Ist die Lehrerin transgender?

Gestern war Transgender Day of Remembrance. Keine Ahnung, ob es damit zu tun hat, aber seit einigen Tagen oder vielmehr fast zwei Wochen wird in meinem Umfeld diskutiert, ob es Transgender überhaupt gibt (ja), ob es sie geben sollte (ja) oder ob sie über ihr Leben und ihre Körper selbst entscheiden dürfen (ja). Und auch ja, die Diskussion ist absurd. Man diskutiert als anständiger Mensch nicht über die Existenz(- berechtigung) anderer Menschen. 

In diesem Zusammenhang fragten einige besorgte Bürger Menschen sich und ihr Publikum, was es denn für Auswirkungen auf zarte Kinderseelchen hätte, wenn Lehrer oder Lehrerin Transmenschen seien. Aus eigener Anschauung kann ich Ihnen versichern: gar keine.

Als ich zwölf Jahre alt war, kriegten wir in Geschichte eine Lehrerin, die eine Transfrau war.  Wir haben zwei Minuten lang dumm geschaut, zwei Wochen lang getuschelt, und dann war das Thema erledigt bzw. gar kein Thema mehr. Wir fanden Frau C. nett oder doof, je nachdem, wie viele Hausaufgaben oder was für Noten wir bekamen. Von ihr unterrichtet zu werden, hat uns nicht im Geringsten geschadet. Die meisten von uns haben später etwas Gescheites gelernt oder studiert und wurden irgendwann nützliche Mitglieder der Gesellschaft. 

Sie können sich jetzt also wieder beruhigen und sich  Ihren täglichen Verrichtungen widmen, es ist absolut nichts Schlimmes passiert und es wird auch nichts passieren, bloß weil die Lehrerin Ihrer Nachkommen trans ist. Ihre Kinder kriegen das hin. Wenn Sie als Eltern nicht quer schießen. 

(Entschuldigung, ich weiß, mein Stammpublikum hat diese Gardinenpredigt eigentlich gar nicht nötig. Falls ich die Terminologie nicht ganz korrekt verwendet habe, bitte ich auch dafür um Entschuldigung. Ich bin in dem Thema nicht wirklich „drin“. )

5 Gedanken zu „Ist die Lehrerin transgender?

    1. Es war sozusagen ein offenes Geheimnis. Frau C war selbst in ihrer Jugend Schüler des Gymnasiums und später als Referendar Herr C ebenfalls dort beschäftigt. Ihre Mutter war dort schon Lehrerin gewesen, die Familienverhältnisse waren also bekannt.

  1. Ich bin ein bisschen mehr im Thema drin und kann nix finden :)
    Grundsätzlich bin ich trotz mindestens einer alkoholkranken Lehrerin nicht selbst zur Alkoholikerin geworden, trotz eines Ausländerfeinds im Kollegium (in diesem Falle tatsächlich, die betroffene Person war blond, aber halt Serbin) und einer großmütterlichen Altnazisse nicht böser rassistisch als die Durchschnittsbevölkerung, habe mich von einem Dr. Dr. demütigen lassen müssen, weil ich mal eine Klausur verpasst hatte (und der nix besseres zu tun hatte, als eine Klasse Siebzehnjähriger in Berlin unter mangelnder Aufsicht zu lassen, weil er lieber mit der mitreisenden Referendarin turteln wollte), und ich bin trotz oder wegen der sexistischen Witze einiger Lehrer zur Feministin mutiert.
    Wir hatten einen Fall von echtem Mobbing. Und ich war die, die beim Sportunterricht immer als letzte in die Mannschaft gewählt wurde. Trotzdem bin ich ehrenamtlich aktiv, statt der Menschenheit den Mittelfinger zu zeigen und im Baumhaus ohne Strom und Ausweis zu leben. Ich bin sogar trotzdem zu zwei Klassentreffen gegangen.
    Kinder- und Jugendseelen halten einen Haufen Kack aus, wenn sie müssen, und der größte Teil wird von weißdeutscher, heterosexueller Standardbevölkerung über sie gekippt. Ein paar kompetente trans* Menschen hätten dem Haufen an meinem Gymnasium echt gutgetan.

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