Ich grüße die Verkäuferin und lächele sie an, bevor ich um die Ecke biege. Noch bevor ich außer Hörweite bin, macht sie sich mit ihrem Kollegen über meinen Gruß und mein Lächeln lustig. Ich würde sie ja nicht mehr grüßen, wenn sie das so lächerlich findet – man will ja die Leute nicht belästigen – aber dann wäre ich unhöflich. Da ist es mir doch lieber, die Gegenseite ist ungezogen.

Man stellt mir Fragen, die getarnte Zurechtweisungen zu sein scheinen. Auch da bemühe ich mich höflich zu reagieren, aber vor meinem geistigen Auge erscheint eine Axt. Eine große Axt mit scharf geschliffener Schneide.

Die U-Bahn kommt. Menschen steigen aus, Menschen steigen ein. Als ich als Letzte einsteigen will, steigt eine Nachzüglerin aus, die ich tatsächlich übersehen habe und informiert mich in strengem Ton, dass man die Leute zuerst aussteigen lassen müsse und dann einsteigen dürfe. Heute kann ich es anscheinend keinem recht machen.

Ilma Rakusa erzählt von Friederike Mayröcker, und ihr Eindruck deckt sich fast völlig mit dem meinen. Friederike Mayröcker las einmal im Goetheinstitut von Triest, als ich dort ein Semester lang studierte.

Ich schreibe an einer Gespenstergeschichte, die eigentlich dann doch keine ist. Es fehlt aber noch sehr viel daran.

Sogar Madame Chef ist nun Veganerin. Das ist eine persönliche Entscheidung, die ich nicht zu beurteilen habe. Aber einerseits vegan leben und andererseits rauchen? In meinem Kopf passt das nicht zusammen. Genausowenig wie Fridays for Future unterstützen und den eigenen Abfall irgendwo fallen lassen, weil gerade kein Abfalleimer in der Nähe ist. Die kleinen Dinge, die jeder einzelne tun könnte, halte ich für ebenso wichtig wie die Forderung nach einer veränderten Politik. Die Auswirkungen des eigenen Handelns bedenken – aber konsequent bin ich da ja selbst nicht.

Nachts wache ich auf, betrachte den Mond und denke an die, die weit weg sind, sowohl geographisch als auch in Gedanken. Im Büro gelingt mir das, was ich jahrelang nicht konnte: im größten Chaos konzentriert und ruhig zu bleiben. Nicht einmal das Schwäbisch vom Schreibtisch gegenüber dringt immer zu mir durch. Eine Anruferin, selbst Mitarbeiterin der Firma in leitender Position, stellt sich so dumm an, dass ich sicherheitshalber noch einmal nachfrage, ob sie wirklich die ist, als die sie sich ausgibt. Es bekommt mir nicht gut. Ich denke, dass sogar eine, die ihre Stelle nicht auf Grund von Qualifikation, sondern dank persönlicher Beziehungen bekommen hat, innerhalb von mehreren Jahren wenigstens ein grundlegendes Verständnis für ihren Arbeitsbereich entwickelt haben könnte, aber vielleicht verlange ich auch da zuviel.

Meinen Twitter-Account endgültig zu deaktivieren, hieße die vielen Direktnachrichten zu verlieren, die ich im Laufe der Jahre bekommen und aufbewahrt habe. Ich dachte, ich könnte sie exportieren, aber das hat nicht funktioniert.  Also reaktiviere ich den Account, nutze ihn aber nicht mehr.

Der Adventskranz steht immer noch auf dem Tisch, wenn auch nun ohne Schmuck. Er duftet nach Wald und ich kann mich nicht aufraffen, ihn wegzuwerfen.

Ich denke über den Unterschied zwischen Tagebuchbloggen und Tagebuch schreiben nach, und daran, dass Jüngere, die sozusagen mit dem Internet aufwachsen, sicherlich anders darüber denken als ich.

 

Die Wechseljahre bringen es mit sich, dass der Hintern dicker wird und die Haare dünner. Das gleicht sich dann wohl aus.

Das bisschen Haushalt macht sich derzeit tatsächlich fast von allein. So ist das, wenn man selten zu Hause ist und wenn, dann allein. Die Stille ohne den besten Ex der Welt, seine Ideen und seine Kompositionen, die ich stets als Erste zu hören bekomme, ist recht erholsam. Das wird sich auch wieder ändern, und ich werde das Tohuwabohu aus Noten, Gitarren und Gitarristen wieder zu schätzen lernen, aber für den Augenblick genieße ich es, wie es ist.

Ich denke – wieder einmal – vage darüber nach, eine neue Sprache zu lernen, kann mich aber nicht aufraffen. Wie mir meine Freundin Z schon zu Schulzeiten sagte, ist es eine Schande, dass ich keine einzige slawische Sprache spreche.

Zwei Freundinnen schreiben mir und möchten sich mit mir treffen. Geburtstags-geschenke für Mutter, Bruder und Schwester müssen besorgt und verschickt werden. Anderswo klagt man über Hüft- und Rückenschmerzen, anscheinend alterstypische Beschwerden, die ich glücklicherweise nicht habe. Dafür hat mein Internet Schluckauf und lässt mich mitunter mitten im Bloggen im Stich. Ich schlafe wieder schlechter und blogge nachts. Ich kaufe Blutorangen, welche sich als gelb und strohig erweisen, und nehme mir vor, das nächste Mal zum gräco-italienischen Bioladen zu gehen.

Beim Hüpfen von Blogroll zu Blogroll begegnet mir ein Name, zu dem mir der altmodische Begriff „Nachmittagskleid“ einfällt. Nicht, dass ich eins hätte oder bräuchte: meine notorische Weltabgewandtheit erspart mir das. Tanzkleidung, Wandersachen und Arbeitshosen habe ich, alles so schlicht, dass man es für das eine wie das andere verwenden und miteinander kombinieren kann. Aufwand betreibe ich nur bei Tanz- und Wanderschuhen, und selbst da versage ich mir manches, was ich gerne hätte.

Das Blog verkommt schon wieder zur Nabelschau.

Geübt: Farruca, Tientos, Petenera. Nun ja.

Samstagslinks

Antonio Canales ist ein Tänzer, der unglaublich viel kann. (Er ist aber auch der Mann für den gezielten Griff dahin, wo man besser nicht hineingreift, sowohl mit Worten als auch beim Tanzen. Leider.)

Herr Ackerbau bloggt am Limit, und ich kriege Kopfkino. Ich hätte ja zu einer Kuh auf einem stabilen Podest geraten, aber Google lässt mich mal wieder nicht kommentieren. Überhaupt sollten Sie den Herrn Ackerbau lesen, nicht nur, weil es da gerade um Krähendressur geht.

Ein Museum und eine Ausstellung, die neugierig machen.

Jetzt weiß ich endlich, was auf den Briefkästen meiner Kunden steht, die immer behaupten, dass sie meine Briefe (nämlich die mit den Zahlungsaufforderungen) nie bekommen haben.

Ich weiß ja nicht, welchen Schauspieler Sie in Ihrer Jugend verehrt haben; ich jedenfalls schwärmte für Manfred Zapatka. Wenn ich mich an ihn erinnere, dann denke ich in erster Linie an Präzision (und an seine speckige Lederjacke, die er in Frankfurt abseits der Bühne trug). Jetzt geht er in Rente. (Leider hinter der Bezahlschranke, aber vielleicht haben Sie ja ein Abo.)

Ein Arbeitstag voller sinnloser Diskussionen. Eine Missverständnis mit Folgen, und zwar auch deshalb, weil es der Kollegin aus dem Schwabenland anscheinend nicht zugemutet werden kann, außerhalb Schwabens im beruflichen Umfeld Hochdeutsch zu sprechen.

Wir haben einen neuen Oberchef. Die Spottdrossel in mir wollte ihm sogleich einen Spitznamen verpassen. Neue Chefs in meiner Branche stellen sich übrigens gerne mit einem deutlichen Hinweis auf ihre sportlichen Heldentaten vor. Ich möchte einmal einen sehen, der liest. (Da frage ich mich doch, was unsereiner für einen Eindruck hinterlässt. Oder schicken sie uns einfach immer die Naturburschen hier in den Süden der Republik?) Ich werde berichten, ob ich demnächst um 6.00 Uhr morgens zum Frühsport antreten muss. (Den Teufel werde ich.) Sind das etwa schon diese neuen Zeiten, in denen man bald wieder zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl und schnell wie Windhunde zu sein hat?

Herr Nachbar macht sich über meinen Wintermantel lustig. Wenn ich verrentet wäre, wie der Herr Nachbar, und nicht morgens um kurz nach sechs an der zugigen Haltestelle warten müsste, dann könnte ich auch den ganzen Tag im Pulloverchen herumhüpfen, aber ich brauche meinen Wollmantel und meinen Schal auf dem Arbeitsweg.

Aus gegebenen Anlass, aber bitte wirklich nix für ungut: Ich zensiere hier Kraftausdrücke. Da halte ich es mit Karoline von Günderrode, die Kraftausdrücke durchaus nützlich fand, aber der Meinung war, man solle sie nicht unnötig benutzen, weil sie durch die Gewöhnung an Wirkung verlören (Oder so ähnlich. Jedenfalls hat sie meiner Namenspatronin Bettine von Arnim zu diesem Thema einmal eine Standpauke gehalten. Sagt zumindest Bettine von Arnim, aber der darf man natürlich auch nicht alles glauben.)

Ich betreibe übrigens keine Kundenpflege. Wenn Sie hier lesen mögen, finde ich das in den allermeisten Fällen schön. Wenn nicht, haben Sie sicherlich besseres zu tun, und ich wünsche von Herzen viel Vergnügen dabei.