Der Fünfte im März

(Sie kennen das doch: WMDEDGT?)

In der Nacht von Sonntag auf Montag schlafe ich stets schlecht. Habe ich gar Frühdienst, wache ich spätestens um drei Uhr morgens auf. Übernächtigt schleiche ich an solchen Tagen ins inzwischen schon ganz und gar verhasste neue, alte Büro.

Vor das Büro hat das Schicksal jedoch die Fahrt dorthin gesetzt. Der Bus um 6.20 Uhr fällt aus, ich hechte zur anderen Haltestelle, wo ebenfalls jeden Moment ein brauchbarer Bus abfahren sollte, aber auch der kommt laut Anzeige nicht. Also im Dauerlauf zur U-Bahn, die Tasche quer überm Bauch, der Beutel mit der Amtsstubenpflanze (die heute wieder in die Amtsstube zieht) fliegt hinterher. Ich hätte nicht hetzen müssen, denn auch die U-Bahn ist zu spät. Schon an der nächsten Station springe ich wieder aus der Bahn und erwische eine, die eine andere Strecke fährt. Das stellt sich als klug heraus, denn auf der eigentlichen Strecke gibt es wieder Ausfälle und Verspätungen zuhauf. Ich komme gerade noch rechtzeitig im Büro an.

Der erkrankte Kollege ist wieder im Dienst. Hinter zwei Computerbildschirmen und der Amtstubenpflanze mache ich mich so klein wie möglich,. Man möchte ja die Übellaunigkeit nicht unnötig provozieren, nicht einmal durch bloße Existenz. Dieser Montag ist ein typischer Montag. Morgens klappt nichts, am Nachmittag lösen sich Probleme auf wunderbare Weise nahezu von selbst.

Auf dem Heimweg laufe ich in zwei Geschäfte, um drei Backzutaten zu besorgen. Die Frau Oberkassier aus dem ersten Laden begegnet mir mit der ihr eigenen Arroganz und geheuchelten Freundlichkeit. Mit mir als Kundin ist auch nicht viel Staat zu machen. Wäre ich Herr oder Frau Doktor aus der benachbarten Klinik, ja, das wäre etwas anderes. Die Arroganz heckt sich fort bis ins dritte und vierte Glied, oder zumindest bis in den zweiten Laden, wo ein übel duftender Verkäufer mich behandelt, als hätte ich den Gestank persönlich in den Laden getragen. Verunsichert schnuppere ich zu Hause an Mantel und Bluse, aber ich rieche nur das Waschmittel von gestern und das Deo von heute morgen.

Zu Hause angekommen, lese ich eine Stunde Blogs und Twitter nach, telefoniere mit dem besten Ex der Welt und backe den Kuchen, um dessen Ingredienzen ich mit den  furchterregenden Einzelhandelsdrachen gekämpft habe. Ich vergesse, die Form einzufetten; trotzdem löst er sich ohne Murren und gleitet aus der Form aufs Küchenhandtuch, und ebenso leicht  vom Handtuch aufs Kuchengitter.

Der Abend gehört mir und nicht dem Blog.

 

 

 

 

 

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