30. September 2018

Man möchte etwas Kluges und Gutes sagen, etwas, das heilt oder zumindest den Schmerz lindert, aber man kann nicht. Weil da nichts ist, was die Dinge besser machen könnte, und weil man selbst und das Gegenüber das genau wissen. Alles, was man sagen könnte, diente nur dazu, sich selbst besser zu fühlen, unter dem Vorwand, man habe Mitgefühl gezeigt. Zumindest scheint es so. Ich bin keine von denen, die die richtigen Worte findet. Der Kopf steht sich selbst im Weg.

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Der Freund, der kein Freund ist, befürchtet den Verlust seiner Heimat. Ich, die ich meine Heimat schon lange verloren habe, wenn auch aus anderen Gründen und auf andere Weise, finde das ein bisschen lächerlich. (Aber natürlich ist es nicht lächerlich. Die Vernunft sagt mir das laut und deutlich. Man kann sein Herz an alles hängen, und wenn man es verliert, bricht ein Stück Herz mit ab. Passiert das oft genug, ist irgendwann fast nichts mehr da. Glücklich, wer dann von irgendwoher oder von irgendwem ein Stückchen neue Heimat bekommt. Unter anderem deshalb hänge ich sehr an dem Freund, der kein Freund ist.)

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Immer wieder schön: wenn Blogger aus Süddeutschland den Main überqueren und insgeheim zu fürchten scheinen, dass sie „in Norddeutschland“ unter die Räuber fallen. Norddeutschland, liebe Kinder, fängt viel weiter nördlich an. Der Main ist noch nicht einmal in der Mitte. Oder wie die ältere Dame aus Husum sagte, als ihr Enkel ihr meine aus Kassel stammende Cousine als seine neue Freundin vorstellte: Ach – eine Süddeutsche!

Es ist wohl alles eine Frage des Standpunkts.

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Schreiben an den toten Vater. Schreiben an die tote Cousine. Und hier? Schreiben, um sicher zu sein, dass man noch da ist.

5 Gedanken zu „30. September 2018

  1. Sehr treffen was du über den Verlust schreibst. Und, wie ich zugeben muss, auch über das gefühlte Nord- und Süddeutschland. Als würden wir die Landkarte nicht kennen.

  2. Um das jetzt mit Nord und Süd ein wenig in eine andere Perspektive zu rücken:
    Für uns West-Berliner gab es in pre-1989 nur die Ostzone und die gesammte Bundesrepublik war einfach nur Westdeutschland. In Nord und Süd hat da keiner gedacht. Der Süden war Italien oder Spanien oder Griechenland. Sprach man vom Norden war das Dänemark oder Schweden oder Norwegen. Niemand hat hier Damals von Süddeutschland gesprochen.

  3. Es gibt Dinge, die können auch die besten Worte nicht heilen.
    Und doch tun die Worte gut, selbst die hilflosesten Worte tun gut, denn nie fühlt man sich einsamer und nackter als im Schmerz. Selbst wenn da nur steht „Ich finde keine Worte, aber ich denke an dich bei Tag und in der Nacht. Ruf‘ mich an, wann immer du willst“
    Eine warme Suppe oder ein Pflaumenkuchen.
    Nur ein paar Dinge, die sollten verboten sein: „ich weiß, wie du dich fühlst“ (NEIN!), „kopf hoch, wird schon“ und all das andere leere Geschwafel und vor allem all der Mist, der einen Sinn dahin beschwört, wo es keinen Sinn gibt: „wer weiß, wozu es gut ist (mein absoluter Hasssatz), Gott mutet keinem seiner Kinder mehr zu, als es tragen kann (oh doch!!!), „nur besondere Eltern bekommen besondere Kinder“, oh nein, niemals nie.
    Aber ein schlichtes „ich denke an dich“, was kann falsch daran sein?
    Ich wünsche den Mut dazu
    Natalie

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