Herbst

Die Blätter fallen, das Jahr neigt sich dem Ende zu, und die Demoiselle de Maintenant wird bald eine Demoiselle d’Antan sein. Man muss sich schon einen Schal um den Hals wickeln, wenn man morgens aus dem Haus geht, und der Schal ist wahrhaftig nicht nur zur Zierde da. Noch ist das Laub vorm Haus grün. Nur die zwei Kirschbäume, die im Sommer der Monilia zum Opfer fielen, sind schon kahl.

Still ist es, als ich am Abend die Töpfe mit den Kräutern wässere.  Sommerdüfte in der Kühle eines Herbstabends. Ich stelle brennende Kerzen in alte Marmeladengläser und warte nicht mehr auf die Geister der vergangenen Jahre. Der Nöck ist fort und kommt nicht wieder; Frau Holle und die wilde Jagd hat man so weit im Süden ohnehin noch nie gesehen. Der Froschkönig wartet vergeblich auf das Mädchen mit dem goldenen Ball. Früh wird der Winter hier kommen und kalt werden, und die von uns, die ihn überleben werden, tragen im Frühling vielleicht Raureif im Haar.

 

2 Gedanken zu „Herbst

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