38. Woche

Am Sonntagmorgen wandere ich. Von Gmund über Kaltenbrunn und Holz nach Bad Wiessee, vorbei an einem Kapellchen, auf dessen Außenwänden Helden der Lyrik diverse historische Ereignisse rezensiert haben. Was ausgelassen wird, ist ebenso interessant wie das, was erwähnt wird. In Bad Wiessee nehme ich ein Schiffchen nach Tegernsee, von dort spaziere ich über den Höhenweg zurück nach Gmund. Die ersten Blätter werden gelb oder auch rot, das letzte Heu wird gemacht; träges Vieh hat sich den ganzen Sommer über den Bauch vollschlagen dürfen. Die Holzeralm hätte ich dieses Mal sicher geschafft, aber ich hatte andere Pläne. Oktober ist auch noch ein Monat, und die Alm läuft nicht weg.

Der Stand der Damenwäscheverkäuferin ist sicher von Gott als eine Geißel der  Menschheit geschaffen worden. Ich scheine eine Reihe körperlicher Mängel zu haben, von denen ich bisher nichts wusste. Sie wurden mir, da können Sie sicher sein, nun vor Publikum in ihrer Gänze aufgezählt. Dabei wollte ich doch nur einen BH ohne Bügel. Den ich nun – Förderung des stationären Einzelhandels hin oder her – im Internet bestellen werde. Übrigens habe ich den stationären Einzelhandel dann doch noch durch den Kauf eines Nachthemds gefördert. Das muss für dieses Mal reichen.

Die Busse üben schon für den Oktoberfestfahrplan, der da lautet:

Bus kommt mit Verspätung – kommt vielleicht – kommt gar nicht.

Das eine Ende meiner Straße hat sich diesen Sommer fast zu einem Szene-Viertelchen entwickelt. Im Septemberabendlicht gehe ich nach meinen Spätdiensten an der langen Friedhofsmauer entlang. Efeubehangene Bäume ähneln aus diesem Blickwinkel Zeige- oder gar Mittelfingern.

Wenn es stimmt, was ich vermute, habe ich mir eine Sehnenscheidenentzündung zugezogen. Ich werde wohl die Kastagnetten eine Weile ruhen lassen.

Gelesen: Miriam Toews, Ein komplizierter Akt der Liebe

Im Netz gefischt: 

Ich jammere hier ja immer herum, dass ich es nicht einmal schaffe, alle Blogs auf meiner Blogroll zu lesen. Trotzdem möchte ich Ihnen das Chaosqueenlein ans Herz legen. Sie ist Rettungssanitäterin und Medizinstudentin, aber sie ist auch Patientin.

Frau Kapitän auf dem Tegernsee.

Klaus vom Podcast „Klausgesprochen“ hat eine meiner Geschichten gelesen. Wenn einem der eigene Text vorgelesen wird, ist das schön und seltsam zugleich. Vielen Dank, Klaus!

Mittwochsfragen 381 – 400

381. Wen hast du zu Unrecht kritisiert? Eine Kollegin.

382. Machst du manchmal Späße, die du von anderen abgeschaut hast? Nicht bewusst.

383. Bestellst du im Restaurant immer das Gleiche? Nein, ich gehe ins Restaurant, um etwas neues kennenzulernen.

384. Gibt es etwas, du insgeheim anstrebst? Wenn ich es hier erzählen würde, wäre es ja nicht „insgeheim“.

385. Wie würdest du deine Zeit verbringen, wenn du alles tun dürftest, was du willst? Wenn ich es mir leisten könnte: weniger arbeiten, mehr reisen, häufiger inst Theater, Konzert, Kino…

386. Was begeistert dich immer wieder? Himmel und Meer.

387. Welche Sachen kannst du genießen? Alles, was mir angenehm ist.

388. Findest du es schön, etwas Neues zu tun? Oh, ja. Aber auch etwas Neues ausprobieren, braucht Zeit und Freiraum. Beides ist nicht immer ausreichend vorhanden.

389. Stellst du lieber Fragen oder erzählst du lieber? Ich höre gern zu, aber ich warte lieber, bis die Leute von sich aus anfangen, zu erzählen. Trotzdem habe ich manchmal das Gefühl, zu viele Fragen zu stellen.

390. Was war dein letzter kreativer Gedankenblitz? Blitze gibt es bei mir so selten, dass ich mich nicht erinnere. Ich muss langsam Fuß vor Fuß setzen und eins nach dem anderen tun.

391. Bei welchem Song drehst du im Auto das Radio lauter? Bei allen spanischen, aber da ich nur Beifahrerin bin, darf ich nicht immer.

392. Wann hast du zuletzt enorm viel Spass gehabt?  Im Frühling, bei einem Treffen mit langjahrigen Freundinnen.

393. Ist dein Partner auch dein bester Freund oder deine beste Freundin? Ja, das war er. Jetzt ist er der beste Ex der Welt.

394. Welchen Akzent findest du charmant? Den des besten Ex der Welt. Außerdem bedauere ich zutiefst, dass ihm jemand gesagt hat, dass es nicht „der Rasiermaschin“ heißt.

395. In welchen Momenten des Lebens scheint die Zeit wie im Flug zu vergehen? In allzu vielen.

396. Wann hast du zuletzt deine Frisur geändert? Sommer / Herbst 2018.

397. Ist an der Redensart „Aus den Augen, aus dem Sinn“ etwas dran? Ja, leider, bei manchen Leuten.

398. Wie nimmst du Tempo aus deinem Alltag? Ich trinke in Ruhe ein Glas Wasser/eine Tasse Kaffee. Danach geht es meist wieder.

399. Machst du jeden Tag etwas Neues? Nein, aus Zeit- und aus Kostengründen.

400. Bei welchen Gelegenheiten stellst du dich taub? Gar nicht. Ich kann das nicht gut.

37. Woche

Das Wochenende verbringe ich mit Nichtstun. Zwei faule Tage, die nötig sind, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Die Gedanken drehen sich ja weiter.

Unangenehmes im Büro, aber auch Grund, zu lachen: ich löse ein scheinbar unlösbares Problem dank meiner Erfahrung aus über zwanzig Jahren Berufspraxis. Die junge Kollegin, die mir zuvor ihre Verachtung gezeigt hat, wo sie nur konnte, ist dankbar für die Hilfe, oder zumindest gibt sie es vor.

Ich tanze, ich lese, ich esse, ich schlafe, ich schreibe nach langer Zeit wieder eine Geschichte. Mehr ist nicht passiert in dieser Woche. Die Geschichte erinnert manche an Soylent Green, was mich wiederum an den Mitschüler erinnert, der in einer Band namens Soylent Grün spielte. Kein Ahnung, was aus ihm geworden ist. Ich weiß nicht einmal mehr seinen Namen, dabei mochte ich ihn eigentlich.

Den Freund, der kein Freund ist, habe ich verärgert.

Im Netz gefischt:

Herrn Buddenbohm ist das Tanzen nicht mehr ganz so peinlich.

Dr. Kall beschäftigt sich mit Prävention und zeigt, dass die Dinge nicht so einfach sind, wie man denkt.

Gelesen:

Toni Morrison, A Mercy

Gehört: (Die älteren unter uns erinnern sich. Ich habe das geliebt.)

David Bowie, Velvet Goldmine

Der blaue Brief

Am Abend meines 75. Geburtstags genehmige ich mir eine Tasse heiße Milch mit Honig, obwohl der Verzehr tierischer Produkte inzwischen verpönt ist. Milch, Käse und Joghurt sind rationiert, Fleisch ganz verboten. Die Pflicht zur gesunden Lebensweise und die moderne Medizin haben viele Krankheiten fast ausgerottet, nur gegen Husten und Schnupfen scheint kein Kraut gewachsen zu sein. Die Alten, denen ja nicht mehr viel Zeit bleibt, behandelt man mit etwas mehr Nachsicht und drückt ein Auge zu, wenn sie auf dem Schwarzmarkt um ein paar zusätzliche Tassen Milch handeln.

Der blaue Brief ist noch nicht gekommen. Übrigens wird der Umschlag nicht blau sein, sondern amtliches Hellgrau. Auf E-Mails verlässt man sich in dieser Angelegenheit nicht. Andere Kommunikationsmethoden haben sich als noch weniger zuverlässig erwiesen. Ich erinnere mich an die blauen Briefe, von denen mir meine Großmutter erzählt hat. Die waren auch nicht blau, sondern hellgrün. Darin stand, die Versetzung der Schülerin sei gefährdet. Diese blauen Briefe hat es schon zu meiner Schulzeit nicht mehr gegeben. Jedes Kind lernte in seinem eigenen Tempo, so etwas wie Versetzung in die nächste Klasse gab es nicht, und deshalb gab es auch keine Sitzenbleiber mehr.

Man lässt den Menschen ein paar Wochen Zeit und „verlegt“ sie nicht sofort nach Vollendung des 75. Lebensjahrs. Sie sollen noch einmal Geburtstag feiern dürfen, mit veganem Kuchen und Sahne, die einen leichten Beigeschmack nach Mottenpulver hat. Ich habe meinen Geburtstag schon lange nicht mehr gefeiert. Eine Familie habe ich  nicht, meine Freundinnen sind tot oder schon vor vielen Jahren „abgeholt“ worden.

Nach einigen Wochen, wenn damit zu rechnen ist, dass wieder Routine eingekehrt ist, kommt der Brief. Tag und Stunde kennt man nicht. Nur Großeltern bekommen auf Antrag ihrer leiblichen Kinder mitunter etwas mehr Zeit, sofern sie gesund und ihre Enkel noch nicht volljährig sind.

***

Der Brief ist da. Ich öffne ihn sofort. Man teilt mir mit, wann und wo ich mich zur „Verlegung“ einzufinden und was ich mitzubringen habe. Ein Nachthemd, Wäsche zum Wechseln, Zahnbürste, Kamm etc. Es sei mit einigen Tagen Wartezeit zu rechnen, denn ich gehöre einem geburtenstarken Jahrgang an. Medikamente seien nur erlaubt, wenn sie zur Linderung akuter Beschwerden verschrieben wurden. Die „Behandlung“ selbst werde vollkommen schmerzlos sein.

Meine Angelegenheiten sind geordnet, wie die Angelegenheiten einer jeden Staatsbürgerin. So verlangt es das Gesetz, und die Behörden wachen darüber. Seit meiner Verrentung vor fünf Jahren habe ich jedes Jahr mindestens drei Briefe erhalten, in denen mir mitgeteilt wurde, was ich abzugeben und welche Gebühren ich für die Ordnung meiner Angelegenheiten zu bezahlen hätte. Sozialarbeiterinnen erschienen zu  angekündigten Terminen und kontrollierten die Erfüllung meiner jeweiligen Verpflichtungen. Sie teilten mir mit, dass ich im Alter ja immer weniger Dinge benötige, und so besitze ich kaum noch etwas. Da ich keine Erben habe, wird das wenige Vorhandene an den Staat fallen, sobald ich „verlegt“ wurde. Ich hoffe nur, dass sie die verbotene Literatur, die ich in meinem wuchtigen Sessel versteckt habe, erst nach der „Behandlung“ finden. Repressalien wegen unangemessener Lektüre so kurz noch vor dem Ende wären sehr unangenehm. Auch die Tagebuchnotizen nähe ich nun in die Sesselpolster ein. Einen Sessel gesteht man den Alten zu. Dazu ein Bett, zwei Stühle, einen Tisch, ein paar Regalbretter. Ein Notebook steht jedem Haushalt kostenlos zur Verfügung. Blumentöpfe auf der Fensterbank sind geduldet. Da, wo ich nun hingehe, werde ich nicht einmal das haben.

***

Der Bus kommt. Der Tag der „Verlegung“. Wir sind etwa vierzig alte Frauen. Die Männer werden getrennt von uns transportiert. Eine Sozialarbeiterin begrüßt uns fröhlich und spricht uns Mut zu. Sie informiert uns über den Ablauf der „Verlegung“ und der „Behandlung“. Mein Nachname beginnt mit einem Buchstaben am Ende des Alphabets. Ich werde also drei oder vier Tage auf meine „Behandlung“ warten müssen. Bis dahin wird es mir an nichts fehlen. Beruhigungsmittel sind verfügbar und werden nach Rücksprache mit dem Arzt von den Pflegenden ausgegeben. „Sollten Sie sich noch nicht verabschiedet haben, werden Sie Gelegenheit haben, E-Mails zu schreiben oder zu telefonieren.“ sagt die Sozialarbeiterin. Nachdem sie sich vergewissert hat, dass wir alle unsere Wohnungsschlüssel abgegeben haben, fährt der Bus los. Ein letztes Mal fahre ich über Land.

***

Ich bekomme ein helles Einzelzimmer. An der Tür hängt der Plan mit den wenigen Terminen, die ich noch habe. Essenszeit, Schlafenszeit, Fernsehzeit. Eine ärztliche Untersuchung, ein Gespräch mit einer Sozialarbeiterin über die letzten zu regelnden Dinge. Ich entscheide mich für eine Plakette mit meinem Namen, Geburts- und Sterbedatum. Geburtsort und Sterbeort. Für den Fall, dass Du die Flucht überlebt hast. Für den Fall, dass es eine Befreiung geben wird. Damit Du weißt, wie lange ich gelebt habe und wo ich gestorben bin. Falls Du mein Grab suchen und finden wirst. Falls Du noch am Leben sein wirst, wenn die Befreiung kommt.

Die Plakette für die Urne kostet extra. Eine kleine Summe, aber doch eine Summe, die der Verwaltung entgehen wird. Die Sozialarbeiterin versucht, mich von der Unnötigkeit einer solchen Plakette zu überzeugen, aber ich lasse nicht mit mir handeln. Ich kann es mir leisten. Andere können keine Ansprüche stellen.

Am Abend verabschieden wir uns von denen, die am nächsten Morgen fort sein werden.

***

„Da waren’s nur noch zehn.“ sagt meine Zimmernachbarin. Eine der zehn schlägt vor, dass wir einander zum Abschluss Gedichte vortragen. Gedichte sind verpönt, und wir sind wohl die letzte Generation, die noch Gedichte kennt. Trotzig rezitieren wir Goethe, Shakespeare, Domin und andere „Verbotene“. Die Sozialarbeiterinnen lassen uns gewähren. Morgen werden wir nicht mehr da sein, und die Alten bäumen sich gegen Ende immer noch einmal auf. Wir umarmen einander. Dann gehen wir schlafen.

Wir werden nicht mehr aufwachen.

Mittwochsfragen 361 – 380

361. Was war deine schlimmste Lüge? Ich pflege nicht zu lügen. (Natürlich lüge ich auf gewisse Weise, so wie alle, aus Höflichkeit, um mir Leute vom Leib zu halten, aber das sind kleine Lügen, nichts Schlimmes.)

362. Erweiterst du deine eigenen Grenzen? Ich bin so viele Jahre lang auf so viele Arten über meine Grenzen gegangen. Im Moment mache ich es mir bequem.

363. Kannst du gut Witze erzählen? Nein. Ich bin stinklangweilig, das wisst ihr doch. Ihr lest doch mein Blog.

364. Welches Lied handelt von dir? Oh, Du lieber Augustin, alles ist hin…

365. Welche kleinen Dinge kannst du geniessen? Meinen Balkon, das Glitzern der Sonne auf dem Wasser, Kuchen, Regen…

366. Wofür darf man dich nachts wecken? Nur für echte Notfälle. Ansonsten weckt man mich auf eigene Gefahr, und wenn ich Gefahr sage, meine ich Gefahr.

367. Was würdest du gern an deinem Äusseren ändern? Das passt alles schon so, wie es ist.

368. Was soll bei deiner Beerdigung mal über dich gesagt werden? Sagt doch, was ihr wollt. Ich höre es ja dann nicht mehr.

369. Lässt du dich leicht zum Narren halten? Ja. Ich bin leichtgläubig wie kaum eine.

370. Was würdest du gerne einmal tun, vorausgesetzt dass es nicht schiefgehen wird? Hm, weiß ich nicht, vielleicht einen faustgroßen Diamanten aus einer hochgesicherten Bank klauen?

371. Muss man immer alles sagen dürfen? Etwas gegenseitige Rücksichtnahme wäre schon schön.

372. Wem solltest du mehr Aufmerksamkeit schenken? Menschen, die sich um mich bemühen.

373. Kannst du gut loslassen? Dinge ja, Menschen und Orte nein.

374. Wofür bist du dankbar? Dafür, dass in meinem Leben noch immer alles gut gegangen ist.

375. Sind Komplimente von Leuten, die du nicht gut kennst, wichtig für dich? Das kommt darauf an: Ist es jemand, den ich bewundere, obwohl ich ihn oder sie nicht gut kenne? Dann ja.

376. Vor welchem Tier hast du Angst? Ich habe tatsächlich ein bisschen Angst vor Hunden, aber habe mich da relativ gut im Griff. Wirklich furchteinflößend finde ich Krokodile.

377. Weswegen warst du zuletzt vollkommen verwirrt? Ich bin immer verwirrt, wenn ich mich in unbekanntem Gelände orientieren soll. Straßennamen und Wegweiser finde ich sehr hilfreich.

378. Was hast du immer im Kühlschrank? Milch.

379. Genierst du dich dafür, dass du bestimmte TV-Sendungen schaust? Ich muss jetzt aber nicht erzählen, was ich mir anschaue, oder?

380. Wann hattest du die beste Zeit deines Leben? Ich hatte viele gute Zeiten (allerdings auch schlechte. Ich denke, es hält sich die Waage.)

Ein Samstag im September

alltag-001-2018

Ulli vom Café Weltenall möchte den Alltag sichtbar machen.

Ich wache spät auf. Es regnet, das Thermometer zeigt 13 Grad. Auf dem Balkon blühen Astern, Bartnelken, Lavendel und Nachtschatten, die Sonnenblume welkt vor sich hin. Kaffee, Müesli und dazu Twitter. Ich trage Socken und sogar ein Unterhemd, womit ich die Behauptung meines Vaters, eine nordhessische Frau trüge höchstens drei Kleidungsstücke* gleichzeitig, im hohen Bogen auf die Sottisenmüllhalde werfe.

Beim Metzger gibt es Knoblauchstracke und beim Lebensmittelladen das erste Marzipanbrot der Saison. Zu Hause angekommen, probiere ich beides, und beides zergeht auf der Zunge, was beim Marzipanbrot gut und bei der Stracken schlecht ist. Letztere schmeckt aber trotzdem „richtig“, was beweist, dass die nordhessische Wurst- Entwicklungshilfe  in Bayern doch noch Erfolg hatte. Bayern können vieles, aber keine Wurst. Widersprechen Sie mir nicht! Ich weiß das mit Sicherheit**.

Das Tor zum Friedhof sieht aus wie der Eingang zu einem verwunschenen Garten. Es hat in den letzten zwei Wochen häufiger ausgiebig geregnet, so dass Bäume, Büsche und Gras sich erholt haben.

Zum Mittagessen brate ich Halloumi und bereite Spinat mit Knoblauch und Tomaten zu. Danach lese ich, trinke Kaffee und erfreue mich am beginnenden Herbst.

Am Nachmittag gehe ich Flamenco tanzen. Diesmal gelingt nicht nur die Farruca, sondern auch die Tientos. Bei beiden ist der Schluss immer noch improvisiert, aber er nimmt auch bei beiden allmählich Form an.

Am Abend echauffiere ich mich beim Internetlesen. Es gibt Leute, die behaupten, das Internet habe etwas von einem Verkehrsunfall: man müsse einfach hinsehen. Bei Verkehrsunfällen passiert mir das eher selten, dass ich nicht wegschauen kann. Das Internet jedoch…

In der Nacht schreibe ich eine Geschichte, aber da ist eigentlich schon Sonntag.

 

*Rock, Hemd, Unterhose

**Außer Weißwurst. Die lasse ich gelten.