20. Woche

Ich treffe eine Wahlentscheidung. Es wäre einfacher gewesen, wenn ich noch glauben könnte, was in Parteiprogrammen steht. So werde ich die Partei wählen, in deren Programm ich wenigstens die Intention erkenne, etwas besser machen zu wollen, obwohl diese Partei in den letzten Jahren mehr als einmal enttäuscht hat. Nein, fragen Sie nicht, ich werde es Ihnen nicht sagen. Nur so viel: es wird selbstverständlich keine rechte Partei sein.

Auch versuche ich, Flamenco zu tanzen. Es bleibt beim Versuch.

Am Sonntag telefoniere ich mit meiner Mutter. Sie erzählt mir von meiner Urgroßmutter, die so gerne in Kochbüchern las, auch wenn sie die Zutaten zu den komplizierten und üppigen Gerichten auf dem eigenen Bauernhof nicht anbauen oder herstellen konnte. Hinzukaufen konnte sie nichts.  Sie wurde Witwe, als ihre beiden Jüngsten noch sehr klein waren. Ein Erbe in Form von Geld war nicht da, denn mein Urgroßvater war nicht „wertschaftlich“ gewesen, hatte also kein Gespür für finanzielle Dinge gehabt. So soll er mal einmal maßlos wütend gewesen sein, als meine Urgroßmutter dem Viehhändler ein Fohlen verkauft und noch in derselben Stunde vom dem Erlös Kleiderstoffe fürs Gesindedeputat angeschafft hatte. Nur, es war der Beginn der großen Inflation und am nächsten Tag war das Geld schon erheblich weniger wert. (Warum mein Urgroßvater das nicht selbst vorausgesehen hat? Aufs Land kam die Zeitung, wenn überhaupt, oft mit Verspätung und möglicherweise auch nur als Einwickelpapier. Wieso meine Urgroßmutter es wohl geahnt hat? Wahrscheinlich war sie – ganz untypisch für die Familie – „wertschaftlich“.)

Weil man ja nicht nur im Internet leben kann, verabrede ich ein Treffen mit zwei ehemaligen Kolleginnen. Letzte Woche war ich mit zwei gegenwärtigen Kolleginnen unterwegs. Langsam kriege ich wieder so etwas wie ein gesellschaftliches Leben. Jemanden Freund_in zu nennen, fällt mir aber immer noch schwer.

Ein Traum entsteht, für die Zeit nach dem Renteneintritt, auch wenn es da noch lange, lange hin ist: mit dem Zug durch Europa, mit leichtem Gepäck, bleiben, wo es mir gefällt, und weiterfahren, wenn es langweilig wird. Das wäre einmal eine leichtfertige Reise im Sinne von Lisa St. Aubin de Terán, glaube ich. Ich hoffe, dass ich dann noch gesund und munter genug bin.

Am 06. Juni liest in Saarbrücken eine meiner nettesten Blognachbarinnen. Bleiben Sie ruhig ein bisschen länger, denn Saarbrücken ist ein nettes Städtchen. Gutes Essen und anständigen Wein gibt es da auch. Und Museen. (Ich weiß das, ich habe da studiert; das ist allerdings schon etwas länger her.)

Jungunternehmerin Verena Bahlsen hat mit einer unbedachten Äußerung über Zwangsarbeiter für Unmut gesorgt. Der geschätzte Blognachbar wies zu Recht drauf hin, dass viele „ganz normale“ Deutsche von Zwangsarbeit profitiert haben. Die eigene Familie will ich nicht ausschließen. Meine Eltern, die damals noch kleine Kinder waren, erzählten später mit viel Zuneigung von Bruin, dem Holländer, der so gut mit Pferden umgehen konnte und von Olga, die als Vierzehnjährige nach Deutschland verschleppt wurde. Es gibt Fotos, auf denen beide durchaus in die Familien integriert wirken. Geholfen hat möglicherweise, dass Bruin und Olga aus ähnlich kleinbäuerlichen Verhältnissen stammten wie meine Groß- und Urgroßeltern. Aber inwieweit die Idylle trügt, weiß ich nicht. Dass meine Mutter in Olga eine Art große Schwester sah, glaube ich ohne weiteres. Auch, dass Bruin meiner Urgroßmutter eine Stütze war, ohne die sie den Hof nicht hätte bewirtschaften können, will ich nicht bezweifeln. Dennoch, allein die Tatsache, dass es sich um Zwangsarbeiter handelte, zeigt ja, dass meine Familie sich mitschuldig gemacht hat. Dessen muss man sich bewusst sein.

Erst einmal keinen Seefisch mehr, auch wenn es schwer fällt.

Gelesen: Martin Mosebach, Westend (Ich wusste übrigens nicht, dass Frankfurt gerade dieses Buch liest: Frankfurt liest ein Buch.)

Gehört: Mayte Martín, Ten cuidado  (Flamenco für Leute, die keinen mögen)

Mittwochsfragen 21 – 40

  1. Ist es wichtig für dich, was andere von dir denken? Das wechselt. Außerdem kennen einen ja die Leute dann doch nicht so gut wie sie meinen.
  2. Welche Tageszeit magst du am liebsten? Den frühen Morgen, wenn die Sonne aufgeht.
  3. Kannst du gut kochen?  Ich kriege es meist irgendwie hin.
  4. Welche Jahreszeit entspricht deinem Typ am ehesten? Sommer. Hitze, Fülle, warme Nächte.
  5. Wann hast du zuletzt einen Tag lang überhaupt nichts gemacht? An irgendeinem Sonntag vermutlich.
  6. Warst du ein glückliches Kind?  Nein, ich war schon als Kind irgendwie falsch.
  7. Kaufst du oft Blumen?  Nein, sehr selten. Schnittblumen sind für mich Blumenleichen. Wenn ich Blumen verschenke, dann im Topf.
  8. Welchen Traum hast du? Träume ich noch? Manchmal träume ich, ich wäre irgendwann einmal wirklich glücklich, ohne den melancholischen Streifen auf meiner Seele.
  9. In wie vielen Wohnungen hast du schon gewohnt? Zwölf, glaube ich, wenn ich Häuser und Studentinnenzimmer mitrechne.
  10. Welches Laster hast du? Kaffee, zu viele Bücher.
  11. Welches Buch hast du zuletzt gelesen? Martin Mosebach, Westend.
  12. Warum hast du die Frisur, die du jetzt trägst? Weil ich sie selbst schneiden kann.
  1. Bist du von deinem Mobiltelefon abhängig? Nein.
  2. Wie viel Geld hast du auf deinem Bankkonto? Genug, um bei Nacht und Nebel das Land zu verlassen und noch eine Person mitzunehmen. Nur, wohin soll man gehen?
  3. In welchen Laden gehst du gern? In Buchläden. Ansonsten kann man mich mit „Shopping“ jagen.
  4. Welches Getränk bestellst du in einer Kneipe? Das kommt auf die Kneipe an. (Ich trinke kein Bier, aber einmal war ich in einer üblen Spelunke, in der Ljiljana Buttler (geb. Petrovic) und Saban Bajramovic aufgetreten sind. Da habe ich brav mein Bier aus der Flasche getrunken wie alle anderen auch.)
  5. Weißt du normalerweise, wann es Zeit ist, zu gehen? Nein, ich gehe immer zu spät oder zu früh.
  6. Wenn du dich selbständig machen würdest, mit welcher Tätigkeit? Ich bin nicht der Typ für die Selbstständigkeit.
  7. Willst du immer gewinnen? Nein, gewinnen interessiert mich nicht. .

40. Gehst du in die Kirche? Selten

19. Woche

Der Nachbar wurde mit Polizei und Krankenwagen in die Klinik eingeliefert. Es sind nun alle Fußmatten verschwunden, außer der seinen. Ob sie ihn angegriffen haben? (Ich mache mich durchaus nicht lustig; ich mag nämlich den Nachbarn recht gern.)

Die Woche beginnt mit itschekaltem* Wetter. Andernorts schneit es gar. Wenigstens fällt die Steuererklärung bei schlechtem Wetter nicht so schwer. Auf der Straße läuft ein Mann, dem Blut über die Stirn läuft. Er schreit, er könne nicht mehr. Zwei junge Männer fragen, ob er einen Krankenwagen braucht, aber er läuft und schreit unbeirrt weiter.

Die Kollegin kommt krank zur Arbeit. Ich möchte sie eigenmächtig nach Hause schicken. Da ich das nicht kann, versorge ich sie wenigstens mit Eukalyptusbonbons. Der Chef scheint ihren Zustand nicht wahrzunehmen und gibt ihr zusätzliche Arbeit. Das bemerke wiederum ich zu spät, denn dagegen hätte ich etwas unternehmen können.

Mitte der Woche gehe ich zum Zahnarzt, in den Baumarkt, tausche einen steinalten Toilettendeckel aus und plane nächsten beiden Haushaltsprojekte: einen neuen Bezug für meinen Hocker und die Bearbeitung der Fugen zwischen den Badezimmerkacheln.

Ich ärgere mich im Büro so sehr, dass ich am liebsten jemandem ein Bein stellen möchte. Leider gehört sich das nicht. Zu Hause laufe ich, ohne zu sehen, auf meinen Balkon und fange an, die Pflanzen zu gießen, und auf einmal, ganz plötzlich, kehrt Ruhe in meinem Kopf ein. Ich kann fast spüren, wie der Wut-Pegel sinkt, als hätte jemand einen Stöpsel gezogen.

Gegen Ende der Woche leuchtet der Mai grün, und ich denke, ich muss etwas mit Salbei kochen, denn der Salbei sprießt und duftet, dass es eine reine Freude ist. Der Liebstöckl hingegen braucht noch etwas Zeit.

Wegen eines Kommentars von Dr. Kall zu Ein Samstag im Mai, oder nicht nur deswegen, denke ich über Melancholie und Depressionen nach. Übersteht man Depressionen jemals oder lernt man nur, damit umzugehen? Die schwarze Dame hat mich seit längerem nicht mehr besucht. Was mich gelegentlich überfällt, würde ich als depressive Verstimmung bezeichnen, wenn es ein paar Tage anhält, oder  auch nur als Melancholie, wenn es so schnell verschwindet, wie es gekommen ist. Diese Einordnung hält natürlich dem Blick des Mediziners nicht stand, scheint für mich aber einigermaßen zu funktionieren.

Mona Lisa stellt ein Buch vor. Herr Ackerbau sieht einen Schatten.

Gelesen: Deniz Aykanat, Die Isartürkin

*Itsche = nordhessisch für Frosch, itschekalt = kalt wie ein Frosch, eklig feucht-kalt

Mittwochsfragen 1 – 20

„Et tu, Brute!“ dürfen Sie jetzt gerne denken.

Auch ich nehme, wie gefühlt die Hälfte der weiblichen Bloggeria, die „1000 Fragen an mich selbst“ in Angriff. Wenn es mir nicht langweilig wird oder mir die Zeit fehlt, beantworte ich hier jeden Mittwoch zwanzig Fragen.

1. Wann hast du zuletzt etwas zum ersten Mal gemacht? Wenn Sie die Wechseljahre lebend erreicht haben, haben Sie wahrscheinlich alles schon einmal gemacht (jedenfalls das, was sich einer gesunden Westeuropäerin anbietet). Oh, halt: vor ein paar Wochen Sahnemeerrettich aufs Brot geschmiert. Zählt das auch? Das Glas war angebrochen und ich bringe es nicht über mich, Nahrungsmittel verderben zu lassen. Außerdem sind die Möglichkeiten zur Verwendung von Sahnemeerrettich in meinen Haushalt begrenzt.

2. Mit wem verstehst du dich am besten? Mit meinen Geschwistern. Nicht, dass wir uns immer gut verstehen, aber meist verstehen wir uns ohne viele Worte.

3. Worauf verwendest du viel Zeit? Aufs Leben, d.h. auf den alltäglichen Kleinkram.

4. Über welche Witze kannst du richtig laut lachen? Über die, die meine Tanten und Cousinen erzählen.

5. Macht es dir etwas aus, wenn du im Beisein von anderen weinen musst? Ja, sehr viel. Es ist ein Blöße und eine Schwäche, die ausgenutzt werden kann und wird.

6. Woraus besteht dein Frühstück? Müesli und Milchkaffee.

7. Wem hast du zuletzt einen Kuss gegeben? Auf den Mund? Dem besten Ex der Welt, aber das ist schon eine Weile her. Auf die Wange(n)? Freundinnen und Verwandten.

8.   In welchem Punkt gleichst du deiner Mutter? Oh je, wo fange ich an. Figur, Größe, Haare, Liebe zu Büchern…

9.   Was machst du morgens als Erstes? In die Küche taumeln, die Caffettiera aufsetzen.

10.  Kannst du gut vorlesen? Nein. Ich stottere und spucke, wenn ich vor Zuhörern lesen muss. Frei sprechen geht, aber vorlesen? Nein.

11.  Bis zu welchem Alter hast du an den Weihnachtsmann geglaubt? Gar nicht, bei uns kommt zu Weihnachten das Christkind. Habe ich je daran geglaubt oder habe ich nur so getan, um den älteren Verwandten nicht widersprechen zu müssen?

12.  Was möchtest du dir unbedingt irgendwann einmal kaufen? Ich träume von einem Haus in Südfrankreich, wie alle. Aber wenn’s hoch kommt, reicht es zu einer kleinen Eigentumswohnung in einer Gegend, wo eigentlich keiner wohnen will.

13.  Welche Charaktereigenschaft hättest du gerne? Gelassenheit, ein dickes Fell.

14.  Was ist deine Lieblingssendung im Fernsehen? Derzeit kein Fernseher, somit  derzeit auch keine Lieblingssendung.

15.  Wann bist du zuletzt in einem Vergnügungspark gewesen? Zählt das Taunuswunderland? Ansonsten kann ich mich nicht erinnern.

16.  Wie alt möchtest du gern werden? Achtzig. Alles danach ist Verzierung.

17.  An welchen Urlaub denkst du mit Wehmut zurück? An alle in Andalusien, wo ich mich vor vielen Jahren in die spanische Sprache verliebte.

18.  Wie fühlt sich Liebeskummer für dich an? Oh je. Erinnert mich nicht daran.

19.  Hättest du lieber einen anderen Namen? Früher ja. Inzwischen bin ich ganz froh über meinen.

20.  Bei welcher Gelegenheit hast du an dir selbst gezweifelt? Bei jeder zweiten. Selbstzweifel könnte mein zweiter Vorname sein, aber zum Glück hieß meine Patentante anders.

Ein Samstag im Mai

alltag-001-2018Gefunden, eigentlich schon am Freitag:

Das könnte auch gut als Motto über diesem Blog stehen.

Die Sonne scheint, die Vögel singen, aber mich überfällt eine Melancholie, deren Ursache ich nicht nachspüren will.

Der Flieder neben der Tankstelle ist geplündert, nur noch wenige Dolden sind geblieben. Ein großer Hund, der aussieht wie eine Mischung aus Beagle und Spitz, kommt mir entgegen.

Ich putze das Bad, dann die Küche, beides gründlicher als üblich. Wenigstens dazu ist die Melancholie gut, die mir heute jede Energie für andere Dinge nimmt. Als ich fertig bin, hat sich der Himmel verdunkelt und ein Wind ist aufgekommen.

Im Regen mache ich mich auf zum Training. Das Training vertreibt meine Melancholie nicht, aber ich muss ohnehin nur Farruca und Tientos üben. Beide sind nicht gerade für ihren Frohsinn bekannt.

Auf dem Rückweg habe ich plötzlich Heißhunger. Der einzige Laden in der Nähe, der noch geöffnet hat, hat nur vegane Lebensmittel. Mehr muss ich, glaube ich, nicht erzählen. Nichts gegen Veganer, aber ich bin nun mal keine.

Zu Hause angekommen, ist meine Fußmatte weg und mein Nachbar springt in der Unterhose im Flur herum. Da sich bereits jemand um ihm kümmert, beschließe ich, dass ich die Geschichte dazu heute nicht mehr hören will.

Während die unmittelbare Nachbarschaft beschäftigt ist, schaue ich die Arte-Mediathek leer.

Das Leben ist manchmal wirklich ein langer ruhiger Fluss. Allerdings nicht so sehr für den Nachbarn, fürchte ich.

Nachtrag: In der Nacht geistert der Nachbar im Haus herum und klingelt bei mir. Ich mache nicht auf, weil er manchmal gewalttätig wird. Trotzdem komme ich mir schlecht vor und lausche noch im Halbschlaf, ob die Geräusche vor der Tür darauf hindeuten, dass er Hilfe braucht. Es hört sich aber nicht so an.

Dies war nun ein weiterer Beitrag zu Ullis Alltags-Blogparade.

 

18. Woche

Der Grasstreifen zwischen Radweg und Straße, den man gut bepflanzen könnte – was in anderen Straßen des Viertels gemacht wird – wird von den umliegenden Geschäften und Firmen als Abstellplatz genutzt, seit die beiden Wildkirschbäume der Monilia oder etwas ähnlichem zum Opfer gefallen sind.

Die Meisen sind noch da und machen sich über die Reste des Vogelfutters her, das sie im Winter verschmäht haben.

Auf der Auer Dult gibt es Matjes, der auf der Zunge zergeht, neue Köpfe für Spülbürsten, Unterhosen, Thüringer Wurst, Topfkratzer und kleine Katzen aus Ton. Die Familie Trollmann hat ein neues Geschäft, und zwar ein Hexenhäuschen. (Wenn Sie, wie ich, sozusagen fast auf dem Jahrmarkt aufgewachsen wären, wüssten Sie, wer die Trollmanns sind. Achten Sie mal darauf, der Name wird Ihnen  auf Jahrmärkten häufiger begegnen.) Wäre ich übrigens eine ordentliche Person, hätte ich eine Bürste für die Heizungsrippenzwischenräume (oder wie immer die heißen mögen) gekauft oder zumindest einen Staubwedel. Da meine hausfraulichen Fähigkeiten begrenzt sind, werde ich weiterhin die Spinnweben mit einem Geschirrhandtuch von der Decke holen, welches ich über einen Besen gelegt habe. Für die Heizungsrippenzwischenräume habe ich eine ähnliche Methode.

Der ältere Kroate, mit dem ich jahrelang im selben Bus zur Arbeit gefahren bin, hat eine fröhliche Frau und einen noch imposanteren Bauch als früher. (Nein, nein, für Sie ist das nicht interessant, ich notiere das nur als Splitter meiner inoffiziellen Chronik der Isarvorstadt.)

Nach der Walpurgisnacht stehen Kräuter und Bäume unbeweglich im frühmorgendlichen Licht als wüssten sie etwas. (Nein, ich gebe mich nicht neuerdings der Esoterik hin, aber es war sehr, sehr komisch. Komisch im Sinne von komisch, nicht im Sinne von seltsam.)

In manchen Dingen würde ich mich, glaube ich, gut mit der Frau Novemberregen verstehen. Ich zitiere: „Im Büro selbst: zu viel. Menschen haben Anliegen, diese Anliegen möchten sie nicht einfach in einer Mail mit 3-5 Punkten knapp zusammenfassen und dann eine ebenso knappe Antwort darauf erhalten, sondern sie möchten darüber sprechen, dabei gehört werden und gesehen und angenommen werden.“ Ich würde ja auch viel lieber Briefe schreiben. E-Mails an die Kundschaft sind aus Datenschutzgründen problematisch. Aber mein Chef wünscht Telefonate. Das sei besser (Wieso? Die Antwort darauf ist er mir bis heute schuldig geblieben.) Das gehe schneller. (Nein. Wenn ich den Kunden anrufe, um ihm sechs Fragen zu stellen, dann denkt der über jede Frage gefühlt 17 Minuten nach, wühlt in seinen Unterlagen und teilt mir am Ende der 17 Minuten mit, dass er die Antwort nicht weiß, die Frage für Blödsinn hält und überhaupt, was  erlaube ich mir, ihn bei der Arbeit, beim Essen oder beim Tennis zu stören! Multiplizieren Sie das mit sechs – sechs Fragen, Sie erinnern sich! – dann wissen Sie, wie man einen Arbeitstag so richtig ausfüllen kann.) Hingegen ein Brief, womöglich noch mit Textbausteinen, das geht ruckzuck, und die Kundschaft kann ihn beantworten, wenn sie Zeit dazu und ihre Unterlagen gefunden hat. Aber vielleicht ist es tatsächlich so, wie Frau N. sagt: Menschen möchten – auch in administrativen und bürokratischen Dingen – gehört und angenommen werden. Ich arbeite in einem Dienstleistungsberuf, noch dazu bin ich  eine Frau, von mir erwartet man „Zuwendung“, selbst wenn es nur um fehlende Unterlagen geht.

Schlechte Nachrichten aus Brasilien: Bolsonaro scheint die geisteswissenschaftlichen Fakultäten schließen zu wollen. Das passt zu Geisteswissenschaftler-Bashing  rechtskonservativer Blogger und Journalisten hierzulande, das ich seit einiger Zeit bemerke. (Der verlinkte Artikel ist nur ein Beispiel, Sie finden sicherlich noch mehr.)

Was Schlafmangel bewirkt. Keine Tipps bitte, ich kenne sie alle.

Gehört: Manuela de Montijo

Gelesen: Michael Roes, Herida Duro