eigentlich doch gerne selbst.

Die Nachbarschaft echauffiert sich, dass die Götterboten vom Amazonas nur noch blaue Karten in den Briefkasten werfen und sich gar nicht mehr bemühen, die Päckchen zuzustellen. Ich betrachte angelegentlich den Papierkorb unter den Briefkästen und werfe schließlich ein, dass es in einem Palast dieses Ausmaßes nicht ganz einfach ist, die Adressaten der Päckchen zu finden, wenn die Adressaten Namensschilder an den Türen für spießig halten. Ein Nachbarlein richtet sich zu seiner vollen Größe von 1,63 m auf und belehrt mich, dass man sich ja nach den Wohnungsnummern richten könnte. Die stehen jedoch nur an den Briefkästen, nicht an den Wohnungstüren. Mein gut gemeinter Hinweis fällt auf taube Ohren, und es trifft mich ein böser Blick, vor dem mich nicht einmal das Amulett der Ex-Schwiegermutter schützen könnte.

Gelesen: Saša Stanišić, Vor dem Fest

 

8 Gedanken zu „01. Woche

    1. Wenn Du einen Blogeintrag erstellst, ist da doch eine Kopfzeile, richtig? Da gibt es ein Omega, und wenn Du darauf klickst, siehst Du Sonderzeichen, die Du kopieren und einfügen kannst.

      Das Buch hat mich sehr berührt, aber ich kann noch nicht sagen, warum. Es muss sich erst „setzen“, und vielleicht lese ich es bald noch einmal und kann dann vielleicht etwas dazu sagen.

  1. Schon aus Gründen der Sicherheit sollte ein Namensschild an der Tür sein. Was, wenn mal jemand, der allein wohnt, in Not ist, zwar den Notdienst anrufen kann, selbst aber die Tür nicht mehr öffnen kann? Ich finde das äußerst wichtig.
    Wenn ich mal ausländische Namen im Blog schreibe, such ich mir die im Internet, und dann „copy + paste“ – fertig.

  2. Mein Lieblingsatz zum Bloggen kommt ja von einem amerikanischen Blogger und lautet: Bloggen ist ein Kuchen-Esswettbewerb, bei dem der erste Preis noch mehr Kuchen ist.
    (Das mit dem Kommentieren tut mir leid; Google macht das wohl ständig schwieriger.)

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