Wenn der Frühling kommt

Wenn der Frühling sich nähert, kommen sie zurück. Sie sind nicht zu verkennen, die braunen Augen, die weichen Bewegungen, die Freundlichkeit…Mit ausgesuchter Höflichkeit fragen sie nach etwas Kleingeld und wünschen einem zum Dank den Segen der Muttergottes auf den Hals, so dass man das Gefühl hat, sie hätten einen beschenkt und nicht umgekehrt. Aber ein Segen ist ja auch ein Geschenk und für manche viel mehr wert als die paar Euro. In einer gerechten Welt hätten sie einen Ort, eine Arbeit, eine Schule für die Kinder, einen Garten. Manche meiner Leser_innen würden nicht glauben, wie wichtig ein Garten sein kann. Ein Freund, den ich im Lauf der Jahre aus den Augen verloren habe, ein Veshtika Rom aus einer nicht sesshaften Familie, erzählte von seiner Großmutter. Diese habe im Frühjahr auf verschiedenen Lichtungen im Wald Samen ausgesät, in der Hoffnung, auf dem Rückweg, später im Jahr, ernten zu können. (Denn die Roma wandern ja nicht zufällig und ziellos, sie haben feste Routen und folgen der Arbeit.) Manchmal, so erzählte er, fanden sie die Stellen nicht wieder. Wie oft es passiert  sei, dass man die heimlichen Gärten zerstört habe, aus purer Bosheit oder einem falschen Rechtsempfinden, habe ich allerdings nicht gefragt.

2 Gedanken zu “Wenn der Frühling kommt

  1. wildgans schreibt:

    Eine solche Art von „heimlichen Gärten“ kannte ich noch nicht, vielleicht stammen daher manch merkwürdige Funde, die eine oder einer irgendwo tat!

Kommentare (Bitte beachten Sie hierzu die Datenschutzerklärung)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.