Gefällt mir

Ich habe kein wirklich gutes Verhältnis zum „Like“-Button. Manchmal denke mir: „Mensch, Trippmadam, dir kann man alles vorsetzen, und du klickst auf ‚Like‘. Das glaubt dir doch keiner“. Andererseits schreibe ich manchmal Blogeinträge, die ich selbst nicht besonders gut finde, aber irgendwer drückt garantiert „Like“. Da ich ständig an mir selbst zweifele,  denke ich mir dann oft: Leute, euch kann man auch j.e.d.e.n Mist vorsetzen….

Es ist auch bei mir so, dass ich nicht alles, was ich „like“ (bitte hier das E mitsprechen ;-)), von A bis Z gut finde. Vielmehr finde ich, dass auch die Mühe, die sich jemand gemacht hat, oder der Denkanstoß, den ein Blogeintrag mir gibt, honoriert werden sollte. Oder jemand hält mir den Spiegel vor, was mir nicht gefällt, wofür ich aber dankbar bin bzw. wenigstens sein sollte, weil ich dadurch etwas hinzulerne. Oder ich erfahre von Dingen, von denen ich kein Ahnung hatte. Auch solche Blogeinträge haben ein „Like“ verdient.

Ich glaube, dieser Eintrag klingt ganz schön snobistisch, oder? Ich gelobe Besserung und verspreche, ich werde für jedes „Like“ dankbar sein. Einfach nur so, für die nette Geste.

Lieblingsblogs

Es ist ja nicht so, dass ich regelmäßig nur die dreizehn Blogs lese, die da rechts in meiner Blogroll stehen. Ich lese viel zu viele Blogs, und manchmal schaffe ich nicht alle. Sie könnten mir helfen, deshalb hier eine Liste von dreizehn weiteren Blogs, die ich mag:

Kein danseur noble – er selbst nennt sich einen danseur ignoble und schreibt über das Tanzenlernen, Akrobatik, psychische Krankheit und vieles mehr.

Ebenfalls ums Tanzenlernen, wenn man über das Tanzschülerinnenalter hinaus ist, geht es bei Dorky Dancing und bei  ballet and/or bust.

Zwei Favoritinnen mit ganz anderen Themen, die aber etwas gemeinsam haben. Sie werfen mehr als einen kurzen Blick auf Dinge, über die wir uns zu selten Gedanken machen (wollen): die Bestatterin Little Miss Funeral und Frau Lakritze mit ihrem Stopfblog.

Ilona von Wandernd liebt (wie ich) nicht nur das Reisen, sondern auch Kopftücher, womit wir dann auch bei einem langjährigen Lieblingsblog wären: Wrapunzel. Die meisten Kreationen finde ich zwar etwas abenteuerlich für den Hausgebrauch, aber die eine oder andere würde ich doch gerne einmal ausprobieren. Nur sähe ich damit nicht wie Grace Kelly aus, sondern wie Tante Anna auf dem Weg zur Messe (oder in den Kuhstall). Eine neue Blogbekanntschaft ist Tilak. Und mit Großstadtansichten aus Frankfurt/Main kann man mich immer locken. Was soll ich sagen? Manche Blogs muss man schon aufgrund ihrer Namen lieben:  Lady of the CakesIck in Japan  und  Meertau.

Das sind nur zwölf Blogs? Das liegt daran, dass ich immer noch darauf warte, dass @LottaPeng, die ich dank Twitter kennengelernt habe, endlich anfängt, zu bloggen.

Sollten Sie dieses Mal nicht dabei sein: die nächste Runde kommt bestimmt.

On ne badine pas avec l’amour

On ne badine pas avec l’amour, man treibt keine Scherze mit der Liebe, sagt Alfred de Musset.

Gesetzt den Fall, Sie lebten seit über zwanzig Jahren in einer festen Beziehung, die mehr als das übliche Auf und Ab kennt, und gesetzt den Fall, der Blick mit dem Ihr Gegenüber Sie betrachtet, wäre nicht mehr derselbe wie noch vor fünf, zehn oder gar dreiundzwanzig Jahren, ja, was dann? Sie neigen nicht zur Untreue, Untreue ist zuviel Arbeit, Heimlichkeiten liegen Ihnen nicht, Sie tragen Ihr Herz auf der Zunge, und das sowieso viel zu sehr, obwohl Sie schon in gesetztem Alter sind. Sie sind „une femme d’un certain âge“, und das stört Sie kein bisschen, im Gegenteil. Natürlich sind auch Sie eitel. Würdigt man die noch vorhandenen Reste Ihrer verblassenden Schönheit, so nehmen Sie das mit einem Lächeln zur Kenntnis, als glaubten Sie dem Sprecher, obwohl Sie es doch besser wissen. Sollte jedoch in einem Moment, in dem Sie in  empfänglicher Stimmung sind, jemand mit einem Wort oder einer Geste Ihre Seele berühren, dann erinnern Sie sich an Alfred de Musset. Die Liebe nehmen Sie zu ernst, als dass Sie Scherze damit treiben könnten, weder mit der Liebe, noch mit dem lang vertrauten Gegenüber, noch mit dem neuen, das da so ohne Vorwarnung in Ihr Leben gefallen ist.

Die Wechseljahre sind nichts als eine zweite Pubertät, sagen manche, aber dieses Mal sind Sie hoffentlich gescheiter.

 

Mucksmäuschenstill

(TW: Suizid, Beschreibung eines Unfallopfers)

Dies ist ein Beitrag zu Dominik Leitners Projekt *.txt. Dominik schreibt unter anderem auf Neonwilderness.

Die Akte auf meinem Tisch ist mit einem schwarzen Filzstiftkreuz markiert. Autounfall im Ausland, mindestens ein Toter also. Die Ermittlungsakte ist eingetroffen, ich habe den Unfallbericht zu übersetzen und zu prüfen. Ein junger Mann. Polizei ja, Führerschein ja, Alkohol nein. Überhöhte Geschwindigkeit. Gerade, freie Strecke. Keine Bremsspuren.

Keine Bremsspuren, lese ich nochmals, und weiß schon, was kommt. Verdacht auf Suizid. Die Fotos vom Unfallort zeigen ein Fahrzeug in Einzelteilen, einen niedergewalzten Zaun und einen Baum, an dem die Rinde teilweise abgerissen ist. Schuhe. Hosenbeine. Ein Hemd, graublau, ein Stück weit hochgeschoben über einem weichen Bauch. Der Nabel, kindlich unschuldig inmitten von heller, unverletzter Haut. Knöpfe. Hemdkragen. Hals. Kein Kopf.

Kein Kopf. Wieso ist da kein Kopf?

Noch einmal, von unten nach oben. Schuhe, Hose, Bauch, Hemd, Hals, kein Kopf. Wo der Kopf sein sollte, liegt ein dicker, knubbeliger Ast.

Das Gesicht des Toten, lese ich, sei nicht mehr zu erkennen gewesen. Die Freundin habe ihn anhand eines Tattoos identifiziert. Weitere Fotos suche ich nicht in der Akte. Es ist egal, wie der Kopf aussieht. Er ist nicht relevant für meine Übersetzung.

Am Abend, zu Hause, sehe ich den hellen, weichen Bauch des Toten vor mir. In mir breitet sich eine weiße, stumpfe Stille aus, kriecht mir in Arme und Beine, schnürt mir die Kehle zu und verhindert, dass die Wörter den Weg nach draußen finden.

 

Was wir gewusst haben / lo que sabíamos

Als heftig pubertierendes Mädchen suchte ich Zuflucht vor den Zumutungen des Lebens am Bücherschrank meiner Großmutter. Dort las ich mich durch die russische, französische, deutsche und österreichische Literatur, was mir später unter meinen Mischülerinnen den Ruf eines Blaustrumpfs einbrachte. Tatsächlich ist es aber mit meiner literarischen Bildung nicht weit her, und so bin ich dankbar für Hinweise des Dämonenbändigers, der  – wie die Stammleserschaft weiß – etwas von Büchern versteht.

Der Dämonenbändiger nämlich erwähnte ein Buch von Jean Giono, Der Husar auf dem Dach. Wenn der Dämonenbändiger Ihnen ein Buch empfiehlt, dann tun Sie gut daran, der Empfehlung zu folgen. Als die Streberin, die ich bin, lese ich das Buch auf französisch, und da mein Französisch eher improvisiert ist, fällt mir das nicht leicht, und so  bin ich erst in der Hälfte.  Angelo, die Hauptperson, ist inzwischen in Manosque angekommen und trifft dort eine Nonne, die sich um die Toten der Cholera und deren Hinterbliebene kümmert. (Das Wort für Nonne, das ich vor vielen Jahren lernte, lautet „religieuse“; dass man zumindest zu Gionos Zeiten auch „nonne“ sagte, war mir neu.) Die Nonne ist keine Teresa von Ávila, sie ist eine einfache Frau und  nennt sich eine „femme de ménage“, weil ihre Tätigkeit im Kloster eine hauswirtschaftliche war. Als die Cholera immer mehr Menschenleben fordert, und die Leute ihre Toten einfach auf die Straße werfen, weil sie der schieren Menge an Leichen nicht mehr Herr werden, da wäscht die Nonne nur noch die  schmutzigsten Toten. Gefragt, warum sie das tue, wo es doch niemandem, auch den Toten nicht, irgendeinen Nutzen bringe, erklärt sie: Wenn sie mit dreckigem Hintern auferstehen, wie stehe ich dann vor unserem Herrn da? Er wird mir sagen: Du warst da, du hast es gewusst, wieso hast du sie nicht gewaschen?

Der Glaube an einen Gott, vor dem ich einmal rechtfertigen muss, liegt mir fern. Trotzdem ist mir dieser Satz „du warst da, du hast es gewusst“ schon eine Richtschnur gewesen, lange bevor ich ihn bei Giono gelesen habe. Auch wenn wir uns nur vor uns selbst verantworten müssen, stellt sich doch die Frage, was haben wir gewusst, was haben wir getan, und wenn wir schon nichts tun konnten, haben wir wenigstens Zeugnis abgelegt?

Pitigrillis Haar ist da dann doch keine Ausrede, fürchte ich.

Frankfurt, Fußball, Juden

Vorausschicken möchte ich, dass es kaum etwas gibt, was mich weniger interessiert als Fußball, selbst wenn Michael Herl in der Frankfurter Rundschau darüber schreibt. Für die, die es nicht gelesen haben, ganz kurz: während eines Spiels der Eintracht Frankfurt gegen Magdeburg kam es zu Ausschreitungen (wohl hauptsächlich) Frankfurter Fans.

Dass man mit gewalttätigen Fußballfans nicht unbedingt auf derselben Straßenseite gesehen werden möchte, ist klar, glaube ich. Ich gehe nicht einmal in die Nähe eines Stadions, deshalb kann ich eigentlich nichts zu solchen Dingen sagen. Warum ich mich hier also über Fußball ausbreite?

Herl schreibt: „Die friedlichen ‚Familienmitglieder‘  (gemeint sind Magdeburger Fans im sogenannten ‚Familienblock‘. Anm. der Bloggerin) erboten den Frankfurter den Hitlergruß in einer angeblich nicht verbotenen Form, nämlich mit gespreizten Fingern. Dazu schrien sie, das weiß ich von mehren Zeugen, „Uh, uh, Juden Frankfurt“ – und das vor den Augen der Polizei. Außerdem wurde das nicht nur einmal gebrüllt, sondern laufend.“

Ist also „Jude“ wieder ein Schimpfwort? Die Hetze gegen Juden mag noch nicht so gesellschaftsfähig geworden sein wie die Hetze gegen Muslime, aber wer letzterer nicht entgegentreten wollte, der braucht sich über erstere nicht zu wundern. Die Hetzer werden gegen alle hetzen,  die auf irgendeine Weise anders sind. Dass Sie kein Muslim oder keine Jüdin sind, rettet Sie nicht. Vielleicht sind Sie homosexuell? Asiatin? Slawischer Herkunft? Auf irgendeine Weise sichtbar behindert? Arm? Arbeitslos? Um den Hass „besorgter Bürger“ zu wecken, braucht es nicht viel. Soviel muss jedem klar sein. Auch kann der Wind sich drehen, und Sie oder ich werden zur Zielscheibe, auf Grund irgendwelcher tatsächlicher oder zugeschriebener Eigenschaften, von denen wir selbst vielleicht noch gar nichts wissen.

Man darf nicht noch Wasser auf die Mühlen der heimlichen und un-heimlichen Nazis leiten.

 

La guitarra / die Gitarre

El que hace el amor deprisa

No puede ser tocaor

La guitarra es una niña

Que nunca mira el reloj

Wer es in der Liebe eilig hat, der wird kein Gitarrist, sagt Diego del Gastor, denn die Gitarre ist ein Mädchen, das niemals auf die Uhr sieht.

Herr F., Sportlehrer und Schuldirektor, brachte mitunter seine „Braut“ mit in die Schule. Die hatte weder weißes Kleid noch Schleier, aber einen langen Hals und sechs Saiten. Auf Twitter echauffierte man sich kürzlich darüber, dass ein Musikmagazin einen despektierlichen Vergleich zwischen Frauen und Gitarren gezogen hatte. Tja, willkommen in der Realität, liebe Twitter-Feminist_inn_en. Die Gitarre verlangt Hingabe, stundenlanges Üben, selbst wenn man nicht mehr alle Finger bewegen kann wie Django Reinhardt oder, wegen einer schon in jungen Jahren aufgetretenen Arthritis, mit starken Schmerzen spielen muss. Die Freundin oder Frau kommt erst nach der Gitarre, soviel ist sicher. Man sucht sich deshalb besser beizeiten eine Beschäftigung für die Stunden, in denen andere Frauen sich der ungeteilten Aufmerksamkeit ihres Mannes erfreuen dürfen. Eifersucht hilft da gar nichts. Die Gitarre ist stärker und hat das Sagen. Immer. Insofern ist sie die erste und größte Liebe. Ich kann darüber lächeln, nach über zwanzig Jahren.

 

Am Fluß / en la orilla del río

Ich bin spät dran, und so wird es die kleinste mögliche Runde. Die Sonne brennt schon, und die Flußufer sind meiner menschenscheuen Seele zu voll. Auf der Brücke kommt mir ein derangierter Herr in feinem Zwirn entgegen. Eine versoffene oder eine verliebte Nacht? So oder so, sie ist wohl nicht gut zu Ende gegangen.

Verengt man den Blick ausreichend, so kann man sich der Illusion hingeben, am Meer zu sein. Im Rücken fährt ein Zug vorbei;  Nahverkehrszug, registriert das Eisenbahnerohr sogleich. Der Fluß riecht schmutzig, aber die Leute baden trotzdem.

Um diese Jahreszeit sieht der städtische Rosengarten aus einem bestimmten Blickwinkel aus wie von Monet gemalt. Ältere Herren, die sich mit Hüten gegen die Sonne schützen, stehen zwischen den Beeten wie englische Touristen in der Provence. Man möchte sie fotografieren, wenn einem das ständige Herumknipsen nicht zuwider wäre.

Sonnenblumen sind nicht immer einzigartig. Im Garten randalieren schwarzäugige Susannen und blaue Kardendisteln inmitten ordentlicher Rosenbeete. Eine möglicherweise neuere Züchtung, die ihre Herkunft von der Heckenrose nicht verleugnen kann, duftet wie das Paradies selbst. Ein paar Schritte weiter wird auf eine Duftrose hingewiesen, der man den Namen „Heidi Klum“ gegeben hat. Na, wie die riecht, will ich gar nicht wissen.

Der Ginster ist nun voll aufgeblüht, und in einer Ecke blüht auch der giftige Oleander. Winden, dieses zarte Unkraut, sind überall. Die Clematis scheint die pralle Sonne nicht zu mögen, aber auch nicht den Schatten. Auf meinem Balkon ist sie  immer schon nach einer Saison eingegangen, in der  sie sich mit ihren  leuchtendvioletten Sternen gegen das Orange der Kapuzinerkresse und der Tagetes tapfer verteidigt hatte.

Die Stadt stellt handtuchgroße Beete zum Anbau einjähriger Nutzpflanzen zur Verfügung. Das hilft mir nur leider gar nichts, denn ich suche ein Asyl für meine schwarze Johannisbeere, die auf dem Balkon verkümmert. Für einen Sauerkirschbaum, von dem ich seit Jahren träume,  ist da ohnehin kein Platz.

 

Dieser Sommer / este verano

Diesen Sommer habe ich, glaube ich, so gut wie verpasst. Zu viel Arbeit, zu viel Beziehungsstreß und folglich in der Freizeit kaum noch Energie. Wo ich lebe, ist es oft bis in den Oktober hinein noch schön und sonnig, aber es ist nicht da, wo ich sein möchte. Die Landschaft ist hier von postkartenartiger Schönheit, aber  ich kann das nur konstatieren, die Schönheit berührt mich nicht.

Will man Teilen des Internets glauben, so verbünden sich gerade Muslime und Feministinnen, um gemeinsam die Weltherrschaft zu übernehmen. Ach!