Geschichten und Meer

(Irrelevantes von den billigen Plätzen)

Miststück

7 Kommentare

Triggerwarnung: Dieser Blogeintrag kann Spuren von Ironie, Bosheit und allgemeiner Unmoral enthalten. Aus gut unterrichteten Kreisen verlautet, diese Waren sollten – ebenso wie Gedichte und Gemälde – demnächst einer strengen Prüfung unterzogen und gegebenenfalls verboten werden

Me tienes señalaito
Que yo soy pieza de mal paño
Y a los hombres* no se marcan
Como ovejas de rebaño (Quelle

Man ist sich uneins, ob ich ein rassistisches oder ein linksversifftes Miststück bin. Zumindest kann man sich anscheinend auf „Miststück“ einigen. Das ist nett, damit kann ich leben. Ich wurde im Laufe meines Lebens schon als vieles bezeichnet. Die Bandbreite ist zugegebenermaßen erstaunlich, eben von „linksversifft“ bis „rassistisch“ und von „prüde alte Jungfer“ bis „männerfressendes Monster“.

Ich verrate Ihnen etwas: es ist alles viel, viel schlimmer. Aber sagen Sie es nicht weiter.

Man sagt mir, ich hätte es gegenüber zwei verdienten Bloggerinnen an Respekt fehlen lassen. Dabei hatte ich die Damen nicht einmal erwähnt. Man sagt mir, das sei das Problem. Man informiert eine der verdienten Bloggerinnen darüber, dass ich sie nicht erwähnte. Ja, ich habe das mitbekommen.

Ich lese, man habe mir schon einmal gesagt, einen gewissen Twitterer zu retweeten, sei ein no-go. Ich habe nicht darauf gehört. Wo liegt nun das Problem? Dass ich retweetet oder dass ich nicht gehorcht habe? Ja, ja, ich weiß, beides ist eine Sünde. Schande über mein Haupt.

Man sagt mir, bestimmte Themen solle ich nicht mehr ansprechen. Man verrät mir dadurch, dass man doch dort auch liest, wo sich angeblich der Abgrund der Bloggerei auftut, wo eine anständige Feministin sich nicht blicken lässt.

Man sagt mir, einen gewissen Blogger solle ich besser nicht verteidigen. Tja. Was soll ich sagen? Ich mache so etwas. Absichtlich, und wie Sie sicher ahnen, aus purer Bosheit. Das Internet, denke ich mir manchmal, hatte ich mir vor fünfzehn Jahren anders vorgestellt. Allerdings, wenn ich so zurückdenke, war es vor fünfzehn Jahren auch nicht so anders. Wenn ich die Leute von damals googele, dann sehe ich allerdings, dass manche noch verhärteter, starrsinniger und intoleranter geworden sind als sie vor fünfzehn Jahren waren.

Man sagt mir vieles. Man tut anderes. Nur den Kindsmord hat man mir noch nicht angedichtet.**

Ich gehe jetzt tanzen. Heute sind Siguiriyas an der Reihe. Im Moment schalte ich keine Kommentare frei, wenn ich die Urheber nicht kenne. Man fängt sich leicht etwas ein.

 

*mujeres, hermafroditas, etc. etc. 

**plagiiert bei: Sidonie Gabrielle Colette, Claudine geht (glaube ich)

 

Autor: Geschichten und Meer

Kontakt: geschichtenundmeer@t-online.de

7 Kommentare zu “Miststück

  1. Wie sangen dereinst schon Dire Straits?

    “Sitting on a fence that’s a dangerous course
    Ah, you could even catch a bullet from the peace-keeping force”

    Ich krieg ja auch gelegentlich was ab, weil ich nicht nur reine schwarz-weiß Einteilungen vornehme und themenbezogen durchaus sowohl Herrn Don A. aus dem anderen B. wie auch seine Erzfeinde, Herrn L. aus B. und Herrn W aus K. goutieren und loben kann. Ganz zu schweigen davon, dass man z.B. beim Thema Feminismus wunderbarst Beef mit den Gendergedönsschnepfen (nicht selten von Beruf Höhere Tochter, Papa zahlt das Orchideenstudium) kriegen kann, die noch nicht mal in Planung waren, als man schon für Frauenrechte auf die Straße ging.

    In der Regel ignoriere oder blocke ich solche Krawallfeen ja, irgendwann ist man auch aus dem Alter raus, in dem man meint, auf alles reagieren zu müssen. Schade ist es gelegentlich, wenn man auf beiden Seiten nette Leute zu seinen echten oder virtuellen Freunden zählt und plötzlich eine Seite den Trump macht, von Loyalität faselt und Solidaritätsblocken verlangt bzw. erwartet. Die muss man dann leider auf dem Pott setzen oder abschneiden, aber es ist dann auch oft wie im Garten: Je ordentlicher der Rückschnitt im Herbst/Winter, desto blühender die Landschaften im Frühjahr/Sommer. Will sagen: Nicht grübeln, nicht grämen. Und gelegentlich mal Urlaub von den (a)sozialen Netzwerken machen.

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  2. „Verdiente Bloggerin….“ Jetzt habe ich Kopfkino. Der Bürgermeister ehrt verdiente Blogger *in einer Turnhalle, vergibt einen Verdienstorden. Die Rede dazu traue ich mich nicht zu posten. Klingt alles wie in Antville sintemals., als man noch glaubte, es gäbe diese Sphäre. Nihil novum sub solem. 🙂

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  3. Madame, bitte bleiben Sie so, wie Sie sind. Es wird ohnehin schon zuviel übereinander statt miteinander geredet, da sind Sie eine willkommene Zaunsitzerin, wie Kiki oben schon meinte. Leute, die bereit sind, mehrere Seiten zu hören, werden gefühlt seltener, oder sie schrei(b)en nicht laut genug.
    (Es heißt ja auch, dass Hexe von Hagazussa komme, was eben eine Zaun- oder besser, eine Heckenreiterin sei. Und „Hexe“ halte ich allemal für ein Kompliment.)

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    • Vielen Dank. Ich war früher auch rücksichtsloser in Diskussionen. Das hat am Ende weder den Menschen noch der Sache gut getan. In einem Punkt gehe ich immer noch auf die Barrikaden: wenn man Leute angreift, die mir in irgendeiner Weise etwas bedeuten.

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      • Da sage irgendwer, dass Menschen nicht dazulernen können – außerdem macht Ihre Antwort Hoffnung auf die Altersweisheit.
        Für ihre letzere Anmerkung habe ich irgendwann einmal in einer Geschichte den Terminus „protective rage“ gelesen, und suche seitdem nach einer Verwendungsmöglichkeit.

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Kommentare

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