28. Juli 2018

Der Herr Schizophrenist hat mich an eine lang vergangene, leider oder zum Glück verkorkste, Affäre erinnert. Er fragte nämlich nach Heiligen mit schwarzer Hautfarbe, und mir fiel San Martín de Porres  ein. Dieser war mütterlicherseits ein Nachkomme afrikanischer Sklaven. Als ich mich einmal unglücklich verliebt hatte, meinte der beste Freund des Objekts meiner Sehnsucht, die Gunst der Stunde für sich nutzen zu können. Ich hatte keine Augen für ihn, denn meine Gefühle waren noch anderweitig gebunden. Mein Verehrer aber war ein rechter Casanova und ließ lange Zeit nicht locker. Auch er war Nachkomme schwarzer Sklaven und stammte aus Chincha, dem Zentrum der afro-peruanischen Kultur. Ich erinnere mich noch, wie er, ein  Medizinstudent und Musiker, während eines Konzerts einmal den baile negroide tanzte, sehr viel langsamer und weniger geschmeidig als die Herren im Video, aber mit einer großen inneren Spannung. Er war nach San Martín de Porres benannt. Übrigens starb er jung, bei einem Badeunfall.

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An der Bushaltestelle glüht die Jugend nach, oder ist das schon das Vorglühen für den kommenden Abend? Jedenfalls weiß ich jetzt, wem das feuerrot lackierte Hollandrad gehört, das seit Monaten meinen Neid weckt. Ich meine, giftgrün ist ja auch ganz schön, aber feuerrot? Oder gar himmelblau?

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Ich muss übrigens  ein sehr behütetes Leben geführt haben, da ich vor meinen bloggerischen und twitterösen Aktivitäten niemals mit dem Phänomen „Stutenbissigkeit“ konfrontiert war. In diesem und im letzten Jahr habe ich dieses Phänomen in der Tiefe sowie in der Breite genossen. Wobei ich sicherlich auch nicht frei von Sünde bin, aber ich bilde mir ein, dass meine Bissigkeit (stutenhaft oder nicht) eher eine Reaktion auf Angriffe  – oder was ich als Angriffe empfinde, man kann sich da ja auch sehr täuschen – als ein Angriff ist. Was mir auffällt: immer mehr Twitterer nutzen geschützte Accounts, die Blasen rücken enger zusammen, es wird mehr publiziert als kommuniziert.

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Getanzt: Sevillanas mit Kastagnetten, Tientos, Farruca. Heute mal etwas besser als sonst. Eine Petenera von Medina El Viejo gehört, die man aber nicht tanzen kann. Aufnahmen von Medina El Viejo gibt es meines Wissens nicht, aber hier interpretiert Isabelita de Jerez, die mir in den cantes festeros so gar nicht gefällt, seine Petenera. Gelesen, dass Isabelita am meisten für die Siguiriyas und Saetas geschätzt wurde, also schienen ihr eher die langsamen, dramatischen Stücke zu liegen.

3 Gedanken zu “28. Juli 2018

  1. noch1glaswein schreibt:

    Erst mal vielen Dank für die Links, die Sie immer posten, wollte ich schon lange mal schreiben, Das ist Musik / Tänze, die ich gar nicht kenne und mir zwar nicht immer gefallen, trotzdem sehr interessant sind!! Und wegen der Angriffe – ignorieren Sie das doch einfach, wenn Sie mit sich im Reinen sind, ist es doch gut. Meine Grossmutter sagte immer – an einer Eiche kann sich jedes Schwein schuppern :)

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