04. September 2018

An der U-Bahn-Station lächelt mich ein kleines Mädchen an und teilt mir mit, dass sie „das Kindergartenmädchen“ sei. „So groß bist Du schon?“ frage ich mit der ihr gebührenden Bewunderung. Ich habe hier einen Satz gelöscht. Deshalb musste ich auch die Kommentare löschen bzw. nicht freischalten, die sich auf den Satz bezogen. Nichts für ungut, nehmen Sie es bitte nicht persönlich.

Wassertropfen liegen wie Perlen auf den Fensterscheiben, aber auch auf dem dreckigen Handlauf der Treppe nach unten und auf dem spärlichen Haar des alten Herrn, der keinen Hut trägt. Der Wind zerzaust ihm den zuvor sorgfältig gezogenen Scheitel, der Herr streicht die Strähnen zurecht und sieht für einen Moment aus wie der Junge, der er einmal gewesen sein muss. Dass sich die Jugend erhält, beim einen in den Augen und bei der anderen in der Art wie sie die Füße in den feinen Schuhen setzt!

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Weitergelesen. Meine jüdischen Bekannten sind derzeit ausschließlich Internetbekanntschaften, aber vielleicht weiß ich es von den anderen nur nicht. In der Schule wussten wir in der Regel nicht, welche Mitschüler_innen jüdisch waren, allenfalls, welche von der jüdischen Schule aufs Gymnasium gekommen waren. Selbst das war allerdings kein Indikator, denn die jüdische Schule nahm Kinder jeder Herkunft und Glaubensrichtung auf. Dass wir uns keine Gedanken machten, war das die viel gerühmte Frankfurter Toleranz, schlichtes Desinteresse, oder lag es an der Angst der jüdischen Familien und hielten sie ihre Kinder an, nicht über ihre Herkunft und Religion zu sprechen?

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Was ist hier eigentlich los? Wieso habe ich plötzlich Leser? Ach, egal. Die Anzahl meiner „Follower“ ist nach wie vor lächerlich gering. Ich hatte aber sogar schon einmal mehr, das war vor einem Ereignis, an das ich nicht erinnert werden möchte.

Übrigens darf ich Ihnen die freudige Mitteilung machen, dass ich ein neues Telefon habe und sogar meine schwerhörige Mutter mich jetzt wieder versteht.

3 Gedanken zu „04. September 2018

  1. Da war mein Ratschlag also zu spät. Freut mich, dass endlich alles wieder tut.
    Der alte Herr erinnert mich an meinen verstorbenen Großvater, der kämmte sich die wenigen noch vorhandenen Haare auch immer sehr sorgfältig über die Platte und trug weder Hut noch das viel dringender notwendige Hörgerät.

Kommentare (Bitte beachten Sie hierzu die Datenschutzerklärung)

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