49. Woche

Ein Besuch in einem Museum führt mir meine Bildungslücken vor Augen. Nicht nur die griechische Mythologie, auch die Theologie und sogar die Commedia dell’arte erweisen sich als Landkarten voller weißer Flecke. Mir wird fast schwindelig zwischen barocken Elfenbeinschnitzereien in einer Fülle, wie ich sie noch nie gesehen habe. Kräftige Nymphen verraten mir, dass eine Figur wie die meine zumindest im Barock ihre Liebhaber hatte. Überhaupt scheint es, als hätten die Künstler und Kunsthandwerker eine große Liebe zum menschlichen Körper in allen seinen Formen in sich getragen. Aber am meisten freue ich mich ja, wenn ich neue Wörter lerne: „Beinschneider“ ist eine Berufsbezeichnung, die mir gefallen könnte, wenn sie auch für heutige Ohren etwas makaber klingt.  Auch Fürstensöhne drechselten Elfenbein, aber für die war es eher ein Zeitvertreib. Ob sie sich mit ihren Fähigkeiten hätten über Wasser halten können, wenn man sie anlässlich einer Revolution davongejagt hätte?

Viel Porzellan, darunter eine Schokoladenkanne, die den Griff an der Seite hat. Ein Teeservice lässt vermuten, dass man den Tee zunächst sehr stark kochte. Man servierte ihn in einer für heutige Begriffe winzigen Kanne. Eine zweite Kanne, geformt wie unsere heutigen Kaffeekannen, enthielt heißes Wasser, das hinzufügen konnte, wem der Tee zu stark war. Aus heutiger Sicht kann man dem Barock wahrscheinlich einen gewissen Hang zum Kitsch  nicht absprechen. Vielerlei wunderbare Scheußlichkeiten, die in der Ausstellung auch zu sehen waren,  kannte ich aus den Beständen einer Großtante, allerdings nicht als Original, sondern als vermutlich preisgünstige, italienische Kopie. Ausgiebig fotografiert hat übrigens schon Petra, die am Bloggerwalk teilgenommen hat. Deshalb erzähle ich an dieser Stelle nicht weiter, sonst würde ich heute nicht mehr fertig und rate Ihnen, einfach dem obigen Link zu folgen. Dahinter steht auch, wann und wo Sie all diese Wunder besichtigen können. 

Später in der Woche rede ich mit Rechten. Nicht mit dem einen, den ich nicht aufgebe, sondern mit anderen. Die Plumpen, die Dümmlichen und Ungehobelten ignoriere ich (auch, wenn genau das gefährlich ist – gerade die Macht der Dummheit ist groß), ich versuche es mit den Klugen und appelliere an deren Moral. Dem einen, den ich nicht aufgeben werde, möchte ich die Ohren lang ziehen, aber dann sehe ich ihn strahlend glücklich und bringe es nicht übers Herz. 

Zu guter Letzt eine geflüchtete syrische Sportlerin, die ihresgleichen in Griechenland helfen wollte: Sarah Mardini

Ein Gedanke zu „49. Woche

  1. Die Fotos sind irgendwo zwischen hübsch und gruselig, wie mein üblicher Eindruck vom Barock. Das mit dem Tee gibt es übrigens auch heute noch: Samoware funktionieren ähnlich. In einem libanesischen Restaurant meiner Bekanntschaft steht auch so ein Ding, nur mit Stromanschluss. Der Tee aus der kleinen Kanne ist ultrabitter und muss zwangsweise mit Zucker (in Russland auch mit einem Fruchtaufstrich?) und Wasser gestreckt werden.

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