Wassernot

„Es ist Wassernot.“ begrüßt uns meine Cousine, als wir im Dorf ankommen. Wassernot kann zwei Dinge bedeuten, lerne ich. Entweder die Überschwemmung nach der Schneeschmelze im Frühling oder den Regenfällen im Herbst oder aber Trockenheit im Sommer. Da es die großen Ferien, also die Sommerferien sind, bedeutet es dieses Mal Trockenheit. „Im Oberdorf haben wir immer noch Wasser, wenn sie im Unterdorf keines mehr haben.“ sagt meine Cousine. Das ist ein Dorf, das vom Bruch einer Talsperre lange vor unserer Geburt in Mitleidenschaft gezogen worden war. Ein Dorf, das an zwei Flüssen liegt und dessen fette Wiesen eben auch von der alljährlichen Überschwemmung genährt werden. Das Unterdorf beginnt an der Eisenbahnbrücke. Meine Oma füllt vorsorglich Gefäße mit Wasser, falls die Wasserversorgung ausfallen sollte, und wir Kinder, wasserscheu wie Kinder in diesem Alter eben sind, freuen uns über die „Katzenwäsche“, auf die wir uns ausnahmsweise beschränken dürfen. „Pletsch nicht so!“ schimpft meine Oma regelmäßig, wenn wir auf dem Friedhof Wasser verschütten, wo es nicht hingehört. Während der Wassernot gehen wir nicht auf den Friedhof, dann ist das Wasser für die Lebenden reserviert.

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