Generationen

Mutter, sagt der junge Bettler, Mutter, kannst Du mir zwei Euro geben? Ich habe heute noch nichts gegessen. Ob das stimmt, weiß ich nicht, aber niemand bettelt zum Spaß. Also gebe ich ihm mein Kleingeld, was zur Folge hat, dass ich mich eiligst an einem anderen Bettler vorbeidrücken muss, der immer vor dem teuren Lebensmittelgeschäft steht und eigentlich ein Abo auf meine Ein-Euro-Stücke hat. Jung genug, um meine Söhne zu sein, sind sie alle beide.

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Schließlich haben die Kassiererin, die kurz vor der Rente stehen muss, und der Migrant aus einem afrikanischen Land, der den Laden sauber macht, doch noch eine gemeinsame Sprache gefunden: Französisch hatten sie beide in der Schule. Sie erzählt, sie habe als sehr junges Mädchen Nonne und Missionarin in Afrika werden wollen. Der Mann lacht, und witzelt über die Ordensleute, die er in Afrika gesehen hat. Gute Menschen, sagt er, aber keine Ahnung, nicht die geringste!

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Wenn es so weiter geht mit der AfD, werden wir unsere Sprachkenntnisse aufpolieren müssen. Aber wohin gehen, wenn in ganz Europa nationalistische und neofaschistische Bewegungen auf dem Vormarsch sind? Meine Großeltern hätten noch nach Frankreich, England oder in die Niederlande gehen können, vielleicht sogar nach Portugal. Aber der Nationalismus hat sich in ganz Europa ausgebreitet. Die EU scheint ihn nicht mehr zähmen zu können.

Ein Gedanke zu “Generationen

  1. Ferrer schreibt:

    Ist es nicht merkwürdig, dass es ausgerechnet in Spanien zur Zeit keine nennenswerte populistische/faschistoide/rechtsextreme Partei gibt? Überall in Europa gedeihen die Le Pens, NVAs, die AfDs, die Lega Nords, die UKIPs, die Orbans und Kaczyńskis, die FPÖs, ja sogar bei den einst bewunderten Skadinaviern gedeihen solche Parteien und Bewegungen, was ist in Spanien los? Die Art Mensch gibt es wohl und nicht zu knapp, Arbeitslose und Migranten gibt es zuhauf, wo staut sich das Ressentiment auf? Da ich mir nicht vorstellen kann, dass Rajoy in der Lage ist, diese Kräfte zu kanalisieren, zu integrieren oder zu mäßigen fürchte ich, dass es eines Tages zu einer bösen Überraschung kommen wird. Wenn ich die Kommentare in der Presse lese schwant mir übles: die Leser der El País stehen den Lesern der FAZ und der Zeit in Sachen Hass (auf: Muslime, Frauen, Ausländer, Zigeuner/Rrom, Linke, Intellektuelle, Wissenschaft, Aufklärung…) in nichts nach und dabei sollte man meinen, dass die noch zu den zivilisierten Zeitungen gehören.
    Meine Sprachkenntnisse muss ich nicht aufpolieren, ich lebe davon, die sind so aufgefrischt, wie es bei mir nur geht. Aber wenn ich eines Tages weg müsste, wüsste ich im Augenblick echt nicht, wohin.

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