Spaziert

Kirchtürme, Insel, Bäume
In den Frühlingsanlagen
Der Schneemann wohnt jetzt bei Fräulein Lehmann, glaube ich.
Im Rosengarten
Der Weg ist mir verschneit.
Im Rosengarten
Im Rosengarten
Der Lieblingsbirnbaum mit dem Rosenstrauch, der sich an ihm hält.
Rosenbeet
Im Rosengarten
An der Isar
Hatte ich auch nicht vor bei dem Wetter.
Der Friedhof der Ordensmänner

In der Konferenz stürzt bei mir erst Skype und dann alles andere ab. Die letzte Viertelstunde verpasse ich deswegen, aber die Kollegin beruhigt mich: ich hätte nichts versäumt. Madame Chef möchte uns am liebsten zwangsweise ins Büro zurückholen, aber davor ist zum Glück der Betriebsrat.

Aus Italien kommen neue Dichtungsringe für die Caffettiera. Die hat eine Sondergröße irgendwo zwischen einer und zwei Tassen, für die es hier in Deutschland anscheinend keine Ersatzdichtungen gibt.

In der Apotheke bekomme ich FFP2-Masken, teurer als im Internet, aber für mich bezahlbar. Zufällig sehe ich, dass man in der Corona-App nun auch Begegnungsnotizen eintragen kann. Ich probiere es aus und finde es praktisch.

Am Abend lese ich auf einem benachbarten Blog Trauriges und hoffe inständig, dass sich das alles wieder einrenkt.

Ab nächste Woche ist in Bayern das Tragen von FFP2-Masken beim Einkaufen und im ÖPNV Pflicht. Ich besitze eine einzige. Morgen werde ich in die Apotheke gehen. Sicherheitshalber bestelle ich zehn Stück bei einer Versandapotheke. Mein Bruder, der in der Verwaltung einer Schule arbeitet, nutzt diese Masken schon lange. Ich selbst habe bisher Stoffmasken getragen.

Viel wird über sinnvolle und weniger sinnvolle Maßnahmen gestritten. Mir ist jede Maßnahme recht, die dazu beiträgt, Ansteckungsgefahr zu reduzieren. Mir ist aber auch klar, dass es eine absolute Sicherheit nicht gibt.

Während ich arbeite, hinterlässt beste Ex der Welt eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter. Es geht ihm immer noch schlecht, und die Nachricht ist nur teilweise zu verstehen.

Ein feiner Herr

Er soll hier Ewald heißen. Das ist ein Name, den in seiner Heimat und seiner Generation einige Männer tragen. Wenn es nach den Behörden gegangen wäre, hätte er der Aktion T4 zum Opfer fallen sollen. Ich glaube, ich habe hier schon einmal erwähnt, dass ein ganzes Dorf zusammenarbeitete, um das zu verhindern. (Eigentlich waren es zwei, noch dazu verfeindete Dörfer, die ihn retteten. Egal, wer fragte, der Ewald war immer gerade woanders.)

Er hatte feine Manieren und liebte feine Anzüge. Weil er arm war, bekam er nur abgelegte Anzüge, die er mit eleganten Krawatten und einem perfekt gebügelten Einstecktuch trug. Ich glaube, seine Schwägerin oder die Schwiegertochter seines Bruders änderten und bügelten die Anzüge für ihn, wenn er in seiner liebenswürdigen Art darum bat. Wo er die feinen Manieren her hatte, weiß ich nicht. Seine Familie war eher grob im Umgang. Ich weiß aber, dass er selbst feinfühlig und ein guter Beobachter war. Womöglich hatte er sich die Manieren in der nahegelegenen Großstadt, die sich etwas auf ihren Reichtum und ihre Vornehmheit zugute hält, abgeschaut.

Sprechen konnte er nicht so gut, aber er konnte schreiben. Damit meine ich nicht, dass er Grammatik und Orthografie beherrschte, das war nämlich nicht der Fall. Er konnte aber schriftlich Dinge ausdrücken, von denen niemand vermutet hätte, dass sie in seinem Kopf Platz fanden. Ich weiß das, weil meine Mutter mir einen Brief gezeigt hat, den er ihr geschrieben hat. Er konnte so schreiben, dass man seine Gedanken ganz tief innen fühlte.

Zu anderen Zeiten hätte man seine Begabungen sicher fördern können, aber in seiner Generation und seinem Milieu war nicht daran zu denken. Sein Bruder, bei dem er lange Zeit lebte, soll ihn schlecht behandelt haben. Die Drohung „Du kommst nach Hadamar!“ hat ihn zeitlebens geängstigt.

(Man soll die Menschen, die man „geistig behindert“ nennt, nicht unterschätzen.)

Anderswo

Beinahe hätte ich es vergessen, das Anderswo.

Warum glauben Menschen, sie hätten ein Recht, über die Körper anderer Menschen zu verfügen?

Juna über den Talmud, den man nun online lesen kann.

Es ist keine Zeit für Helden, sagt Solminore.

Die Beifängerin über eine große Versuchung (Thema: Rechtsradikalismus, Faschismus und wie die Gesellschaft, also wir alle, damit umgehen.)

Wenn Sie Spanisch verstehen und möglicherweise schon ein bisschen Gitarre spielen können, dann hat Emilio Caracafé vielleicht etwas für Sie. (Werbung, für die ich nichts bekomme.)

Eine volle Notrufschicht, fast wie früher: ich schaffe an einem Tag ein Arbeitspensum weg, das den jüngeren Kollegen für zwei Tage reichen würde. Das geht nicht mehr jeden Tag, aber wenn es geht, lache ich mir ins Fäustchen. Ich habe ein gutes Augenmaß, was die Arbeitsmengen betrifft. Zwar bekomme ich nur meine eigene Statistik zu sehen, aber als ehemalige „Permanencière“ (Schichtleiterin) kann ich die Kolleg*innen recht gut einschätzen.

Anderes reduziere ich, auch hier, und vor allem auf Twitter. Dabei mag es seltsam scheinen, dass ich einen Nebenschauplatz eröffnet habe, aber der wird, glaube ich, die Spielwiese für meinen Eskapismus.

Corona ist nun auch in meiner unmittelbaren Nähe angekommen. Der beste Ex der Welt und sein Sohn haben sich infiziert. Ich mache mir große Sorgen, denn der Ex ist Risikopatient. Andererseits habe ich es kommen sehen: der beste Ex der Welt ist leichtsinnig und verantwortungslos. Deshalb habe ich ihn in den letzten Wochen nicht mehr treffen wollen, was wohl klug war.

Anderswo

Mit etwas Verspätung verlinkt: Christa Chorherr über den Tag der Unschuldigen Kinder, und was er heute für uns bedeuten könnte.

Über Sennerinnen.

Wir alle kennen die Biene Maja. Inzwischen wissen die meisten von uns auch, dass W. Bonsels ein Antisemit war. Er hatte eine Verehrerin, mit der er Briefe wechselte und die später in Auschwitz starb.

Ebenfalls mit Verspätung verlinkt, aber Sie können es sich ja fürs nächste Jahr aufheben: Ein Landwirt träumt nicht von weißer Weihnacht.

Er kann auch anders. Diego Jiménez Salazar „El Cigala“ hat im Laufe der Jahre viele Genres der spanischsprachigen Musik ausprobiert. Hier noch einmal die Wurzeln seiner Kunst.

Vielen Dank für die guten Wünsche zum neuen Jahr. Ich schätze, hier geht es weiter mit den Strichen an der Zellenwand.

Nach dem Frühstück spaziere ich zur Theresienwiese, laufe einmal drumherum und spaziere wieder nach Hause. Die Sonne scheint; es sind nur wenige Menschen unterwegs. Kalt ist es, den Wintermantel kann ich gebrauchen, aber Mütze oder Handschuhe sind noch nicht nötig. Eine gebeugte alte Frau mit grauschwarzbrauner Kleidung entpuppt sich beim Näherkommen als junger Mann mit schlechter Haltung. Aus der Ferne bewundere ich das Testzentrum und bin froh, dass ich da nach derzeitigem Stand nicht hin muss. Im Gegensatz zu früheren Jahren ist der Gehweg nicht mit Feuerwerksabfällen bedeckt.

An der Wand hängt ein neuer Kalender. Vier Spalten, ganz links Geburtstage, dann Notrufschichten, dann sonstige Termine, dann Begegnungsnotizen.

Am Vormittag wünsche ich dem Mütterlein per Telefon ein gutes neues Jahr. Sie ist guten Mutes, wenn auch sehr genervt von der Gesamtsituation. Meinen Bruder lasse ich grüßen, meiner Schwester schreibe ich eine Mail und alle anderen haben in einem Aufwasch zu Weihnachten und Neujahr entweder schon Mails oder Karten bekommen. Der beste Ex der Welt hat Geburtstag, ausgerechnet. Ich erreiche ihn aber nicht.

Ich vergesse etwas, was ich mir vorgenommen habe. Erst am Abend, kurz vor Beginn der Ausgangssperre fällt es mir wieder ein. Morgen ist auch noch ein Tag.