08. September 2018

Vom Geruch nach Hopfen wird mir übel, und so bin ich gelinde verärgert, als ich am Morgen auf den Balkon hinaustrete, um den Duft des Frühherbsts zu genießen und mir stattdessen Übles um die Nase weht. Der Geruch kommt aus einer ungewohnten Richtung. Der nächste mir bekannte und Hopfen verarbeitende Betrieb liegt entgegengesetzt dazu in einiger Entfernung. Gibt es Schwarzbrauer wie es Schwarzbrenner gibt? Gar in der Großstadt?

Auf meinem Balkon vergeht der Sommer und neigt sich dem Herbst zu. Das Licht fängt an, meine verwilderten Blumenkästen und Töpfe zu versilbern statt zu vergolden wie noch vor ein paar Tagen. Kopfschmerzen plagen mich, Stress und Schlaflosigkeit der vergangenen drei Jahre haben sich aufgestaut, und der Damm kann jederzeit brechen. (Wer mir jetzt nicht aus dem Weg geht, ist selbst schuld, denke ich, aber das ist natürlich Blödsinn.) Meine beiden Balkonkrähen bringen mich immerhin zum Lachen.

Ich habe schon lange nicht mehr die Gräfin Larisch besucht. Ihr Grab befindet sich auf dem Münchner Ostfriedhof und irgendjemand schmückt es mit Windrädern, Laternchen und allerhand Flitter. Ob sie derlei zu Lebzeiten geliebt hat, weiß ich aber nicht. Ich hoffe es.

Samstag ist im Laden Schatzi-Tag. Frau Schatzi beschwert sich, dass Herr Schatzi nicht mit ihr Radfahren mag. Herr Schatzi findet, dass sie einfach zu langsam ist. Vielleicht sollten sich die beiden einen Ausgleichssport wie z.B. Tanzen oder Tischtennis suchen, wo dann vielleicht Herr Schatzi eine Niete ist? Oder das gemeinsame Sporttreiben einfach aufgeben? Es ist noch keiner gestorben, weil er nicht mit seinem Schatzi gemeinsam schwitzen durfte. Draußen vor dem Laden sehe ich die beiden wieder. Wie ich es vermutet hatte, fährt sie Holland- und er Rennrad.

Es gibt übrigens, so lerne ich, anscheinend Fitnesstracker, deren Display so groß ist, dass die ganze Nachbarschaft lesen kann, was der Träger für ein toller Hecht ist. Nicht, dass ich es hätte wissen wollen.

Am späten Nachmittag noch eine Runde Flamenco: Fußtechnik auf Soleá und Alegría, Arme auf Soleá, Sevillanas mit Kastagnetten und Armen – das ist nicht so einfach, wie es sich anhört, ich muss das erst Stück für Stück wieder lernen – dann Tientos und Farruca und als kleine persönliche Zugabe eine Guajira mit Fächer, die ich gestern nicht mehr geschafft habe.

Der Abend gehört mir und nicht dem Blog.

8 Gedanken zu „08. September 2018

  1. Nun, mein Abend gehört unter anderem meinem WordPress-Reader. :) Das Buchlesen habe ich heute Mittag in der Sonne erledigen können.

  2. Gestern auf meinem Balkon mich gewundert, dass das Licht noch so sommerlich anmutet. Wahrscheinlich ist das im Süden anders als im Nordosten. ^_^

  3. Nach Hopfen riecht es hier nicht, aber doch recht sehr nach Most und Maische, früher flossen so dampfige Flüssigabfälle noch über die Gasse. Da hätte man können als trockener Alkoholiker nicht entlanglaufen…
    Gruß von Sonja

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