26. November 2017

Der Wind rauscht in den Bäumen und erinnert die Krähen daran, dass noch Herbst ist, trotz Kälte und Schneegestöber. Rechts hält ein grimmiger und schnauzbärtiger Gottvater seinen stämmigen gekreuzigten Sohn fest zwischen den Knien. Kinder toben über den Sockel eines weiteren Gekreuzigten, Honoratiorengrabsteine sind mit schwarzem Filzstift verunstaltet. Die Grammatikfehler nach dem Muster der „reitenden Artilleriekaserne“ auf den Grabsteinen aber wurden nicht korrigiert und wohl auch nicht bemerkt. Ein Gipsmedaillon auf einem Grabstein zeigt noch einen Christus, aber einen kräftigen, sinnlichen,  den man sich eher als Flößer oder Viehhändler denn als Erlöser vorstellen kann. Am Sonntagnachmittag ist der Friedhof ein Park für die Bewohner der umliegenden Häuser.  Man joggt, man schiebt Kinderwagen, und manchmal gruselt es einem kleinen Jungen, weil da ein sehr realistischer, wenn auch verwitterter Totenschädel hinter einem Buchsbaumheckchen hervorgrinst. An die Toten von 1919 erinnert nichts.

2 Gedanken zu “26. November 2017

  1. docvogel schreibt:

    das ist ja mal ein echter November-Sonntagsapaziergang! Und wieder ein grandioser Beitrag zum von Kafka-On-The-Road ausgeliehenen Motto „Depressiv und Spass dabei“…

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