Geschichten und Meer

(Irrelevantes von den billigen Plätzen)

Ignatz Bubis

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Ich kann nicht behaupten, ich hätte Ignatz Bubis gekannt. Wenn man sich als Frankfurter Schülerin für die Geschichte des Dritten Reichs interessierte, kam man jedoch an Bubis nicht vorbei. Bubis mag Fehler gehabt und Fehler gemacht haben, aber er war ein guter Mensch. Dies zu sehen, noch einmal seine Stimme und seine so vertraute Sprechweise zu hören, bedeutet mir viel.

Man mag sich nicht vorstellen, was es heißt, wenn Nachbarn, Kollegen und sogar ehemalige Freunde den eigenen Tod wollen, weil sie in einem nicht mehr den Nachbarn, Kollegen, Freund sehen, sondern nur noch den Juden, der kein Recht auf Leben mehr haben soll. Man kann sich nicht vorstellen, wie jemand, der das überlebt, noch das geringste Vertrauen in Nachbarn, Kollegen und Freunde haben kann. Bubis, den manche in Frankfurt noch in den 80er und 90er Jahren „Itzig“ und nicht Ignatz nannten, hat wohl fest daran geglaubt, dass Menschen sich bessern können. Er hat wohl darauf vertrauen wollen, manchmal vielleicht auch wider besseres Wissen.

Die Frankfurter Liberalität der 80er und 90er Jahre hat mich geprägt. Bubis gehörte eindeutig zu denen, die diese Liberalität mitgestaltet und geschaffen haben.

***

Als mein Vater starb, der  – obwohl christlich – zeitlebens gute Beziehungen zur jüdischen Gemeinde in Frankfurt gepflegt hat, schickte die Gemeinde einen Kranz und eine Vertreterin zur Beerdigung. Ich denke, Bubis wäre gekommen, wenn es seine Gesundheit erlaubt hätte. So war er.

Autor: Geschichten und Meer

Kontakt: geschichtenundmeer@t-online.de

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