Buscando / suchend

Suchbegriffe sind mir ja stets ein Quell der Freude. Hier die Sammlung des letzten Monats:

Trippmadam – ja, das bin ich

Geburtstagswünsche – Habe ich darüber einmal etwas geschrieben? Ich werde alt und vergesslich. Das bringt eine größere Anzahl von Geburtstagen mit sich.

Juden in Frankfurt – Habe ich mal erwähnt. Für weitere Informationen bitte ein gutes Buch zum Thema konsultieren.

Krebsgeschichten – Ach, bitte…

Geschichten vom Meer – Leider viel zu wenige. Entschuldigung, der Blogtitel ist irreführend, hat aber eine Geschichte.

Ronald Zehrfeld jüdische Abstammung – Wieso meinen immer alle, ich müsste etwas über Ronald Zehrfeld wissen? Ich finde ihn ja auch toll, aber ich weiß nicht, ob er Jude ist oder ob er eine Freundin hat. Fragen Sie ihn doch bitte selbst, ja?

Gasse meiner Babysitterin – Wie meinen? Könnten Sie das bitte erläutern?

Don Alphonso Feminismus – Das fragen Sie mich? Der Herr hat drei Blogs und twittert, da findet sich sicher einiges zum Thema. Selber lesen macht schlau.

Gestern, in Stichpunkten

  1. Morgens lange über einen Streit vom Vorabend nachgedacht, bei dem mein Kontrahent und ich – im Nachhinein betrachtet – wahrscheinlich aneinander vorbeigeredet haben.
  2. Mich sehr gewundert, wie A die Arbeiten von B empfehlen kann, ohne  sie fachlich beurteilen zu können. Diese Momente, in denen man das Bloggen angewidert für immer aufgeben will. Eine gewisse Grundehrlichkeit ist mir auch als Bloggerin wichtig, auch wenn meine Geschichten verfremdet sein müssen, um mich selbst und andere zu schützen.
  3. Im Büro herumgesandelt, nichts Gescheites zu tun. Nach dem Sommer mit seiner Vierfachvertretung finde ich einfach nicht mehr in einen langsameren Rhythmus hinein und erledige die Arbeit für acht Stunden in vier. Was das Ergebnis nicht besser macht. Eine mir selbst ganz neue Unlust, Extra-Arbeit an Land zu ziehen.
  4. Auf dem Heimweg die Augen nicht von einem höchst eleganten Turban abwenden können (kurioserweise mit hochgeschobener Sonnenbrille, wobei das Wetter so trüb ist, dass es de facto keine Rechtfertigung für getönte Gläser gab). Trüge ich so etwas, sähe ich aus wie die Witwe Bolte.
  5. Flamenco geschwänzt, um ins Kino zu gehen. Chris Kraus, Die Blumen von gestern. Der Film kann sich nicht entscheiden, ob er Komödie, Tragödie oder Liebesgeschichte sein will, aber das ist wohl das Beste daran. Stellenweise schön böse, aber auch mitunter klischeehaft und überzeichnet.
  6. Mich mit den Suchbegriffen des letzten Monats amüsiert. Das gibt einen eigenen Beitrag.

 

Samstagslinks / los enlaces del sábado

Ein Interview mit dem Übersetzer Olivier Mannoni. (französisch)

Herr Buddenbohm schreibt möglicherweise über das Wetter, weil er nicht so viele Damen küssen kann wie Erich Mühsam. Aber wenigstens ist da, wo Herr B. wohnt, Wetter. In unserer kleinen Stadt ist nämlich so gut wie keins.

Außerdem hat er einen Text von Mennory verlinkt, die Frau Modeste (siehe Samstag vor einer Woche) antwortet. (Verstehen Sie mich nicht falsch, ich schätze Frau Modeste normalerweise sehr, aber mit ihrem Text habe ich ein großes Problem.)

Zwei Texte über Inklusion: überforderte Lehrkräfte und kein Konzert für Willi.

Nicht Bibliophilie, sondern Bibliomanie.

La complainte de Mandrin, ein Lied, dessen Melodie ich als Kind geliebt habe und dessen Text ich erst Jahre später verstanden habe.

Aber und vielleicht / Pero, quizás, mi amor

„No te metas en quereres, que se pasan muchas fatigas.“ weiß der Flamenco. Ein bisschen zu lässig übersetzt heißt das: Halte Dich von der Liebe fern, denn man hat viel Ärger damit.

Isabel Bogdan, in deren Blog ich leider in letzter Zeit viel zu selten hineinschaue, hat die Zeit verlinkt, die ich leider auch viel zu selten lese. Die Zeit lässt Leute Liebesbriefe schreiben, und weil ich gerne Briefe schreibe, aber noch nie einen Liebesbrief geschrieben habe, hier mein erster Versuch:

Lieber Unbekannter,

wir sind einander nie begegnet und das ist vielleicht gut so. Wer weiß, vielleicht hätten wir uns nicht geliebt, sondern gehasst. Vielleicht hätten Sie widerwärtige Angewohnheiten gehabt, hätten die Socken im Bett anbehalten oder wären in einem Auto mit viel zu vielen PS viel zu schnell gefahren. Vielleicht wären Sie ein zaundürrer Asket gewesen, der mich wegen meines Gangs, meines Lachens oder meiner unordentlichen Frisur wieder und wieder gemaßregelt hätte. Vielleicht wählen Sie sogar CSU, oder – nein, ich will Ihnen nicht unterstellen, dass Sie AfD wählen und montags mit Pegida spazieren gehen.

Vielleicht aber sind wir einander begegnet, und Sie haben sich schnell hinter einer Litfaßsäule, einer Mülltonne oder einem Mercedes Sprinter versteckt, weil Sie mich so entsetzlich fanden. Vielleicht fand aber auch ich Sie furchtbar und bin Ihnen weiträumig ausgewichen. Vielleicht fanden wir einander aber gar nicht furchtbar, sondern waren nur zu schüchtern, zu misstrauisch, zu jung oder irgendwann schon zu sehr vom Leben gebeutelt. (Aber vielleicht waren Sie ja doch da, mehr als zwanzig Jahre meines Lebens, und jetzt ist es vorbei, und man kann rein gar nichts tun. Wenn Sie das waren: danke für die schöne Zeit,  die schlimmen Zeiten aber wollen wir vergessen und endlich hinter uns lassen.)

Sie kennen sicher Platons Geschichte von den Kugelwesen, welche von den verärgerten Göttern in zwei Hälften geteilt wurden?  Mancher tröstet sich damit, dass irgendwo auf der Welt die ihm zugehörige andere Hälfte warten muss, für andere ist die Vorstellung, ihre andere Hälfte vielleicht nie zu finden, schrecklich. Wir beide aber, lieber Unbekannter, wollen uns das Leben nicht noch komplizierter machen. Sollten Sie einmal vorbeikommen, dann klingeln Sie einfach, damit wir einen Kaffee miteinander trinken können. Vielleicht gefallen wir einander doch noch, und wenn nicht, ist nicht viel verloren. Sollten Sie aber nicht in die Gegend kommen, dann ist das auch nicht schlimm. Was man nie besessen hat, kann man auch nicht verlieren, und ich bin sicher, auch da, wo Sie sind, gibt es eine einigermaßen passende Hälfte für Sie, wenigstens für eine kürzere oder längere Wegstrecke. Denken Sie daran, jede Liebe, die große und auch die kleine, hat ihr Recht. Nur die einzige, die absolute, die gibt es meiner Meinung nach nicht.

Seien Sie herzlich gegrüßt und freuen Sie sich des Lebens.

Das Fräulein Doktor und der Apfel aus dem Paradies

(den Moralinsauren gewidmet)

Tomaten, weiß die Wikipedia, sind in Deutschland schon seit ungefähr 1900 bekannt. Meine Großtante jedoch, die in der Weimarer Republik ein junges Mädchen war, aß ihren ersten „Paradiesapfel“, da war sie schon erwachsen und promoviert.

Die Eltern meiner Großtante waren nicht arm, mussten aber dafür sorgen, dass drei Kinder studieren konnten. Sie nahmen finanzielle Opfer auf sich, denn in meiner Familie kommt Bildung noch vor Gartenarbeit, und das will etwas heißen. Meine Tante wusste deshalb, dass sie sich keine Frivolitäten erlauben durfte. Zwar  neigt meine Familie seit Generationen  zur Frugalität, in manchen Fällen sogar zur Askese, jedoch gewinnt mitunter die Lebenslust die Oberhand, so dass wir bei aller erzprotestantischen Strenge doch die Feste feiern, wie sie fallen.

Die Paradiesäpfel , damals von manchen sogar Liebesäpfel genannt, lagen rund, prall und tiefrot wie die Sünde selbst in der Auslage des Gemüsehändlers. Wochenlang war die Tante daran vorbeigelaufen und hatte sich Geruch, Geschmack und Konsistenz der Frucht ausgemalt. Allein, die Äpfel aus dem Paradies waren teuer, und unnütze Ausgaben gewissermaßen eine Sünde. Die protestantische Doktorandin der Makroökonomie hätte genauestens die Auswirkungen der massenweisen gewohnheitsmäßigen Verschwendung auf die Volkswirtschaft und die der Sünde auf die unsterbliche Seele erläutern können. Aber es kam der Tag, da hatte das Fräulein seine Promotion in der Tasche und Zeit, über eine Investition in die Sünde nachzudenken. Meine Familie ist in der Lage, den Kauf einer exotischen Frucht mit der gleichen Leidenschaft zu planen wie die Anschaffung neuer Küchenmöbel. Auch verhältnismäßig kleine Ausgaben wollen sorgfältig bedacht und im Herzen bewegt werden; schließlich wächst das Geld nicht auf den Bäumen, und selbst wenn, ist noch lange nicht gesagt, wem die Bäume gehören und ob man die Zweige überhaupt erreichen kann. Aber wenn wir einmal sündigen, dann sündigen wir tapfer und ohne Reue. Denn Reue ist nur etwas für Leute, die ihre Handlungen nicht im voraus bedenken.

Wir wissen nicht, ob die Sonne an jenem Tag die Gemüsehändlersauslage zum Leuchten brachte. Vielleicht war es einer von diesen trüben Tagen, an denen man sogar  über ein roten Fetzen Papier, den der Wind vor sich her treibt,  lächeln muss, weil sonst rein gar nichts leuchtet. Ja, es muss ein solcher Tag gewesen sein, als das Fräulein Doktor beschloss, einen Paradiesapfel zu probieren. Wir können uns nur vorstellen, wie sie das Geschäft betrat, eine einzige der runden, prallen, roten Früchte auswählte und diese vorsichtig nach Hause trug. Wir können uns vorstellen, wie die Vorfreude das Fräulein erfasste, als sie den Liebesapfel sorgfältig wusch und auf einen Teller legte. Was wir uns nicht vorstellen müssen, ist ihre Enttäuschung, als sie hineinbiss, denn davon hat die Tante späteren Generationen oft und gerne erzählt. Wie der Geschmack so gar nicht ihrer Vorstellung von sinnlicher Süße entsprach, wie die Welt nicht auf einen Schlag schöner und heller wurde, wie sie die Tomate fast ausgespuckt hätte, hätte dies nicht ihrer ordentlichen, kleinbürgerlichen Erziehung widersprochen.

Später, auf ihrer ersten Auslandsreise, die sie nach Italien führte, lernte sie die pomodori auf eine ganz andere Art schätzen und sogar zuzubereiten. (Zwar hat sie das Kochen zeitlebens nicht richtig gelernt, ihre Tomatensauce jedoch war nicht bloß ein Gedicht, sondern eine ganze Geschichte. Eine, die  jetzt, wo die Tante schon lange tot ist, endlich erzählt wird. )

 

Würde / dignidad

Man lacht allenthalben über mich, und nicht nur, weil ich seltsame Wörter wie „allenthalben“ verwende. Ich habe noch mehr verrückte Angewohnheiten. Zum Beispiel bin ich dazu übergangen, Büromaterial, das ich in der Firma verwende, selbst zu kaufen und aus eigener Tasche zu bezahlen. Früher, lange vor meiner Zeit, erhielten die Angestellten für solche Dinge „Federgeld“, da sie selbst für geeignetes Schreibgerät, damals noch „Federn“ genannt, zu sorgen hatten. Zwar gebe ich im Büro nicht mit einem Füllfederhalter an, aber die Bürokugelschreiber sind von so schlechter Qualität, dass nach einem vollen Arbeitstag die Schreibhand wehtut. Leider halten sie auch nicht viel länger als eine Woche, obwohl man ja doch den größten Teil der Texte direkt am Computer verfasst. So kaufe ich selbst die Art Stifte, die mir zusagen, stillschweigend und ohne Murren. Denn niemand will hören, welches Schreibgerät die Personen, die es täglich stundenlang nutzen, für geeignet halten. (Ich verdiene – noch – anständig, ich kann mir das – noch – leisten.)

Für meine Notizen bevorzuge ich dicke Hefte mit glattem, liniertem, möglichst cremefarbenem Papier. Zurzeit benutze ich den letztjährigen Kalender, der viele Seiten für Notizen hatte, die ich aber nie völlig beschrieben habe. Sie mögen sich und mich fragen, warum ich das tue. Es ist nicht schön im Büro, ich gehe dort nicht mehr gern hin. Leider ist aber auf absehbare Zeit nichts Besseres in Aussicht, was bedeutet, dass ich mich arrangieren muss mit dem, was ich habe und mit dem, was ich bekomme. Gute Stifte und schöne Notizbücher sind meine Art, trotz allem meine Würde zu bewahren, so wie die Rentner im Polígono Sur, die sich weder neue Schuhe noch Hosen leisten können, aber mit Hut, Stock, kunstseidenem Halstuch und angemessen arroganter Miene über die vier oder fünf staubigen Straßen flanieren, die auch ein alter Mensch betreten kann, ohne sich die Beine zu brechen.

Würde ist, wie Integrität, eine Eigenschaft, die in der freien Wirtschaft nicht geschätzt wird, schon gar nicht bei kleinen Angestellten. Heutzutage sind wir nicht mehr als nützliche Maschinen, selbst diejenigen von uns, die wegen seltener, spezieller Kenntnisse und Fähigkeiten beschäftigt werden. Gegenüber Maschinen haben wir allerdings den Nachteil, dass man uns nicht einfach verschrotten kann, wenn unsere Garantiezeit abgelaufen ist. Aber machen Sie sich keine Sorgen, auch da wird jemandem noch etwas einfallen, wenn auch hoffentlich nicht mehr während meiner Lebenszeit.

Und unter diesen Umständen wollen Sie, dass ich mit schlechtem Material arbeite? Das (Arbeits-)Leben ist, glaube ich, zu kurz dafür.

Samstagslinks / los enlaces del sábado

Ein spätberufener Schwan flattert zum See.

Dieser Blogeintrag hat mich fuchsteufelswild gemacht, aber zumindest gibt es ein paar kluge Kommentare.

Essen für die Unsterblichkeit.

Nicht nur Frauen werden Opfer von Hatespeech im Internet (und Talkshows sind Teufelszeug, wo das gesunde Volksempfinden Amok läuft).

Helgoland ist bunt. Sehr bunt. Ich sollte einmal hinfahren.

Dachten Sie, Roma hätten keine Heimat?

Hip, hipper, am hipsten…

Manchmal, nur manchmal, bedaure ich, eine so hausbackene und gewöhnliche Person zu sein. Das passiert in der Regel nur dann, wenn ein kleiner Prinz in den Bus einsteigt. So wie heute. Kleine Nase, kleine Hände, kleine Füße in kleinen Schühchen… Ist er nicht allerliebst? Man möchte ihn mit nach Hause nehmen und als Gartenzwerg aufstellen!  So ein kleiner Prinz trägt  Batschkapp, also eine Schiebermütze, aber eigentlich keine richtige, denn eine echte Batschkapp hat kein zartes, orientalisierendes Muster auf goldbraunem Grund. Sie ist auch nicht glatt und wie künstlich versteift, aber vielleicht ist das auch „hip“ und ich verstehe es nur nicht. Noch hipper als die hippe Batschkapp ist das Brillengestell, durch das sich sein angewiderter Blick auf meinen grauen Mantel richtet. Nichts gegen meinen Mantel, Prinzchen, der  bietet Platz für meine breiten Schultern und Hüften, aber ohne dass ich darin aussehe wie eine Tafel Ritter-Sport-Schokolade von vorne.

Ein echtes Werbegrafikerbrillengestell, ach! Ich tue leider nicht das, was ich wohl soll, ich erstarre nicht in Ehrfurcht vor so viel Coolness. Das mag daran liegen, dass mir ohnehin schon kalt ist und ich mich viel lieber an der Glut schwarzer Augen wärmte. Aber schwarze Augen hat der kleine Prinz nicht. Dafür hat er eine Michelinmännchenjacke mit Kunstpelzbesatz an der Kapuze, die ihm nur knapp bis zur Taille reicht. Die Jacke, nicht die Kapuze. Natürlich hat er so eine Jacke, denn alle seine hippen Werbegrafikerfreunde haben auch eine solche, und sogar die, die keine Werbegrafiker sind.  Darunter aber zeigt sich in voller Pracht, oh Schreck, ein üppiges Maurerdekolleté. Gar nicht hip, kleiner Prinz, gar nicht hip! Wenn das Deine Werbegrafikerfreunde gesehen hätten!

Der Ostseewind

hat mir hoffentlich den hiesigen Feinstaub aus Hirn, Nase und Lungen gepustet. Mitgebracht habe ich: die Mutter aller Muskelkater, Blasen an den Füßen und  zweieinhalb schöne Choreografien. Ich sage „zweieinhalb“, weil ich für ein Musikstück schon eine halbe Choreografie hatte und jetzt nur noch anstückeln muss.