Der Fünfte im Januar

Manchmal brauche ich nur einen Anlass zum Schreiben. Zwar hatte ich auf dem Vorgängerblog geschworen, nur einmal im Leben an WMDEDGT teilzunehmen, aber nachdem ich zur Zeit so vielen Prinzipien untreu werde, kommt es  auch nicht mehr darauf an. 

Die dritte Frühschicht in Folge, und schon kann ich wieder ohne Wecker um kurz vor fünf aufwachen. Tatsächlich habe ich heute aber Spätschicht, so dass das ganze schöne Frühaufgewachtsein rein gar nichts bringt.

Zuerst Einkaufen fürs Wochenende. Der Lebensmittelladen im Erdgeschoss hat vorübergehend geschlossen. Ich bedaure das ein wenig, obzwar* ich nicht zu den Hausbewohnerinnen gehörte, die in Pantoffeln ins Erdgeschoss schlurften, um noch vor der morgendlichen Dusche ihre Einkäufe zu erledigen. Auf dem Rückweg begegne ich Herrn von Oben, der mir ein weiteres Lebensmittelgeschäft in der Nähe nennt. Ich glaube aber, ich werde – solange ich es mir leisten kann – bei dem Familienbetrieb einige Straßen weiter Kundin bleiben.

Der Fluss führt ein wenig Hochwasser. Ich nehme den Bus zur Arbeit, da das Fahrrad zur Reparatur muss. Um diese Zeit fahren viele ältere Herrschaften mit dem Rad herum. Manche wirken zögerlich und unsicher, aber glücklich, und erinnern mich an einen lieben Twitterfreund, der steif und fest behauptet, Radfahren sei der Weg zu Glück und Zufriedenheit. Grauhaarige Damen lassen die Haare im Wind flattern, und ich denke wieder einmal, dass viele „Gefärbte“ eigentlich sogar älter wirken als die, die der Natur ihren Lauf lassen.

Den Anschlussbus verpasse ich knapp, aber auf diese Weise habe ich Zeit, an der Haltestelle ein paar Stichpunkte für diesen Text zu notieren. Schon randalieren die Amseln wieder, denn die Sonne strahlt. Der Himmel schickt einen Windhauch, der an den Frühling denken lässt, aber hierzulande kommt der Winter erst noch, und so verbiete ich mir das Träumen.

Im Büro heißt es wieder „Zwei-Jobs-zum-Preis-von-einem“. Noch dazu hat die Kollegin während meiner kurzen Abwesenheit anscheinend keine der Aufgaben, bei denen sie mich vertreten sollte, erledigt. Des weiteren schwatzt sie unentwegt vor sich hin, wobei sie in regelmäßigen Abständen Zustimmung und Antworten erwartet. Schließlich stoppe ich ihren Wortschwall mit dem Hinweis, dass ich mich nicht auf zwei Jobs und den Firmentratsch gleichzeitig konzentrieren kann, und bis zur Mittagspause arbeitet sie nahezu schweigend. Nach der Mittagspause springt die Wortmaschine wieder an, aber da habe ich schon einigermaßen Ordnung in den Aktenstapel gebracht, so dass ich das Geschwätz an mir vorbei rauschen lassen kann. Meine neue Lieblingsspätschichtgenossin, eine Thüringerin von wirklich angenehmer Wesensart, hat einen Auslandsfall, bei dem sie meine Hilfe braucht. Ich schubse sie in die richtige Richtung, und  binnen kurzer Zeit löst sie das Problem bravourös.

Das Schöne am Alleinleben ist, dass man nach der Arbeit keine gute Laune haben muss. Ich lese ein paar Blogartikel von fremden und bekannten Leuten; dazwischen verfolge ich meine ausgesprochen nette Twitter-Timeline. Allerdings habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich den besten Ex der Welt heute nicht mehr anrufen werde, aber mein Bedarf an Gesprächen ist dank der oben erwähnten Schwatzliese mehr als gedeckt.

Nach ausgiebigem Blog- und Twitterlesen falle ich todmüde ins Bett.

*Entschuldigung, aber das ist meine Lieblingskonjunktion.

2 Gedanken zu „Der Fünfte im Januar

    1. Vielen Dank für die „feinsinnige Beobachterin“! Und der beste Ex der Welt ist wirklich der beste Ex der Welt. Als Paar waren wir eine Katastrophe, aber jetzt sind wir ziemlich beste Freunde.

Kommentare (Bitte beachten Sie hierzu die Datenschutzerklärung)

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